So ein Kack!

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Kack sells.

Im Beitrag Lies das! habe ich mich vor gut einem Jahr über die Marotten beim Verkauf von Online-Inhalten aufgeregt. Die müssen bekanntlich einen starken Klickanreiz aufweisen. Eine nüchterne Inhaltsangabe, Zusammenfassung oder emotionale Einstimmung reicht offenbar nicht aus. Es braucht Emotionalisierung, direkte Anrede des Lesers und den Versuch, ihn direkt zu involvieren. Ich habe im Beitrag damals geschrieben, dass man die Methoden in den USA bei den einschlägigen Sites sehr oft sieht, hierzulande mit Ausnahme von Watson.ch aber von allzu aufdringlichen Anbaggerversuchen aus dem Web aber verschont bleibt.

Tja, da war ich nicht ganz auf dem Laufenden: Denn schon im Februar 2013 war eine Publikation an den Start gegangen, die sich damals leicht widersprüchlich als «das erste interaktive Social Media Printmagazin der Welt» anpries. Ein Ding, das komplett an mir vorbeigegangen ist. Auch die Schweizer Medien haben das Phänomen (abgesehen von vereinzelten Erwähnungen und Beiträgen in Branchenblättern) ignoriert. Anfangs März hat sich Schweizer Journalist dem Phänomen angenommen und erklärt, dass «LikeMag und Storyfilter mit Boulevardgeschichten die Sociai-Media-Charts der Schweiz» dominieren:

Die Erfolgsstory schweizerischer Medien hat bei Facebook allerdings ein anderer Kontrahent hingelegt [nicht Blick oder Watson]: LikeMag. Die Zürcher Website ist eine Art schweizerisches Pendant zum deutschen heftig.co, das in Deutschland 2014 für viel Aufsehen sorgte. Wie Heftig präsentiert auch das LikeMag explizit auf die Verbreitung in den sozialen Medien abgestimmte Inhalte: kurios, pseudo-kurios, meist als Video.

In der Social-Media-Rangliste steht LikeMag mit 3,466 Millionen «Flies» an der Spitze. Die Flies sind die Summe von Tweets, Facebook-Likes und +1-Voten bei Google Plus. «20 Minuten» kommt auf 1,72 Millionen Flies, der Tagi noch gut auf 931’000.

Interessant, oder nicht? Da dominiert ein News-Outlet die sozialen Medien, das von den «richtigen» Medien und Journalisten wie mir noch nicht einmal zur Kenntnis genommen wird. Heisst das nun, dass die Macher der «richtigen» Medien Scheuklappen aufhaben? Oder bedeutet es, dass die Anzahl der «Flies» als Metrik für Inhalte nichts taugt?

Nach dem eingehenden Studium einiger LikeMag-Inhalte habe ich keine Skrupel zu sagen: Letzteres ist der Fall. Man darf LikeMag getrost ignorieren. Nicht nur das – man sollte es sich sogar als warnendes Beispiel nehmen, was passiert, wenn man auf Teufel komm raus Klicks, Likes, Tweets und «Flies» generieren will.

Dann ist plötzlich alles nur noch krass:

Alles ist wow:

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Wiesooooooo???!!!!

Und irgend eine Ich-Figur geht durch ein Wechselbad der Gefühle:

Da wäre vielleicht mal eine kalte Dusche angebracht.

Autor: Matthias

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