Ich baue mir meine Pandemie

Heute geht es um heimtückische Arbeitskollegen. Ihr kennt das vielleicht. Keine angenehme Sache. Gut, ich bin mit meinen heimtückischen Kollegen einigermassen gut bedient. Ihre Heimtücke bezieht sich nämlich darauf, mein Suchtpotenzial auszubeuten und mich mit süchtigmachenden Spielen anzustecken. Vielleicht ist eine Art karmische Wiedergutmachungsdynamik im Gang, da ich meinerseits mit Clickomania sehr viele Menschen dazu brachte, sehr viel von ihrer Lebenszeit zu verschwenden. Wie auch immer; der Quiz-Manie habe ich mich erfolgreich verweigert. Ein neuer Versuch wurde von ihnen unternommen, mich zu infizieren. Und zwar mit Plague Inc. (iOS, Android). Ein Spiel, das auf Android gratis ist, auf iOS aber einen Franken kostet. Warum auch immer.

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Clickorrhoe ist auf dem Vormarsch!

Bei diesem Spiel geht es, wie der Name andeutet, um Ansteckung. Man ist ein Genetiker, der die ultimative Seuche kreieren soll. Das Ziel ist nichts Geringeres als die Ausrottung der Menschheit. Die finale Pandemie, wo auch in Island oder Grönland keiner dem Sensemann von der Schippe springt, sondern von eiternden Beulen und von Organversagen dahingerafft wird. In Zeiten von Vogel-, Schweinegrippe und dem Hickhack um Tamiflu ein erfrischend innovativer Ansatz.

Ein lehrreiches Spiel. Man erfährt, dass es längst nicht nur Viren sind, die das Potenzial haben, uns vom Angesicht dieses Planeten zu fegen. Auch Bakterien, Pilze, Parasiten und Prionen haben diese Fähigkeit. Ferner darf man mit Nanoviren und mit Biowaffen experimentieren. Aber wir sind uns einig: Biowaffen sind für Sissis.

Als erstes greift man in den Genpool seiner Seuche aus. Diese «Gene» beeinflussen aber vor allem das Gameplay, indem man sich einzelne Gene freispielt oder sie sich als In-App-Kauf freispielt. Wie immer teste ich das Game als Freeloader ohne solche Käufe. Als zweites wählt man das Land, in dem die Krankheit ausbrechen soll. Einleuchtenderweise wählt man dazu ein Land, das keine hochgerüstete Gesundheitsvorsorge hat. Mit der Türkei und Mexiko habe ich persönlich bereits gute Erfahrungen gemacht. Noch besser eignet sich Ägypten. Da gibt es gute Verkehrsanbindungen für die Ausbreitung. Ansteckung per Luft und ausgelegt auf die Hitze, kommt man gut voran.

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Die Kunst der richtigen Mutation.

Während des Spiels stattet man seine Krankheit mit Mutationen aus. Durch diese Genveränderungen entwickelt sich im Idealfall aus einem harmlosen Infekt eine unstoppbare Plage. Bei diesen Mutationen muss man dafür sorgen, dass sich die Seuche gut verbreiten kann – auf dem Luftweg, per Nutztier, über das Wasser, Vögel oder Parasiten. Man beeinflusst die Symptome – von Übelkeit, Husten, Ausschlag, Schlafstörungen, Zysten bis Anämie ist alles dabei, was für Laune sorgt. Unter Fähigkeiten setzt man die Eigenschaften seiner Plage: Die Resistenz gegen Hitze, Kälte und Medikamente. Bei den Pilzen legt man fest, wie sich die Sporen verhalten.

Jede dieser Mutation kostet eine bestimmte Zahl an DNS-Punkten. Diese erspielt man sich, wenn sich die Krankheit ausbreitet und neue Länder befällt. Die eigentliche Kunst ist somit, die richtigen Mutationen zu veranlassen. Klar, wenn man seine Seuche in einem warmen Land gestartet hat, dann bringt es nichts, sie mit Kälteresistenz auszustatten – da ist die Fähigkeit, Insekten zu infizieren und sie als Überträger zu nutzen, mehr wert. Wenn man eine Seuche hat, die sich schnell verbreitet, die den Infizierten aber nichts anhaben kann, dann erreicht man das Ziel der Auslöschung der Menschheit nicht. Wenn die Seuche allerdings zu tödlich ist, dann sterben die Menschen zu schnell. Das behindert die Ausbreitung und kann dazu führen, dass die Seuche selbst ausstirbt, bevor sie globale Ausmasse angenommen hat.

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Ansteckender, tödlicher…

Das eigentliche Spielfeld ist eine Weltkarte, auf der man die Ausbreitung beobachtet, DNS-Punkte einsammelt und die Flugzeuge und Schiffe beobachtet, die die Seuche von ihrem Ursprung in alle Welt tragen. Man sieht auf einem Tickerband, wie die Seuche die globale Nachrichtenlage beeinflusst. Über die Taste rechts ruft man Statistiken zur Seuche ab und sieht den Ausbreitungsverlauf – und den Kampf gegen die Pharmaindustrie. Denn wenn die Seuche eine gewisse Schwelle überschreitet, startet die Forschung nach einem Heilmittel. Ab dann wird das Spiel zum Rennen gegen die Zeit. Denn wenn die Forschung rechtzeitig ihre Pillen, Impfung oder ein Zäpfchen hinkriegt, dann stirbt die Seuche und die Menschheit kommt mit einem blauen Auge davon.

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Schneller als die Pharmaindustrie.

Das Spiel ist rundenbasiert, wobei man sich durch Erfolge neue Seuchenarten freispielt und auf drei Schwierigkeitsleveln spielt. Bei den schwereren Leveln kümmern sich die Menschen mehr um ihre Hygiene und die Ärzte sind rund um die Uhr im Dienst…

Fazit: Ein lustiges Game, das die Simulationsfreunde unter uns erfreut. Etwas nervig finde ich die Fensterchen, die bei jeder Runde die gleichen Tipps geben. Die kann man über die Einstellungen und Zusätzl. Pop-ups aber abschalten.

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Geschafft. Aber wer soll das auf Twitter noch lesen?

Autor: Matthias

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