Die halbsmarte Uhr von Withings

Das Withings Pulse Ox hat unter meiner Obhut einiges einstecken müssen – nämlich einen Schwall Duschwasser, wie im Beitrag Flatline beim Pulsmesser rapportiert. Obwohl sie es also hätte besser wissen müssen, hat mir die PR-Agentur von Withings ein zweites Gadget überlassen: Die Withings Activité Pop. Mit dem augenzwinkernden Hinweis, dieses Gadget sei resistent gegen Duschwasser…

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Noch eine Vierteldrehung vom Ziel entfernt…

Das fand ich nett und ich habe die Uhr seit gut zwei Wochen an meinem Handgelenk. Die Erkenntnis in der Zeit: Die Activité ist so unaufdringlich wie eine Armbanduhr – ganz nach der Überzeugung des Withings-Chefs Cédric Hutchings im Interview mit Kollege Rafael Zeier, niemand (bzw. nur Ingenieure und Tech-Fans) würden Technologie auf dem Körper tragen wollen. Sie will nicht ständig aufgeladen werden, heischt nicht andauernd mit Benachrichtigungen, Vibrationen und blinkendem Display nach Aufmerksamkeit, und sie will einen nicht ständig zur Bewegung antreiben.

Dezent anzuspornen ist wirkungsvoll
Sie tut es allerdings doch, auf dezente Weise: Sie hat, als einziger sichtbarer Hinweis auf die smarten Fähigkeiten, einen Extra-Zeiger im rechten unteren Quadranten des runden Zifferblatts. Er zeigt an, welchen Anteil seines (selbst wählbaren) Schrittpensums man schon absolviert hat. Ansonsten sieht man auf der Uhr die Uhrzeit. Und zwar ohne dass man sie mit einem Schwenk à la Apple-Watch erst aufwecken müsste.

Trotz ihrer unaufdringlichen Art habe ich den Zeiger als effektiv erlebt. Man hat ihn jedes Mal im Blick, wenn man die Zeit abliest. Und man nimmt über die Nadel mit ihrer 0 bis 100-Prozent-Skala unmittelbar wahr, wie nah man seinem Tagesziel ist – direkter als über eine digitale Anzeige der Schrittzahl. Ich fühle mich jedenfalls tatsächlich bemüssigt, die Nadel forwärtszutreiben. Und es stör mich gewaltig, wenn sie beim Zubettgehen nicht mindestens die (ganz unten gelegene) 65-Prozent-Marke überschritten hat. Worüber man streiten kann, ist, ob es sinnvoll ist, dass der Zeiger nach Überqueren der 100-Prozent-Marke wieder von vorn anfängt. Er könnte auch bei 100 Prozent stehen bleiben. Aber das ist wohl Geschmackssache.

Wie genau die Messung ist, habe ich nicht im Detail geprüft. Im Vergleich zum Telefon zählt die Uhr eher zu viele Schritte. Was daran liegen kann, dass die Uhr immer am Handgelenk befestigt ist, ich das Telefon während der Arbeit aber meist auf dem Schreibtisch liegen habe. Nun mache ich auch während der Arbeit den einen oder anderen Schritt. Vielleicht verwechselt sie auch das Tippen auf der Tastatur mit richtiger körperlicher Bewegung. Wahrscheinlich aber nicht, denn sonst käme ich regelmässig auf 20’000, 30’000 «Schritte». Aber eben, mit der «analogen» Darstellung auf der Uhr ist die effektive Schrittzahl an sich egal. Wichtig ist, dass man das Ziel so setzt, dass man es erreicht, wenn man sich Mühe gibt. Denn sich Mühe zu geben und auf die Bewegung zu achten, ist das, was ein Fitness-Gadget realistischerweise bewirken kann.

Wie stellt man den Wecker?
Die Uhr hat eine eingebaute Weckfunktion, die bei meinem Test bestens funktioniert hat – nachdem ich sie denn in der App gefunden hatte. Sie steckt in der Health Mate-App von Withings in der Timeline-Ansicht, wenn man das breite farbige Band am oberen Rand nach links wischt. Das ist etwas zu gut versteckt. Ohne Hilfe hätte ich die Option hier nicht gefunden. Die App selbst ist sicher schöner als die von Asus, die ich mit der Vivowatch getestet habe. Was die Funktionen angeht, gefällt mir aber die App zu meinem ersten Schrittzähler, dem Jawbone Up, am besten: Da sind die grafischen Auswertungen am schlüssigsten und grafisch am besten umgesetzt.

Das Wecken selbst funktioniert tipptopp und auch das Überprüfen der Weckzeit an der Uhr ist schön gelöst: Man hält den Arm für fünf Sekunden still und tippt dann zweimal aufs Glas, worauf die Zeiger kurz die Position der Weckzeit einnehmen. Auszusetzen habe ich einzig, dass sich das Wecken nicht beenden lässt: Sie vibriert zwölfmal, auch wenn man längst wach ist.

Nachteil: Einwegbatterien
Weiteres Plus: Man muss die Uhr nicht ständig aufladen. Die Batterie hält laut Hersteller acht Monate, wobei das Wecken die Laufzeit (logischerweise) verringert. Ersetzt werden sollte sie dann von einem Uhrmacher. Da kann man sich fragen, ob eine Aufladmöglichkeit nicht besser gewesen wäre – auch wenn es einleuchtet, dass das die Uhr verteuert und wahrscheinlich auch das schlichte Design verkompliziert hätte.

Fazit: Ein schönes Gadget mit einem durchdachten und anders gedachten Design. Es beweist, dass die technoide Anmutung der smarten Handgelenk-Gadgets nicht der Weisheit letzter Schluss, respektive längst nicht die einzige Möglichkeit ist, Fitnessfunktionen an den Mann und an die Frau zu bringen. Ich hoffe, dass Withings mit seinem Chef Cédric Hutchings sich die eigenständige Sichtweise auf den Markt der Wearables bewahren werden, zumal ihr Beitrag IMHO wertvoller ist als die prätentiöse Apple Watch.

Die Activité Pop ist die Variante mit dem Silikonarmband. Sie ist für um die 160 Franken erhältlich. Beim oben verlinkten Amazon-Angebot (mit Affiliate-Link) gibt es sie gerade für 139 Euro.

Autor: Matthias

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