Apple will nicht, dass ich ein Macbook kaufe

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich bei mir die Vorbehalte gegenüber dem Apfelkonzern in der letzten Zeit stark gewachsen sind. Die Ambitionen im Luxussegment gehen mir gegen den Strich. Mich stört auch das selbstbewusste Auftreten, dass in letzter Zeit je länger je weniger zu den Taten passt. Mich stört der Egiosmus, der Apple im Store an den Tag legt. Oder wie der Konzern seine Marktmacht schamlos nutzt – zuletzt gesehen bei der Causa Spotify. Meines Erachtens überfällig, dass Wettbewerbswächter, zum Beispiel der EU, hier eingreifen. Apple muss IMHO schlicht gezwungen werden, auf seiner Plattform auch fremde Zahlungsschnittstellen zuzulassen. Überzeugt hat mich Tim Cook eigentlich nur beim Zwist gegen das FBI.

Irritierend finde ich auch den Umgang von Apple mit seiner Produktpalette. Ich möchte mein 5½-jähriges Macbook Pro so langsam ablösen. Es ist dank SSD zwar wieder recht flott unterwegs. Aber allein für die Produktion meiner Videos könnte ich etwas mehr Saft brauchen.

160714-macbook.jpg
Apples Hardware ist zeitlos – und teils seit Jahren nicht aktualisiert. (Bild: «Unibodypower» von Anssi Koskinen/Flickr.com/CC BY 2.0)

Nur: Es ist im Moment nicht vernünftig, in neue Mac-Hardware zu investieren. Die Buyer’s Guides im Web stehen bei allen Modellen, mit Ausnahme des kürzlich erneuerten, für mich aber irrelevanten Retina Macbooks, die Ampeln auf Rot. Die klare Empfehlung: «Don’t buy!»

Zum Beispiel bei Macrumors. Oder auch bei Buyersguideapple.com. Das Macbook Pro mit 13-Zoll wurde zum letzten Mal im Mai 2015 aktualisiert; ist also seit 422 Tagen unverändert am Markt. Wenn man jetzt zuschlägt, kauft man zwar kein komplett veraltetes Gerät, aber ganz sicher keines, das auf der Höhe der Zeit ist. Nun gut, ich kann auch noch weiter zuwarten. Zumindest, so lange das 2011er-Macbook den Geist nicht aufgibt.

Alt bis uralt ist auch die restliche Palette der OS-X-Geräte: Der Mac Mini hat 636 Tage auf dem Buckel (letztes Update: Oktober 2014), der damals so bejubelte Mac Pro sogar 937 Tage (letztes Update: Dezember 2013). Das kann man nun doch ohne Übertreibung als gut abgehangen bezeichnen.

Nun hat mich Apple vor einiger Zeit an eine Präsentation eingeladen, bei der es um die Profi-Features bei iOS und OS X ging. Ziel dieser Veranstaltung war, uns zu versichern, dass Apple den Profis weiterhin viel zu bieten hat. Nun, das mag für GarageBand ja stimmen. Aber für Leute, die ihren Job nicht mit einer iPad-App erledigt bekommen, klingt das wie Hohn. Final Cut Pro X ist die Profi-Software, die ich am Mac intensiv benutze. Sie ist seit Juni 2011 in der Version 10.0.0 erschienen. Im Moment ist die Version 10.2.3 aktuell. Es gab in fünf Jahren also zwei kleine Updates. Das lässt die Frage aufkommen, ob man als Final-Cut-Nutzer inzwischen ein totes Pferd prügelt.

Kurz: Ich trage mich ernsthaft mit dem Gedanken, Apple den Rücken zu kehren. Ich tue das bis dato nicht. Aber nicht aus Gründen, die mit Loyalität zu tun hätten. Der Haupthinderungsgrund ist im Moment der Umstand, dass ich unter Windows Premiere Pro nutzen müsste. Aufs Umlernen verspüre ich keine Lust. Zweitens ist Adobe auch nicht gerade ein Sympathieträger. Und drittens will und muss ich für den Tagi OS X auch weiterhin abdecken. Und dafür ist es sinnvoll, auch selbst unter Alltagsbedingungen mit dem System zu arbeiten.

Es mag sein, dass die grosse Updaterunde kurz bevorsteht. Und irgend ein Geniestreich die Begeisterung neu entfacht. Genausogut kann es sein, dass das Pro-Geschäft weiter bröckeln wird und andere Produkte das Aperture-Schicksal erleiden.

Jedenfalls darf man sich als treuer Apple-Nutzer zu recht vernachlässigt fühlen. Was Apple hier tut (bzw. nicht tut), zeugt nicht von Respekt. Klar, das Pro-Geschäft ist heute im Vergleich zu den iPhone-Absatzzahlen marginal. Aber trotzdem sind unter den Mac-Nutzern diejenigen Kunden zu finden, die Apple schon die Treue hielten, als das iPhone noch nicht einmal ein Gespinst in Steve Jobs Hinterkopf war.

Welche Bedeutung diesem Traditionsbruch zukommt, ist eine Frage des Standpunkts. Den Aktionären ist sie egal. Die wollen ein Unternehmen dort sehen, wo der Rubel rollt. Wenn das heisst, dass das Unternehmen sich von ursprünglichen Kernmärkten verabschiedet, dann ist das ein Preis, den man ohne Wimpernzucken bezahlt. Für Leute, die in einem Unternehmen trotz kapitalistischer Sachzwänge mehr als nur eine Geldmaschine sehen und ihm so etwas wie ein Wesen, einen Identitätskern zuschreiben würden, geht etwas Wesentliches verloren. Bei mir hat es den Effekt, dass manche Apple-Ankündigungen nicht mehr toll, sondern nur noch hohl klingen.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

3 Gedanken zu „Apple will nicht, dass ich ein Macbook kaufe“

  1. Ach jetzt hör dich bitte auf damit!

    Erstens Apple sollte NFC ganz sicher nicht für Dritthersteller öffnen, das hat rein gar nichts mit einem Ausnutzen der Marktmacht zu tun. Dritthersteller würden die Schnittstelle in schrecklicher Art und Weisse missbrauchen, für das Zahlen müssten wahrscheinlich sogar noch Apps geöffnet und Kennwörter eingegeben werden und schlecht optimierte Zugriffe würden die Akkulaufzeit in den Keller reissen und nachher ist Apple wieder Schuld.
    Nein es ist gut dass man hier einen Strich zieht und sagt: Nein, das erhält ihr aktuell noch nicht. Vielleicht später, aber wir sind aktuell noch nicht soweit.

    Genauso deine Anschuldigungen bezüglich Spotify: Nur weil Google so hirnverblödet ist und Spotify zulässt die UX fürs Bezahlen eines Abo’s zu zerstören, muss Apple nicht gleich nachziehen!
    Die Preise werden ja bald sogar noch gesenkt. Spotify muss, wie früher auch die Presse dazu erzogen werden was die beste UX ist.
    Über das was bei Spotify die UX stört müssen wir hoffentlich uns nicht unterhalten?

    Und zum Schluss noch zu deinem grössten Kritikpunkt: Und zwar dass deine achso tollen Programm nicht laufen.
    Das hat einen einfach und guten Grund: Die Zukunft heisst iPad Pro, mach dich damit vertraut und geniess es darauf.
    Der Mac wird irgendwann vom iPad Pro gänzlich abgelöst, fraglich ist nur wann nicht ob.
    Diesen Herbst werden wieder einige Mac neue HW erhalten, aber eigentlich ist es wie gesagt gar nicht notwendig. Die Zukunft sind iOS-Geräte.

Kommentar verfassen