Weisst du, was da für ein Sternlein steht?

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Augmented Reality: Die sichtbare Welt wird mit einer erklärenden Ebene überlagert, die Sternbilder und Planeten visualisiert.
Rechts die Suchfunktion: Möchte man wissen, wo sich ein Planet, Satellit oder die ISS befindet, sucht man via Katalog nach dem Objekt und lässt sich von der App zu ihm hinnavigieren.

Eine meiner absoluten (und hier fahrlässigerweise noch nie besprochenen) Lieblings-Apps ist Sky View von Terminal Eleven, für 2 Franken im App Store und für 1,89 für Android zu haben. Es gibt auch eine Gratisversion (Android/Apple App-Store), aber die Kaufversion ist ihr Geld allemal wert.

Dem Himmel so nah…
Es handelt sich um eine Astronomie-App, die einem den nächtlichen Himmel näher bringt. Sie bildet ihn Display des Smartphones ab, wobei man dank GPS und Kompasses am Bildschirm den Himmelsausschnitt vor sich hat, den man auch mit dem nackten Auge sieht. Im Display wird das im Zentrum befindliche Himmelsobjekt mit einem Kreis umfasst und mit Namen angeschrieben. Um herauszufinden, ob man nun auf Venus, Mars oder den Polarstern blickt, braucht man das fragliche Objekt bloss anzuvisieren.

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Die Ansicht im Display lässt sich auch übers Kamerabild legen. Links der Blick auf die Caldera von Santorini, die angesichts der Lichtstärke der iPhone-Kamera aber nicht so richtig zur Geltung kommt.
Rechts die Einstellmöglichkeiten zu Sternbilder-Visualisierungen, Verbindungslinien, Bahnverläufen und Helligkeitsfilter. Auch die Kamera-Überlagerung lässt sich in den Einstellungen ein- und ausschalten.

Die App überlagert die Sterne auf Wunsch mit künstlerischen Visualisierungen der Sternbilder, anhand derer man sich zurechtfindet, selbst wenn einem die lateinischen Begriffe nicht geläufig sind. In den Einstellungen lassen sich diese Überlagerungen ausblenden. Auch die Verbindungslinien zwischen den zu einem Sternbild gehörenden Sternen und der Bahnverlauf des ausgewählten Objekts lässt sich zu- und abschalten. Beim Bahnverlauf sieht man übrigens, in welche Richtung ein Objekt wandert und wann es welche Stelle auf seiner Bahn erreicht haben wird. So lässt sich auch einigermassen genau sagen, wann die Sonne hinter dem sichtbaren Horizont (mit Bergen oder Häusern) verschwinden wird. Die App zeigt die Sterne entweder vor einem neutralen Hintergrund oder als Überlagerung vor dem Live-Kamerabild. Letzteres unterstützt die Orientierung, wenn man den Himmel hinter einer charakteristischen Skyline betrachtet; ansonsten kann man es auch abschalten.

Orientierungshilfe
Obwohl sich das iPhone bei meinem Tests meist ziemlich genau ausrichtete, ist es mir nicht immer leicht gefallen, den Himmel mit der Anzeige in Übereinstimmung zu bringen – und zwar mit oder ohne Augmented Reality Camera. Das liegt an der Lichtverschmutzung. Sie führt dazu, dass am Himmel meist weniger Sterne zu sehen sind, als in der App. Bei solchen Problemen sollte man über die Einstellungen die Helligkeitsschwelle (Star Visibility) herabsetzen. Dann werden weniger helle Sterne nicht mehr angezeigt.

