Im dünnen Netflix-Angebot die dicken Dinger finden

Die Discoverability bei Netflix – Neudeutsch für Auffindbarkeit von Inhalten – ist höchstens so lala. Netflix gehört ja zu den Unternehmen, das glaubt, dank Big Data und tollen Algorithmen den Nutzer besser zu kennen, als der sich selbst kennt. Das ist etwas anmassend und im Fall von Netflix weniger zutreffend als z.B. bei Spotify, weil der Katalog zu klein ist. Er enthält zu wenig Perlen, die ein kleverer Algorithmus nach oben spülen könnte. Damit ein Algorithmus überraschende Querverbindungen herstellen kann, brauchen wir als Nutzer genügend Spielraum, um unsere seltsamen Vorlieben auszuleben und zu demonstrieren.

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Nix Blade Runner bei Netflix. (Bild: Robert Mizrahi/feelgrafix.com als Wallpaper)

Man kommt bei Netflix um manuelle Suchen nicht herum. Da helfen die verborgenen Kategorien etwas, aber alles in allem macht die Suche einen willkürlichen und unausgegorenen Eindruck. Aber es gibt ja Drittdienste:

Unogs.com zum Beispiel. Die Site erlaubt eine Suche nach Stichworten. Sie grenzt das Angebot aber auch nach diversen Parametern ein: Bewertungen bei Netflix, Imdb und Rotten Tomato, Erscheinungsjahr, Genre, Typ (also Serie oder Film), Sprache und Untertitelsprache. Hätte man zum Beispiel gerne einen Sciencefiction-Film mit einem Imdb-Rating von 8 bis 10, der 1980 bis 1983 erschienen ist, wird einem… nunja, nichts empfohlen. Man findet heraus, dass es im Netflix-Katalog keinen einzigen Sciencefiction-Film gibt, der in dieser Zeitspanne herausgekommen ist. Und einem Tron1, Star Trek II: The Wrath of Khan, Blade Runner, E.T. the Extra-Terrestrial sowie WarGames vorenthalten wird. Aber wie gesagt: Der Netflix-Katalog ist eine einzige grosse Lücke.

Apropos: Unogs.com ermöglicht es auch, die Suche nach Ländern einzugrenzen. Man kann in der Liste mit 241 Ländern2 diejenigen auswählen, die einen interessieren – mehrere Kataloge oder auch nur die Schweiz. Wenn man keinerlei Auswahl trifft, sieht man das gesamte Netflix-Angebot und kann die Zahl der verfügbaren Titel pro Land eruieren. Für die Schweiz sind es im Moment 2604, für Deutschland 2010, für UK 3309 und die USA 5278 Titel.

Wie gesagt: Eine einzige grosse Lücke. Imdb listet 3’975’949 Titel. Klar, da wird viel Quark dabei sein, den Netflix nicht unbedingt breittreten muss – andererseits: Wieso auch nicht?

Wenn man feature films und TV series zusammenzählt, kommt man auf 466’057 Titel3, sodass Netflix in der Schweiz über den Daumen gepeilt 0,5 Prozent des Filmschaffens bereithält. Wenn man die Top-Filme ansieht, ist die Analyse von Thenextweb.com etwas vorteilhafter, da sind es 31 Titel von den Imdb-Top 250.

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Nett: Bei Instantwatcher.com kann man auch nach Länge suchen, und man sieht die Verteilung in den einzelnen Kategorien.

Um bei diesem Exkurs zu einem Ende zu kommen, ist die Bemerkung noch wichtig, dass das wahrscheinlich nur teilweise Netflix’ schuld ist. Es liegt sicher an der verworrenen Situation bei den Verwertungsrechten, die ein vollständiges Streamingangebot quasi verunmöglicht. Aus Sicht der Nutzer ist das bedauerlich. Aus Sicht der Rechteinhaber ist es schlicht dumm, weil sie sich selbst einer(immer grösser werdende) Einnahmequelle verschliessen.

Was die alternativen Suchmöglichkeiten angeht, gibt es noch viele mehr: Flixsearch, Instantwatcher, FlickSurfer, Flixsearch oder Flixlist, um nur einige zu nennen.

Footnotes

  1. Tron ist vorhanden, siehe Kommentare, auch bei unogs.com. Dass ich den Film nicht gefunden habe, dürfte an einem Aussetzer während meiner Recherche zum Beitrag gelegen haben. ^top
  2. Das sind irgendwie mehr als die 193 Staaten, die es laut Wikipedia gibt. Aber vielleicht hat Netflix insgeheim ja bereits das Sonnensystem kolonialisiert. ^top
  3. Wobei ich jetzt nicht sagen kann, ob Imdb bei Serien die Serie als Ganzes oder Einzelepisoden zählt – je nachdem fällt der Vergleich zu Netflix, wo es Serien als Ganzes sind, natürlich ungerecht aus. ^top

Autor: Matthias

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