Fun with Unicode

… denn Fun with Flags war gestern.

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Links: Die Zeichenübersicht, mit den Favoriten am Anfang.
Rechts: Die Suchfunktion.

Die iOS-Tastatur lässt sich dank des Tap-’n-Hold-Tricks nicht lumpen, was Sonderzeichen und Umlaute angeht. Dass man typografische Umlaute wie die Guillemets tippen kann, rechne ich Apple hoch an. Trotzdem kommt im Leben eines Typo-Nerds früher oder später der Tag, an dem er ein benötigtes Zeichen nicht findet. Beispielsweise einfache Guillemets (‹›), Zeichen aus Wirtschaft (¢™), Wissenschaft und Mathematik (Ω±≠∞×), Steuerzeichen (•¶¤), Hoch- und Tiefstellungen (²³₂₃), Brüche (½¼¾), Pfeile und Orientierungssymbole (↘→) und last but not least der ganze Wingdings-Schnickschnack (♬♡♂☎).

Unicode ist schliesslich eine wahre Schatztruhe, der Unrecht widerfährt, wenn die Leute sich immer nur im Ansi-Spektrum tummeln. Die Sache hat schliesslich ihren ganz besonderen Reiz – wie allen der Umstand beweist, dass meine Schwiegermutter ihre WhatsApp-Nachrichten mit ganzen Batterien von 絵文字 verschönert. Auch die farbigen Smileys und Emoticons sind Teil von Unicode und damit (fast) normale Schriftzeichen, die ich ohne weiteren Heckmeck in meinem Blog verwenden kann: 😁

… theoretisch sogar im Titel. Praktisch funktioniert es leider nicht, weil mein CMS bei Titeln Sonderzeichen mit seinem Index durcheinandergerät und falsche Links produziert. Übrigens: Der Umstand, dass die Emojis bei Android und iPhones verschieden aussehen, liegt daran, dass es sich eben nicht um kleine Grafiken handelt, sondern um Schriftzeichen. Und weil die verschiedenen Betriebssysteme unterschiedliche Schriftzeichen verwenden, sehen auch die Emojis je nach Plattform anders aus.

Der Moment im Leben eines Typo-Nerds
Worauf ich hinauswill: Irgendwann kommt im Leben eines Typo-Nerds der Moment, bei dem die Standard-Tastatur nicht mehr weiterhilft. Ich habe mir zu diesem Zweck die Zeichentabelle-App von Ben Robinson besorgt, die es in einer kostenlosen Version mit Werbung und in einer Version ohne Werbung für 2 Franken gibt.

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Links: Die Informationen zum einzelnen Zeichen.
Rechts: Die Unicode-Blöcke zum Sortieren und direkten Auswählen.

Die App zeigt die lange Liste der Unicode-Zeichen, gegliedert nach den Unicodeblöcken. Über das Menü rechts oben erhält man eine Übersicht, in der man direkt zu einem Block springt. Diese Liste lässt sich umordnen, wobei sich dann auch die Hauptansicht nach dieser Anordnung richtet. Die Mühe des Umsortierens sollte man sich machen: Die Blöcke sind standardmässig nach der Unicode-Gruppierung sortiert, in der Alphabete für Armenisch und Bengalisch relativ weit vorne komme. So sehr ich das den Verwendern dieser Schriftsysteme auch gönnen mag: Für mich sind sie nicht relevant. Darum schiebe ich Blöcke wie General Punctuation, Emoticons, Dingbats, Letterlike Symbols, Miscellaneous technical Symbols, Mathematical Operators, Currency Symbols, Number Forms, die Miscellaneous Symbols, die Miscellaneous Symbols and Pictographs und die Transport and Map Symbols nach vorn. Übrigens: Unter Private Use Area findet man (auf dem iPhone) das Äpfelchen-Logo. Witze mit ␀ macht man via Control Pictures und auch ein Braille-Block ist vorhanden.

Die App hat eine Suchfunktion, mit der man ein Zeichen über seine Beschreibung findet. Tippt man ein Zeichen kurz an, wird es in die Zwischenablage gesetzt. Langes Antippen führt dazu, dass ein Dialog aufgeht, in dem das Zeichen mit Name und Hexadezimal-/Dezimalcode beschrieben ist. Man kann es seinen Favoriten hinzufügen, die ganz am Anfang der Liste erscheinen oder direkt benutzen.

Die beiden Schaltflächen am unteren Rand verändern das Verhalten der Zwischenablage. Ist die Schaltfläche mit der 1 ausgewählt, wird das angetippte Symbol direkt in die Zwischenablage gesetzt. Die Schaltfläche mit dem -Symbol sammelt alle angetippten Zeichen, die man dann en bloc in die Zwischenablage befördert.

Fazit: Nützliche App, auf alle Fälle zwei Franken wert!

Autor: Matthias

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