Kein DOS-Hochgefühl am iPad

Dieses Blog mit seinen hohen journalistischen Standards kommt nicht umhin, ab und zu auch über Misserfolge, gescheiterte Recherchen und unerfüllte Hoffnungen zu berichten. Heute ist so ein Tag, an dem ich einen Sachverhalt ausbreite, der weder mich beglückte noch meine Leser hier in Hochstimmung versetzen wird.

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Gaming, like it was 1991!

Da ist nämlich die App namens iDOS 2 fürs iPad und iOS. Sie basiert auf dem Dosbox-Emulator und verspricht Nerds wie mir, uns die wunderbare Welt des Disk Operating Systems zu eröffnen. Nun kann man das etwas abartig finden, zumal DOS definitiv der Vergangenheit angehört und die meisten Leute Zombies nicht einmal im Bereich der Software gut finden. Das heisst: Es ist gut, wenn selbst tote Betriebssysteme niemals mehr aus ihrer Gruft steigen.

Wieder mal nibbeln?
Andererseits – als iPad-App hat so eine DOS-Umgebung schon was. Man könnte mit alten Programmen herumexperimentieren, wieder einmal Nibbles spielen, mit besagtem QBasic ein paar Jugenderinnerungen hochleben lassen oder ein altes, liebgewonnenes Spiel in den Emulator bringen. Oder man könnte sogar eine DOS-basierte Windows-Version installieren, beispielsweise Windows 3.1.

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«Duke Nukem» und «Dangerous Dave» in der iOS-Dosbox.

Sprich: Eine Spielwiese für nostalgische Nerds. iDOS kommt denn auch mit den beiden Spielen Duke Nukem von 1991 und Dangerous Dave in the Haunted Mansion, die man via Tastatur oder auch über den einblendbaren Joystick spielen kann. Das macht, inklusive des grässlichen 8-bit-Sounds, einen guten Eindruck. Aber natürlich will ich nicht diese beiden Spiele spielen, sondern selbst Hand anlegen.

Die erste Herausforderung ist, überhaupt an den DOS-Prompt zu gelangen. iDOS zeigt nach dem Start ein Menü an, das die beiden Spiele zur Auswahl bietet, sonst aber keine Option offen lässt. Durch Stöbern in den Einstellungen finde ich bei Configurations unter default die Möglichkeit, die Datei dospad.cfg zu bearbeiten. Hier kommentiert man im Abschnitt [autoexec] die Zeile play aus. Das führt dazu, dass die Batch-Datei play.bat nicht automatisch gestartet wird und man zu der gewünschten Ansicht gelangt: c:\

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Hurra! Ein DOS-Prompt am iPad!

Wie Programme in die Box bekommen?
Das ist schön und gut, aber natürlich will man nun eigene Dateien in die iDOS-Box verfrachten: Games, Abbilder von Windows-Installationsmedien, was einem so einfällt. Zu diesem Zweck hänge ich das iPad ans Macbook. Meine Erwartung ist, dass in iTunes beim iPad im Bereich Dateifreigabe eine Verzeichnisstruktur sichtbar ist, in der ich Daten für iBox ablegen kann. Aber nein, das ist nicht der Fall. Wenn man googelt, dann findet man die Empfehlung, das iPad über ein Programm wie iExplorer oder iFunBox zu mounten. Unter Apps müsste dann, so die Theorie, die Verzeichnisstruktur von iDOS zugänglich sein.

In der Praxis sieht man – nichts. Im Supportbereich zu iExplorer finde ich im Beitrag Why can I no longer make changes to the .app (dot app) subdirectory of an app? folgenden Hinweis:

Apple changed file permissions starting in iOS 6 to where the .app (dot app) subdirectory of an app is now read-only (and hidden in iOS 8) which means you can no longer modify its contents (add, edit, or replace files), but you can still add or change files in the Documents and Library subfolders, same as before. We are looking into any way around this Apple restriction, but for now, the only way to gain full access to the .app folder is via Jailbreak. Since it’s a file permissions issue, all other iOS transfer utilities will have the same issue and either not display the folder or have the same read-only access in iOS 6, 7 and 8.
In iOS 8, Apple locked it down even more and made the folder into a symlink (alias/shortcut) for a root directory which can’t even be read, so the only way to access the app bundle in iOS 8 is if you http://pangu.io/ Jailbreak your iPhone, iPad, or iPod Touch.

Mission aborted
Kurz zusammengefasst: Apple verweigert in iOS 7 und iOS 8 den Zugang zu diesem Ordner. Nur nach einem Jailbreak wäre die Dateistruktur zugänglich. Damit ist dieses Abenteuer für mich beendet. Ich erachte Jailbreaks als nicht sinnvoll: Man hebelt eine wirkungsvolle Sicherheitsmassnahme aus und macht sein iOS-Gerät verwundbar. Das sollte man nicht, bzw. nur aus guten Gründen tun. Und DOS auf dem iPad ist kein guter Grund.

Schade. Ich verstehe nicht, warum die Datenstruktur von iDOS nicht über die Datenfreigabe zugänglich gemacht wird oder warum es in der App keine Möglichkeit gibt, Daten via Dropbox, Download oder wie auch immer in die App zu laden. So ist die App, wenn man nicht auf «Dangerous Dave in the Haunted Mansion» steht, komplett nutzlos.

Autor: Matthias

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