Echt jetzt?!

Seit einiger Zeit pflege ich in diesem Blog die schöne Rubrik Nerdflicks. In ihr bespreche ich Filme mit einem Nerdbezug, und zwar am liebsten, indem ich bei Netflix die Untertitel einschalte und Screenshots der besten Szenen nehme. So lässt sich der Nerdaspekt sehr schön herausarbeiten, wie zum Beispiel dieser Beitrag zeigt. Oder dieser hier. Oder der.

Damit ist jetzt allerdings Schluss. Wenn man bei iOS 10 einen Screenshot macht, sieht das so aus:

161021-drm-idioten.png

Man sieht die Bedienelemente, falls sie eingeblendet sind, sowie die Untertitel. Was fehlt, ist der Film selbst. iOS 10 verunmöglicht bei kopiergeschützten Videoinhalten Screenshots.

Schuld an diesem neuen «Feature» sind natürlich die Idioten unfreundlichen Menschen der Content Mafia. Die will vermeiden, dass man Standbilder aus DRM-Videos nehmen kann. Das ist IMHO unverhältnismässig, zumal die Verwendung von solchen Stills unter Fair Use fällt, wie zum Beispiel hier ad nauseam diskutiert. Nun gilt bei uns die US-amerikanische Fair Use-Doktrin bekanntlich nicht. Es gibt aber das Bildzitat, das in meinen Augen (und auch nach Ansicht anderer Leute) Screenshots aus Filmen erlaubt, wenn man darüber schreibt.

Die Schweizer Rechtslage ist aber sowieso irrelevant, da die Screenshot-Funktion nicht nur in der Schweiz, sondern auch in den USA selbst blockiert wird.

Man kann daher nicht behaupten, dass Apple mit dieser Sperrfunktion etwas Ungesetzliches verhindern würde. Obwohl man natürlich theoretisch einen ganzen Film Bild für Bild screenshotten und diese Einzelbilder zusammen mit einer Aufnahme der Tonspur zu einer Raubkopie zusammenführen könnte. Praktisch ist diese Gefahr absolut gleich null, weil der Raubkopierer mit dieser Methode noch in 10 Jahren nicht fertiggeworden wäre.

Mit anderen Worten: Das ist einmal mehr ein Beleg dafür, dass den Arschgeigen unfreundlichen Menschen der Content Mafia jegliches Verständnis für die Realität abhanden gekommen ist. Sie verhindern nämlich effektiv eine Berichterstattung über ihre Produkte. Diese Berichterstattung ist in aller Regel wohlwollend. Natürlich gibt es Verrisse, doch selbst die könnten dazu führen, dass sich jemand angeregt fühlt, den besprochenen Streifen anzusehen. Im Fall von Filmbesprechungen ist es wohl wirklich so, dass es no such thing as bad publicity gibt. (Abgesehen vielleicht von dem Fall hier.)

Darum ist es eine Schande, dass Apple vor der Content Mafia eingeknickt ist und auch Unternehmen wie Netflix dieses beschämende Spiel mitspielen.

Autor: Matthias

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