Müssiggang im digitalen Zeitalter

Ashley Feinberg von Gizmodo hat im Beitrag Five Ways To Use Tech To Hide What an Awful, Lazy Person You Are fünf Methoden aufgezeigt, mit denen Müssiggänger ihre Faulheit verstecken und Aktivitäten vortäuschen:

Kreativität braucht Müssiggang.

Da ist der Trick mit den Lesebestätigungen. Diese lassen sich wie folgt als Alibi nutzen: Man schaltet sie ein1 und gewöhnt sich an, die Meldungen über die Benachrichtigungen im Sperrbildschirm oder die Nachrichtenzentrale vorzusondieren. Nun muss man tunlichst darauf achten, die App nicht zu öffnen, bevor man wirklich bereit dafür ist. Erst dann wird die Nachricht dem Absender als zugestellt gemeldet. Im Idealfall hat sich die Anfrage dann schon von selbst erledigt. Ansonsten hatte man Zeit, sich eine Ausrede auszudenken. Oder die schreckliche Arbeitsbelastung vorzuschützen: «Sieh mal, sooooo lang hat es gedauert, bis ich dazu gekommen bin, deine Nachricht überhaupt nur zu lesen!»

Ich war sooo beschäftigt!
Diese Methode lässt sich sehr gut auch aufs E-Mail übertragen. Dort gibt es die Lesebestätigungen bekanntlich auch. Der Trick ist nun, zwei Mailprogramme zu nutzen2. Beim lädt man alle Nachrichten kontinuierlich herunter und liest sie, natürlich ohne Lesebestätigungen zu senden. Eingeschaltet sind die Lesebestätigungen beim zweiten Client. Sobald man bereit ist, die Nachricht zu beantworten oder sich das Problem erledigt hat, öffnet man das zweite Programm: Die Lesebestätigung geht raus und man antwortet augenblicklich – natürlich mit einem angemessenen Mass an Bedauern.

150302-lesebestaetigung-if.png
Links: Lesebestätigungen manipulativ einsetzen.
Rechts: Dringende Anrufe simulieren, um Verpflichtungen zu entkommen. (Hierzulande leider noch nicht via If-App möglich.)

Die weiteren Tricks: Auch am Computer die Mailsignatur «Von meinem Mobiltelefon gesendet» einrichten. Dann hat man eine Entschuldigung, knapp angebunden zu sein und seine Nachrichten mit Rechtschreibfehler und schlechter Grammatik abzusetzen. Problem hier: Wenn einer weiss, wie er den Quelltext der Nachricht einsieht, dann stellt er anhand des X-Mailer-Eintrags im Mailheader fest, dass das gelogen ist. Die Gefahr ist recht klein, denn wer schaut sich schon Mailheader an?3

Wieso hab ich bloss abgenommen?
Wenn man einen Anruf versehentlich entgegengenommen hat und wünschte, das ungeschehen zu machen, dann sollte man einfach natürlich weitersprechen, dabei den Ausschaltknopf betätigen und das Telefon herunterfahren. Das klingt für den Anrufer so, als ob man in einem Funkloch verschwunden wäre. (Siehe Ignore All of Your Friends and Get Away With It.)

Bei Facebook verteidigt man sich mit der Erweiterung Facebook Unseen (für Chrome). Sie verhindert, dass im Messenger Nachrichten als gelesen markiert werden.

Sorry… muss den Keller auspumpen gehen!
Eine Methode, in Gesellschaft von Leuten einen schnellen Abgang hinzulegen, ermöglicht die IF-App (so heisst die App von Ifttt heute). Dort kann man Anrufe initiieren, auch auf die eigene Nummer4. Wenn es unvermittelt klingelt, dann geht man ran, spricht mit zunehmender Besorgnis ein paar Worte ins Leere und macht dann einen Abgang, weil gerade ein familiärer Notfall herrscht oder der Keller überflutet wurde.

So einfach geht das. Und ist es verwerflich? Nein. Das sind legitime Selbstverteidigungsmethoden, wo einem das digitale Leben immer mehr Kontrolle, mehr Effizienz, Echtzeitkommunikation und Rund-um-die-Uhr-Präsenz abverlangt.

Footnotes

  1. Bei iOS in den Einstellungen unter Nachrichten. ^top
  2. Dazu sollte man beim Client Numero uno das Pop3-Protokoll benutzen und den so konfigurieren, dass die Nachrichten auf dem Server gelassen werden. ^top
  3. Ich tu das, nur dass ihrs wisst! ^top
  4. Leider bislang ohne Unterstützung für Nummern ausserhalb der USA. Daher braucht man für diese Nummer bis jetzt noch ein unauffälliges Zweit-Handy. ^top

Autor: Matthias

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