Warum Wegwerf-Mailadressen okay sind

Es gibt nützliche Webdienste, die in einer perfekten Welt überflüssig wären. Zum Beispiel die Dienste für Einweg-E-Mail-Adressen. Sie haben ein bisschen etwas Anrüchiges. So, als ob man sich einen gefälschten Schülerausweis besorgen würde, um sich ein bisschen älter zu machen und die Vorteile des Erwachsenenseins schon in Jugendjahren zu geniessen… Und um allfällige Spekulationen im Keim zu ersticken: Nein, ich habe nie einen gefälschten Schülerausweis besessen.

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Öffentliche Mailboxen bei Mailinator.

Dienste wie mailinator.com oder maildrop.cc nutze ich aber gelegentlich. Mein Haupteinsatzgebiet sind die Softwaretests, die ich für Publisher.ch, den Tagi und dieses Blog hier durchführe. Um eine Testversion herunterzuladen, muss man sich immer öfters mit E-Mail-Adresse identifizieren, wobei man selbstverständlich sogleich für den Newsletter angemeldet wird. Dieses Verfahren ist Unsinn. Denn wenn man sich entscheidet, eine Software zu testen, heisst das noch lange nicht, dass man diese Software hinterher als tauglich erachtet, weiter benutzen will und an künftigen Informationen des Herstellers überhaupt interessiert ist.

Abgesehen davon gehen selbst interessante Newsletters in der Mailflut längst unter. Ich werde somit gezwungen, Zusendungen zu abonnieren, nur um mich hinterher wieder abmelden zu müssen. Und ob meine Adresse wirklich gelöscht wird, steht sowieso in den Sternen. Da man mit nichtexistenten Adressen nicht weiterkommt, wenn einem der Downloadlink per Mailadresse übermittelt wird, verwende ich Wegwerf-Mailadressen.

Wirklich unkompliziert ist die Sache mit mailinator.com: Man trägt seine Mailadresse ins Feld ein (ich verwende gern etwas in der Art von youdontneedtocare@mailinator.com), klickt auf Check und sieht die Inbox. Man klickt auf den Downloadlink, holt die Software und aus die Maus.

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peter@maildrop.cc ist ein fleissiger Newsletter-Empfänger.

Falls eine Website die Mailinator-Adresse verweigert, kann man auch andere Domains nutzen (siehe Mailinator alternate domains) oder auf einen ähnlichen Dienst ausweichen. maildrop.cc funktioniert genauso simpel und gemäss meinen Tests zuverlässig. Es gibt auch ausgeklügeltere Dienste wie trashmail.com, die man für Weiterleitungen an seine richtige Mailadresse nutzen kann. Der Clou ist, dass man die Zahl der Mails wählen kann, die weitergeleitet werden. Also zum Beispiel 10 Mails während zwei Tagen.

Fazit: Ein wirkungsvolles Instrument der Selbstverteidigung gegen Spam, trotz der etwas anrüchigen Natur. Eins muss man sich jedoch bewusst sein: Die Mails an diese Dienste sind öffentlich und können von jedem mitgelesen werden. Man sollte sie also möglichst nicht für Dinge verwenden, bei denen Mails mit sensiblem Inhalt verschickt werden könnten…

Update Oktober 2017

Siehe auch Beitrag Verfluchte Wikinger!: Er erklärt, wie man die Wegwerf-Mailadressen mit einer praktischen Browser-Erweiterung nutzt.

Autor: Matthias

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