Man kann über die Suchfunktion nach Objekten suchen und sich über einen Pfeil zu ihm hinleiten lassen. So findet man sein Lieblingssternbild, natürliche oder künstliche Himmelskörper sehr schnell am Firmament – wenn das Objekt denn sichtbar ist. Die Datenbank mit den Himmelskörpern ist nach Sonnensystem, Sternen, Sternbilder, helle Satelliten, Sternennebel und Galaxien, sowie Objekten aus dem Messier-Katalog gegliedert, und offline auf dem Smartphone gespeichert: Man kann somit auch an abgelegenen Orten ohne Mobilfunkabdeckung Sternenbetrachtungen abhalten. Die Datenbank ist nach Objekten über und unter dem Horizont filterbar. Und man darf seine Lieblingshimmelskörper als Favoriten speichern.

In der Rubrik Sightings richtet man Alarme ein, worauf die App dann eine Benachrichtigung ausgibt, wenn dieses Objekt am Himmel auftaucht.

Keine Alternative zum Software-Planetarium
Sky View ist eine schöne Anwendung von Augmented Reality, die sich auch gut in einer smarten Brille machen würde. Die App erlaubt nicht nur die Echtzeitbeobachtung, sondern kann auch mit manueller Positions- und Zeitangabe betrieben werden. Dieser Einsatzzweck ist am Smartphone allerdings nur bedingt sinnvoll. Dazu verwendet man lieber eine App wie WorldWide Telescope (Das Weltall rückt ein Stückchen näher) oder Celestia1.

Footnotes

  1. Aus meinem Artikel «Ein Spaziergang durchs Weltall» vom 12. Dezember 2005:

    Celestia ist ein 3-D-Astronomieprogramm, das das Sonnensystem aus Captain Kirks Perspektive zeigt und zu Sternen führt, auf denen kein Mensch je gewesen ist. Wie bei Google Earth navigiert man per Maus im dreidimensionalen Raum und steuert seine Blickrichtung und die Position. Da die Orientierung im interstellaren Raum nicht eben leicht fällt, peilt man seine Destination über den Sonnensystem-Browser bzw. den Stern-Browser an. Drückt man die Taste Gehe zu, reist man zu dem Himmelskörper und legt innert Sekunden Lichtjahre zurück.
    Die Planeten des Sonnensystems erscheinen mit fotorealistischen Oberflächen, jedoch bei näherer Vergrösserung nicht in der Detailtreue, die man von Google Earth kennt. Dafür lassen sich auch einzelne Objekte aufstöbern, die um die Erde kreisen: beispielsweise die Internationale Raumstation (ISS) oder das Raumteleskop Hubble. Auch die russische Raumstation Mir zieht ihre Reise um die Erde – allerdings nur, wenn man über den Befehl Zeit > Zeit einstellen den Beobachtungszeitpunkt zurückdreht. Im März 2001 verschwindet die Mir aus dem Himmel. Dazumals wurde die altersschwache Station aus dem Verkehr gezogen.
    Der Ablauf der Zeit lässt sich beschleunigen, sodass man zum Beispiel bei tausendfacher Geschwindigkeit die Drehung der Erde oder bei millionenfacher Geschwindigkeit die Rotation der Planeten um die Sonne beobachtet.
    Wie sich der virtuelle Himmel präsentiert, steuert der Befehl Darstellung > Anzeigeoptionen. Knapp 30 Parameter stellt man ein: Auf Wunsch erscheinen oder verschwinden die Bezeichnungen der Planeten, die Kennzeichnung der Sternbilder oder die Orbitlinien der Planeten.
    Um per Anhalter durch die Galaxie zu düsen, kann Celestia über Scripts gesteuert werden. Und es gibt Hunderte von Erweiterungen, die es mit zusätzlichen Sternen ausstatten oder befähigen, den Himmel über der Erde mit Satelliten zu füllen oder die Flüge der amerikanischen Space-shuttles zu zeigen.
    Dem Stern von Bethlehem kommt man leider nicht auf die Spur – die Zeit lässt sich nur bis zum 17. September 1752 zurückdrehen.
    Celestia (gratis, Windows, Mac OS X und Linux), mit deutschen Informationen zum Programm ^top

Autor: Matthias

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