Mit Sway ein Tänzchen wagen

Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich kein Powerpoint-Fan bin. Darum habe ich aufgehorcht, als Microsoft Sway ankündigte. Der erste Neuzugang in der Office-Familie soll die klassischen Präsentationen nicht unbedingt ersetzen, sondern einen weiteren Begriff von «Präsentation» etablieren. Sway soll, falls ich die Sache richtig verstanden habe, ein Instrument für die Internetära sein. Es ist nicht aufs Sitzungszimmer beschränkt, sondern kann seine Botschaft auch via Internet und App vermitteln.

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Die fertige Präsentation, die horizontal durchgescrollt wird.

Das klingt gut, aber wie wir alle wissen, können einleuchtende Konzepten zu ganz fürchterlichen Anwendungsprogrammen führen. Auch bei Sway ist die Fallhöhe beträchtlich, weil Microsoft nicht unbedingt dafür bekannt ist, das Rad jeden Tag neu zu erfinden. Das letzte Mal sind bei genau diesem Versuch die Kacheln herausgekommen. Und wir wissen ja, wie beliebt die sind.

Nun habe ich vor Kurzem eine Einladung zum Betatest erhalten1. Ich konnte mit der Sway-Web-App herumspielen und mir einen ersten Eindruck verschaffen. Ernsthaft gearbeitet habe ich mit der App bislang nicht, aber das wäre bei einer Betaversion auch nicht unbedingt angezeigt.

Gerüstet für die Touch-Bedienung
Als erstes fällt auf, dass die Benutzerschnittstelle mit einer klassischen Office-Anwendung nichts gemein hat. Das Bedienparadigma stammt aus der Welt der Touch-Apps: Durch horizontales Wischen wechselt man zwischen der Storyboard- und der Präsentations-Ansicht. Beim Start erhält man eine Ansicht, in der man den Titel seiner Präsi vergibt und ein Hintergrundbild festlegt. Für die Bildersuche ermöglicht Sway den Zugriff auf OneDrive, Facebook, Youtube und Twitter und erlaubt die Suche via Bing. Ganz verschämt, am Ende der Liste mit den Quellen, findet sich sogar die Möglichkeit, Fotos vom lokalen Gerät zu verwenden. Die Botschaft hier ist unmissverständlich: Sway ist ein Kind der Cloud, und für Leute gemacht, die keine Berührungsängste zur Datenwolke haben.

Nettes Detail am Rand: Verwendet man die Bing-Bildersuche, werden standardmässig Fotos mit einer Creative-Commons-Lizenz geliefert: Da hat Microsoft mitgedacht.

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Die Styles ersparen manuelle Formatierungsorgien.

Die Gestaltung der Präsentation wird über die Schaltfläche Mood bestimmt. Es gibt vorgefertigte Moods, die man via Remix-Schaltfläche auch nach dem Zufallsprinzip zuweisen kann. Das Prinzip hier ist einfach: Man klickt, bis das Ergebnis gefällt.

Wer sich seine Gestaltungshoheit nicht durch die Software streitig machen will, kann die Mood auch manuell modifizieren. Unter Structure gibt man vor, ob die Präsentation vertikal oder horizontal abläuft, und bei Style wählt man ein Vorgaben-Set, bestehend aus Animation, Textur und Schrift. Unter Color verpasst man seinem Werk die passenden Farbkombination. Die Auswahl ist im Moment noch dürftig, aber das dürfte dem Beta-Stadium geschuldet sein. Stile, Moods und Farben lassen sich auch nachträglich jederzeit ändern.

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Über die Symbole am unteren Rand des Abschnitts werden weitere Inhalte hinzugefügt.

Elemente aneinanderreihen…
Im Storyboard wird nun die Präsentation aufgebaut. Durch einen Klick auf das Plus-Symbol in der linken unteren Ecke des Titelbanners werden weitere Inhalte hinzugefügt. Zur Auswahl stehen weitere Headings, Text, Media, Uploads und Layouts. Headings sind weitere Abschnitte, mit denen man seine Präsentation gliedert. Per Text platziert man (wenig überraschend) formatierten Text und bei Media bringt man Bilder oder Videos in seinem Sway unter. Via Uploads lädt man lokale Inhalte hoch, wobei man bislang auf JPG, Tiff, PNG, Gif und Bitmap zugreifen kann. Ich würde erwarten, dass bei der fertigen Version auch die Office-Formate unterstützt werden, also Word, Excel und Powerpoint.

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Die Auswahl für einen Layout-Abschnitt.

Der interessanteste Punkt ist Layout. Er erlaubt einem, komplexere Abschnitte einzufügen. Bislang ist das Angebot bescheiden – man kann ein Bilder-Raster oder einen Bilderstapel platzieren. Aber auch hier sind weitere Elemente angekündigt, etwa das Blockquote oder eine Slideshow (ob das eine Präsentation oder eine Foto-Diaschau ist, lässt sich nicht sagen).

Über das Plus-Symbol lassen sich nun beliebig viele weitere Abschnitte am Ende oder zwischendrin einfügen. Auch das Layout eines Elements lässt sich über das Blitzsymbol ändern. Auf diese Weise baut man seine Präsentation auf, die deutlich flexibler als das starre, folienorientierte Paradigma von Powerpoint funktioniert. Das fertige Werk wird dann über Facebook, Twitter oder den Direktlink als fertige Webpräsi freigegeben. Wiederum ist anzunehmen, dass im fertigen Produkt auch die Freigabe per App oder als herkömmliche Datei möglich ist.

Fazit: Ich finde die grundlegenden Mechanismen von Sway überzeugend und die Bedienung simpel und zweckdienlich. Den Zweck, den eine typische Bildschirmpräsi heute schon erfüllt (oder nicht erfüllt), lässt sich mit Sway heute schon recht gut abdecken. Ich bin gespannt, was man mit dem fertigen Produkt darüber hinaus tun können wird.

Footnotes

  1. Update vom 16.12.: Sway kann jetzt ohne Einladung benutzt werden. Der Zugang erfolgt über sway.com. ^top

Autor: Matthias

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