Wie Apple Leute dazu bringt, für die iCloud zu zahlen

Nach dem Update auf iOS 9 hatte das iPhone-Backup in der iCloud keinen Platz mehr – ich bin dieser ärgerlichen Sache genauer nachgegangen.

Vielleicht ist es euch auch so gegangen: Nach dem Update auf iOS 9 hat mein iPhone die Datensicherungstätigkeit eingestellt. In der iCloud sei nicht mehr genug Speicherplatz vorhanden, um das Backup auszuführen, hiess es. Insofern erstaunlich, als dass ich – ausser dem Update auf iOS 9 – keine Veränderungen vorgenommen habe, die dieses Problem hätten erklären können. Ich habe insbesondere keine Apps installiert, die grossartig Daten produzieren würden.

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Links: Diese Angabe hier erklärt nicht, warum das Backup so viel grösser ausfällt. (Man beachte übrigens das exquisite Screendesign mit überlappenden App-Namen und Grössenangaben.)
Rechts: Hier findet man das Corpus Delicti: Die Fotomediathek!

Um das Problem zu lösen, habe ich die Datensicherung eines alten iPads entfernt. (Das war ein Testgerät, das ich bereits anfangs Jahr an Apple zurückgegeben hatte.) Nach dieser Aktion waren von meinen 5 GB iCloud-Speicher, den man kostenlos erhält, fast die Hälfte frei (2,3 GB). Trotzdem meldete sich das iPhone beharrlich jeden Morgen mit dem Hinweis auf das gescheiterte Backup. Warum das Backup plötzlich so viel grösser ausfällt – genau 4,8 GB, wie sich später herausstellte –, scheint nicht plausibel. Misstrauische Menschen würden Apple Absicht unterstellen. Ich habe relativ lang recherchieren müssen, um des Rätsels Lösung zu finden. Die Erklärung gebe ich weiter unten.

Kauf doch einfach mehr Speicher!
Leute, die nicht lang recherchieren wollen, werden eine andere Lösung bevorzugen. Nämlich die, die Apple in der Meldung zum gescheiterten Backup selbst vorschlägt: «Mach doch ein Upgrade deines iCloud-Speicherguthabens. Kost fast nix.»

Die Preise sind mit der Veröffentlichung von iOS 9 tatsächlich gefallen. Ein Plus von 45 GB (auf 50 GB) kostet 1 Franken pro Monat oder 12 Franken im Jahr. 200 GB kosten 36 Franken pro Jahr, 1 TB schlägt mit 120 Franken pro Jahr zu Buch. Zur Erinnerung: Vor dem Preisabschlag hat man für 12 Franken pro Jahr 20 GB gekriegt. 200 GB beliefen sich auf 48 Franken im Jahr. Die Preissenkung ist somit moderat. Und Apple ist immer noch etwas teurer als die Konkurrenz. Bei Onedrive von Microsoft gibt es 15 GB gratis. 1 TB gibt es für 84 Franken. Die Preise für 100 und 200 GB sind bei Microsoft und Apple allerdings (umgerechnet) identisch.

Weil ich keine Lust hatte, meine Zeit mit weiteren Optimierungsbemühungen zu verschwenden und ich noch viel weniger Lust verspürte, zur guten, alten lokalen Datensicherung zurückzukehren und meine iOS-Geräte mindestens einmal pro ans Macbook anzuschliessen, habe ich das Upgrade gemacht.

Widerstrebend und in dem Gefühl, von Apple ausgetrickst worden zu sein. Meine Empfindung basiert auf folgenden drei Gründen:

  • Die Ursache für das Problem (siehe unten) scheint mir nicht zufällig. Ich würde Apple unterstellen, es genau darauf angelegt zu haben.
  • Ich halte es nach wie vor für blanken Hohn, dass Apple das iCloud-Guthaben von 5 kostenlosen GB an der Apple-ID festmacht und nicht an der Anzahl der verwendeten Apple-Geräte. 5 GB pro Macbook, iPad und iPhone wäre als Dank für die Kundentreue das Mindeste.
  • Und (auch das habe ich früher schon gesagt) ich fände eine Öffnung für andere Clouddienste notwendig: Wer möchte, sollte sein Backup auch bei Onedrive, Dropbox oder bei einem Webdav-Hoster seiner Wahl – und sogar auf dem eigenen, fürs Internet freigegebene NAS machen können. Ich weiss, dass das eine weltfremde Forderung ist – schliesslich haben wir es mit Apple zu tun. Aber vielleicht kapiert Apple doch irgendwann, dass das freie Internet ein Segen für alle wäre.

