Das iPhone als Waage

Mit 3D-Touch lassen sich Gewichte im Bereich einiger hundert Gramm relativ präzise bestimmen. Allerdings nur bei kapazitiven Gegenständen.

Im Beitrag Peeken und poppen muss man erst lernen habe ich mich über die Funktion des 3-D-Touch des iPhones ausgelassen.

Meine Vorstellung beim Schreiben dieses Beitrags war, dass das iPhone nur relativ Angaben an die Apps weitergibt, wie stark der Nutzer-Finger aufs Display drückt. (Ich hatte am Briefing von Apple explizit danach gefragt, wie fein aufgelöst die Druckinformationen sind, die erhoben und an die Dritt-Apps weitergegeben werden.)

There’s a web app for that. (Bild: Gerlax/Flickr.com)

Nun belehrt mich die Website touchscale.co eines Besseren. Sie funktioniert, wie der Name sagt, als Waage. Man kann mit ihr Gegenstände bis zu 400 Gramm wägen – oder sogar 480 Gramm mit der Einstellung fest (firm) unter Allgemein > Bedienungshilfen > 3D Touch. Die Messung ist unter der Bedingung möglich, dass der gewogene Gegenstand eine kapazitive Oberfläche hat. Denn ohne diese Eigenschaft ignoriert sie die Touch-Oberfläche des iPhone-Displays.

Früchte und Würste. Nicht aber Briefe oder Backzutaten

Kapazitiv sind einige Früchte oder Würste. Nicht aber Briefe oder die meisten Backzutaten, sodass das iPhone weder die Küchen- noch die Briefwaage ersetzt. Vielleicht könnte man sich mit einer kapazitiven Unterlage behelfen. Diesbezügliche Hinweise sind in der Kommentarspalte herzlich willkommen. Ein anderer iPhone-6s-Experimentator, Ryan McLeod, empfiehlt jedenfalls einen Löffel. Die Touchscale-Waage stellt dafür jedenfalls einen Tara-Knopf zur Verfügung.

Der Entwickler der Waag-Webapp ist Asher Trockman. Er beschreibt das Projekt in seinem Blog , und weist darauf hin, dass man keine Gramm-genauen Resultate erhält. Bei kleinen Gewichten kommt es zu relativ grossen Abweichungen, sodass sich das iPhone nicht als Waage für Drogen eignet. Einige Leute hatten nämlich spekuliert, dass Apple deswegen Waagen-Apps aus dem Store geworfen habe.

Wägen bis 480 Gramm.

Lustig. aber doch nur eine Spielerei

Fazit: Eine lustige Spielerei mit bescheidenem praktischem Nutzen – die aber immerhin etwas mehr über das Potenzial von 3-D-Touch verrät, als ich von Apple erfahren habe. Eine Bandbreite von 0 bis 480 Gramm ermöglicht doch immerhin 480 Unterscheidungsstufen und damit ganz neue Interaktionsmöglichkeiten. Zum Beispiel eine Art digitalen Tresor, den man über ein Druckmuster entsperrt: Erst 3 Gramm Druck, dann 134 Gramm und schliesslich 99 – und offen ist der Panzerschrank!

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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