Die Zeit im Schnelldurchgang

Zeitraffer-Aufnahmen sind eine faszinierende Spielerei mit der Realität. Langsame Abläufe werden durch die Beschleunigung verständlich und durch die zeitliche Komprimierung erkennen wir, wie faszinierend das Wolkenspiel am Himmel oder das Wachstum einer Blüte sein kann. Die wichtigste Zutat für eigene Zeitraffer-Aufnahmen ist Geduld: Man braucht Stunden oder Tage, um das Material einzufangen, das dann auf ein paar Sekunden eingedampft wird.


Da Hyperlapse Videos aus unerfindlichen Gründen hochformatig aufnimmt, musste dieser Clip via FinalCut in die Waagrechte gedreht werden.

Eine Spielart des Timelapse ist der Hyperlapse. Bei der Variante ist die Kamera nicht fix, sondern bewegt sich. Man fängt eine Autofahrt, einen Spaziergang oder eine Velotour ein und komprimiert sie zeitlich. Es ist, als ob man mit Siebenmeilenstiefeln der Strecke entlangeilen würde. Das Problem ist das Gewackel. Weil man sich nie schurgerade auf einer Linie bewegt, stimmen die Einzelaufnahmen nie passgenau übereinander. Wegen der Beschleunigung führt das zu einem wilden Umherspringen des Bildausschnitts – was kein Vergnügen für den Zuschauer ist.

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Die Hyperlapse-App von Instagram ist simpel in der Benutzung: Nach dem Filmen wird der Beschleunigungsfaktor festgelegt und dann wird das Video publiziert. (Es wird auch lokal gespeichert.)

Microsoft Research betreibt ein Forschungsprojekt, bei dem die Bilder in einem aufwändigen Verfahren stabilisiert werden. Dabei wird die Lage des Bildausschnitts im Raum rekonstruiert und durch 3-D-Berechnungen stabilisiert. Da sich die Kamera beim Gehen oder Radfahren auf allen drei Achsen bewegt, reicht es nicht aus, nur den Bildausschnitt zu korrigieren. Das Resultat der hochkomplexen Modelle sind verblüffend ruhige Kamerafahrten, in denen es nur so von Leben wuselt.

Klar, dass man sowas selbst machen möchte. Microsoft verspricht, den Algorithmus als Windows-Anwendung zu veröffentlichen. Bis dahin kann man sich mit der App von Instagram behelfen (kostenlos für iOS, Beschreibung im Blog). Sie arbeitet laut Microsoft deutlich einfacher über klassische Bildstabilisation, die auf die Bewegungssensoren des iOS-Geräts zurückgreift. Beeindruckend ist das allemal, vor allem, weil es ganz simpel funktioniert.

Man filmt mit der Kamera einen Clip, bei dem man sich auf die eine oder andere Weise in Bewegung befindet – und zwar, in dem man möglichst in die Gehrichtung filmt – und wählt nach dem Ende der Aufnahme den Beschleunigungsfaktor (von einfach bis zwölffach). Das fertige Video kann bei Instagram oder Facebook veröffentlicht werden. Es landet aber auch in der Camera roll, wo man es ohne Veröffentlichung bei den sozialen Medien verwenden kann.

Autor: Matthias

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