Warum mich Apple Music kalt lässt

Apple Music – weder neu noch innovativ noch notwendig.

Apple hat den Megatrend um die Streaming-Musik lange Zeit verschlafen. Er hat den Mainstream vor mehr als vier Jahren erreicht, als ich zum ersten Mal ausführlich für den Tagi darüber schrieb – damals noch aufgehängt an dem inzwischen verstorbenen Simfy.

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Links: Da wäre ich auch von allein drauf gekommen.
Rechts: Für lokale Musik ist die Musik-App annähernd unbrauchbar geworden.

Ich nutze Spotify seit dem Start in der Schweiz Mitte Oktober 2012. Die Schweden könnten in Sachen Musikempfehlungen zwar noch durchaus zulegen. Aber abgesehen davon haben Sie meine Musiknutzung nachhaltig verändert. Trotz der hier geübten Kritik.

Es ist also nicht so, wie vor dem Start des iPhones, als wir mit dem unzufrieden waren, was damals so als Smartphone galt. Im Gegenteil: Spotify beispielsweise macht vieles richtig – indem sie beispielsweise Apps ermöglichen, mit denen ich mit der Spotify-Musik sogar Radio machen kann.

Es scheint nun eher so, dass Apple, nachdem andere den Weg bereitet haben, sich einen lukrativen Markt unter den Nagel reissen will. Und zwar, indem die Marktdominanz auch ausgenutzt wird: Hunderte Millionen iOS- und iTunes-Nutzer erhalten drei Gratismonate zu Apple Music. Taylor Swifts Brief ist da nur eine Randnotiz.

Das ist nicht innovativ. Das ist allenfalls imperialistisches Gehabe. Abgesehen davon ist Apple Music auch einfach nicht gut gemacht. Mich stört eine ganze Latte von Dingen:

  • Die Musik-App am iPhone wurde von Apple Music handstreichartig übernommen. Die lokale Musiksammlung, die ich gerne weiterhin verwenden will, wurde wortwörtlich an den Rand gedrängt. Sie erscheint nun in der Symbolleiste noch als einzelner Punkt bei Meine Musik. Um zu meinen Wiedergabelisten zu gelangen, muss ich erst darauf tippen und dann oben Playlists auswählen. Um zu Genres oder Alben zu gelangen, muss ich Mediathek auswählen und dann über das Dropdown-Menü, in dem Interpreten voreingestellt ist, meine Wahl treffen. Das ist einfach nicht benutzerfreundlich.
  • Die DRM-Querelen. Und die Frage, was mit meiner Musiksammlung passiert, wenn die drei Gratismonate auslaufen und die iCloud-Musikmediathek wieder in eine lokale Mediathek zurückverwandelt werden soll. Dass damit Probleme auftreten werden, ist abzusehen. Ich habe zum Glück vorgebeugt. Einerseits habe ich eine Time-Machine-Sicherung meiner Musik. Andererseits ist alle meine Musik auch bei Google Music.
  • Beim Einrichten der Apple-Music-App wurde ich des langen und des breiten nach Lieblingsgenres und Lieblingsinterpreten gefragt. Das war gleich dreifach doof: 1) Ich mag sehr viele Genres. 2) Meine Lieblingskünstler waren in der Liste nicht vorhanden. 3) Apple kennt meine Lieblingsmusik aus dem ff und braucht mich den ganzen Quatsch gar nicht zu fragen. Schliesslich habe ich meine Musik seit Jahren in iTunes, wo der Playcount jedes einzelnen Stücks verrät, wie oft ich es gehört habe.
  • Ich finde die Empfehlungen nicht so brillant.
  • Und «Beats 1» halte ich (als Stadtfilter-Aktionär) vielleicht für nicht ganz so revolutionär wie Apple.

Mit Apple Music ist Apple seiner Rolle als selbsternannter Vorreiter in der Branche in keinster Weise gerecht geworden. Zusammen mit dem Flop namens Apple Watch sollte uns das ermuntern, die Innovationen künftig ausserhalb von Cupertino zu suchen…

Autor: Matthias

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