Die Krux mit iOS9

Der Werbeblocker im kommenden iOS-Update – Segen für die Nutzer und Fluch für Blogger wie mich?

Heute kommt vielleicht iOS 9 auf den Markt. Das Update von Apples mobilem Betriebssystem bringt einige Neuerungen, unter anderem die Möglichkeit, einen Werbeblocker zu installieren. Die Vermutung ist wohl nicht verkehrt, dass das auch als Stinkefinger in Richtung Google gedacht ist.

Hier würde man sich einen Adblocker wünschen…

Ich bin in dieser Frage Partei. In diesem Blog werden via Google Adsense Werbebanner angezeigt. Mit denen bin ich nicht reich geworden, aber sie decken die Serverkosten.

Allerdings wird auch mein Einkommen als Journalist zu einem gewissen Teil aus Werbeeinnahmen bestritten – beim Tagesanzeiger und beim Publisher. Werbeblocker schmälern diese Einnahmen und bedrohen entsprechend mein Einkommen. Darum bin ich kein Fan von Werbeblockern. Ich erwähne sie, aber ich rufe nicht zu deren Nutzung auf.

Um meine Haltung etwas zu differenzieren: Ich bin kein Fan von Werbung und habe auch schon Ideen ausgebreitet, wie man Werbung überflüssig machen könnte. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Werbung im herkömmlichen Sinn mittel- bis langfristig durch sinnvollere Finanzierungsformen abgelöst werden wird. Aber vorerst müssen wir mit ihr leben.

Da würde es helfen, wenn beide Seiten sich einigermassen kooperativ gebärden würden. Das heisst: Die Nutzer nehmen die Werbung in Kauf. Und die Werbetreibenden versuchen nach Kräften, den Bogen nicht zu überspannen.

Beides funktioniert leider nicht so richtig. Immer mehr Surfer blockieren Werbung radikal. Gemäss dem 2015 Ad Blocking Report hat die Blockierung zwischen August 2014 und August 2015 um 41 Prozent zugenommen. 198 Millionen Nutzer weltweit setzen ein entsprechendes Programm ein. Das ist egoistisch und kurzsichtig, weil es die Ersteller von Inhalten um Einnahmen betrügt.

Andererseits ist es natürlich so, dass man es weiterhin mit sehr penetranter Werbung zu tun bekommt. Lärmende Flash-Ads, Popups und Popunders, simulierte Eingabefenster oder Betriebssystem-Dialogboxen, und was es sonst noch für Quatsch gibt. Alle die Dinge, die nicht als Acceptable Ads bezeichnet werden können.

Kleiner Exkurs: Verkraftbare Werbung ist, gemäss diesem Manifest, solche, die…

  • nicht aufdringlich ist.
  • nicht beim Lesen stört.
  • klar als Werbeanzeige erkennbar ist.
  • einen nicht anschreit.
  • zur Seite passt, auf der sie geschaltet werden.

PS: Ich hoffe, dass die Werbung auf dieser Seite mehrheitlich in diese Kategorie gehört. Ich habe mir Mühe gegeben, über die Blockierungsoptionen von Adsense auch das inhaltlich Lästige fernzuhalten. Einleuchtenderweise kann ich aber nicht jede einzelne Werbeschaltung sichten und gutheissen. Ende des Exkurses.

Bei den unacceptable ads kann niemand ernsthaft etwas dagegen haben, dass man sich wehrt. Das gilt IMHO auch für die Fernsehwerbung: Zwei, drei unaufdringliche Werbespots würde ich mir schon ansehen. Aber wenn eine zwanzigminütige Sitcom durch einen zehnminütigen, mit Spots und Teasern vollgestopften Werbeblock unterbrochen wird, dann habe ich keine Skrupel, den Harddiskrecorder anzuschmeissen und die Vorspultaste zu verwenden.

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Die umstrittenste Neuerung in iOS9 sind die «Content Blockers» von Safari.

Entsprechend hier mein Aufruf, Werbung zu tolerieren, damit uns Urhebern diese Ertragsquelle nicht flöten geht. Denn je weiter die Werbeeinträge sinken, desto mehr ist mit neuen Werbeformen zu rechnen: Dinge, wie das Native Advertising, wo die Grenze zur Schleichwerbung fliessend ist und absichtlich verwischt wird – denn Werbung, die in der Verpackung von normalem Inhalt daherkommt, kann nicht mehr ausgefiltert werden. Dass das Native Advertising weiter voranschreitet, wäre als veritable Lose-Lose-Situation zu betrachten…

Autor: Matthias

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