Sherlock zum Nulltarif

Kollega Jan Rothenberger hat mir neulich den Tipp gegeben, dass man sich bei Librivox diverse Geschichten von Sherlock Holmes bzw. Arthur Conan Doyle als kostenlose Hörbücher anhören kann.


Auf so einem hübschen Kopfhörer muss ein tolles Hörbuch laufen…

Mir ist eingefallen, dass ich Librivox vor Urzeiten vorgestellt hatte, nämlich am 23. April 2007 als «Tipp der Woche» – und eigentlich selbst wieder einmal nutzen könnte:

Auf der Website www.vorleser.net finden sich rund vierhundert Hörbücher im MP3-Format zum Gratis-Download. Das Angebot aus Leipzig ist legal. Zum Download stehen Werke, deren Urheberrecht abgelaufen ist. Entsprechend vertont Vorleser.net hauptsächlich Klassiker: Angefangen beim griechischen Fabeldichter Aesop umfasst die Hörbibliothek Werke von Goethe und Schiller, den Gebrüdern Grimm, Jules Verne, Tucholsky, Nietzsche und Mark Twain. Auch Gottfried Keller ist vertreten – leider nicht mit dem «Grünen Heinrich», sondern nur mit dem anderthalb Minuten langen Gedicht «Im Wald». Gesprochen werden die Texte von Schauspielern. Auf Musik- oder Geräuschuntermalung, wie man sie häufig bei aufwändig produzierten käuflichen Hörbüchern findet, muss der Hörer meistens verzichten.

Auf Vorleser.net finden sich auch kostenpflichtige Hörbücher, beispielsweise der komplette Koran als 21-stündige Lesung, die man für 24.90 Euro herunterlädt.

Unter dem Namen «LibriVox» (www.librivox.org) haben freiwillige Enthusiasten ein Projekt gestartet, das Hörbücher kostenlos und ohne kommerzielle Interessen anbieten. In ehrenamtlicher Arbeit entstehen Hörbücher in diversen Sprachen. Aufnahmen entstehen in Deutsch, Französisch und Italienisch. Die überwiegende Mehrheit ist allerdings in Englisch.

Geboten wird viel Shakespeare, wiederum Aesop und seine Fabeln, aber auch «Max und Moritz» von Wilhelm Busch oder Texte aus der Bibel. Zum Vortrag steht unter den rund 600 Titeln auch «Der Schweizerische Robinson» von Johann David Wyss in englischer Übersetzung – einer der weniger bekannten Schweizer Klassiker, der von einer in Indien gestrandeten Auswandererfamilie handelt.

Gelesen wird die Geschichte des Berner Stadtpfarrers von einem gewissen Marc Smith aus Simpsonville, South Carolina, der weder über eine Ausbildung als Sprecher noch über ein gutes Mikrofon verfügt. Die «LibriVox»-Hörbücher sind unverkennbar Amateurproduktionen, bei denen nicht immer alle Versprecher herausgeschnitten wurden. Wer das nicht goutieren mag, könnte dann doch selbst lesen – die «LibriVox»-Texte stammen allesamt aus dem Projekt Gutenberg, das klassische Literatur seit 1971 in elektronischer Form archiviert. Heute sind die Texte via Internet frei zugänglich: gutenberg.org

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Klassiker, deren Urheberrecht abgelaufen ist, als Hörbuch aus der Crowd geniessen.

Deutsche Texte finden sich auch unter digbib.org oder unter gutenberg.spiegel.de. Beim zweiten Angebot besteht trotz des ähnlichen Namens keine Verbindung zum ursprünglichen Projekt Gutenberg.

Ich erlaube mir, den Tipp an dieser Stelle unkommentiert zu rezyklieren, und freue mich darüber, dass manche Beiträge dann doch eine vergleichsweise lange Halbwertszeit habe. PS: Den grünen Heinrich hat auf vorleser.net noch immer keiner eingesprochen!

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

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