Und wo liegt nun eigentlich das Problem?
Hier noch, wie versprochen, die Erklärung, warum das Backup plötzlich so viel grösser ausfällt. Diese Angabe ist bei iOS 9 sehr gut versteckt – bei früheren Versionen von iOS hat man sie viel leichter gefunden. Darum darf man Apple meines Erachtens Absicht unterstellen. Denn bei iOS 8 und älter war es simpel zu eruieren, welche Datenmenge eine App beim Backup in der Wolke beansprucht. Bei Platzmangel konnte man eine App vom Backup ausschliessen, die einen grossen Datenhunger, aber vergleichsweise wenig Relevanz hatte. Eine simple und pragmatische Lösung.

Bei iOS 9 wird man fündig, wenn man in den Einstellungen bei iCloud auf Speicher tippt, dann Speicher verwalten auswählt und wartet, bis sich die Anzeige aufbaut. Hier sieht man bei Dokumente & Daten eine Angabe pro App, die einem aber nicht wirklich weiterhilft. Von der oben erwähnten Backup-Grösse von 4,8 GB machen bei mir die Apps in dieser Kategorie gerade mal 121,7 MB aus – an dieser Stelle hatte ich ursprünglich aufgegeben und mir das Upgrade auf 50 GB geklickt.

Hätte ich allerdings im Abschnitt Backups noch einmal auf Arya Stark (Dieses iPhone) getippt, wäre ich zu der Liste mit den Backup-Optionen gestossen. Sie zeigt, dass die Fotomediathek mit 3,1 GB das Problem verursacht. Bei iOS 8 waren die Fotos bei meinen Einstellungen nicht separat gesichert worden. Ich hatte nur den Fotostream aktiv, der nicht ans 5-GB-Guthaben angerechnet wurde1.

Das heisst: Verursacher des Problems ist der schleichende Übergang vom Fotostream zur Fotomediathek. Apple verschleiert diesen, indem die Einstellungen wirklich gut versteckt sind – sogar ich, der ich iOS recht gut kenne, bin erst bei den Recherchen zu diesem Blogpost darauf gestossen. Es ist anzunehmen, dass es vielen Leuten so gehen wird, wie mir und dass es die Fotomediathek ist, die sie über das 5-GB-Limit schubst. Ich finde es störend, dass Apple die Optionen zur Fotomediathek nicht transparenter macht und beispielsweise in dem Dialog, in dem der Speicher-Upgrade empfohlen wird, als Alternative erscheint. Ich werde mir jedenfalls überlegen, meine iCloud wieder downzugraden.

Footnotes

  1. Siehe Frage «Verwendet ‹Mein Fotostream› meinen iCloud-Speicher?» Beitrag Begrenzungen von «Mein Fotostream» und der iCloud-Fotofreigabe: «Nein. Die in ‹Mein Fotostream› hochgeladenen Fotos werden nicht auf Ihren iCloud-Speicher angerechnet.» ^top

Autor: Matthias

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3 Gedanken zu „Wie Apple Leute dazu bringt, für die iCloud zu zahlen“

  1. Ich bin über das selbe Problem gestolpert. Konnte es allerdings nicht wirklich lösen.
    Mein iPad Backup passte immer bequem auf mein 5 GB Konto. und ich hatte die Fotos vom Backup ausgeschlossen.
    Seit iOS 9 ist das Backup plötzlich 40 GB (!) groß. Ich habe die Einstellungen noch mal überpfüft und auch die plötzlich aktivierte Fotomediathek wieder ausgeschossen.
    Doch trotzdem ist das Backup jetzt knapp 15 GB groß! Rechnet man die Größenangaben der einzelnen Apps zusammen komme ich überhaupt nicht auf diesen Wert.
    Auch iCloud Drive nutze ich nicht. Warum ist mein Backup jetzt plötzlich über 10 GB größer?
    Es blieb mir auch nichts anderes übrig als ein Upgrade des iCloud Speichers zu machen.

    Weiß jemand, wie ich auf die ursprüngliche Backupgröße zurückkomme? Gibts noch verstecket andere Einstellungen, die dazu führen, dass die Backups derart groß geworden sind?

  2. Nicht nur auch mit update werden iPhone nutzer gestört genau so wie Microsoft mit windows 10, instaliren und dan geht nichts mehr wie früher.
    Apple iDiot

  3. Es gibt noch einen weiteren gut versteckten Datenfresser: Nachrichten, genauer gesagt iMessage. Dieses wird in der Liste der zu sichernden Apps nämlich nicht aufgeführt. Hat man bei den Einstellungen von Nachrichten aber den Nachrichtenverlauf auf “unbegrenzt” gestellt, so sammeln sich bei intensiver Nutzung gerne mehrere GB an. Hier sollte man am besten “30 Tage” wählen und schwups ist das Backup um etliche GB geschrumpft.

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