JPGs kleinkriegen

Wer schon einmal eine JPG-Datei gespeichert hat, der weiss, was das Wort Gratwanderung bedeutet. Es geht um die Frage, wie stark man die Datei komprimieren soll. Da man als verantwortungsbewusster Webmaster seinen (womöglich per Handy surfenden) Gästen möglichst wenig Daten aufhalsen will, möchte man seine Dateien möglichst klein halten. Umgekehrt sind stark komprimierte JPG-Dateien hässlich. Es entstehen die typischen Artefakte: Kästchen, Farbsäume und -abrisse bei flächigen Farben, und generell wirken Bilder schummrig und verwaschen, wenn man zu geizig mit den Bits verfährt. Dem geneigten Leser dieses Blogs wird aufgefallen sein, dass ich meine Bilder oft relativ stark komprimiere – was daran liegt, dass diese Site seit bald 15 Jahren beim gleichen Hoster läuft und die Festplattenkapazität für den virtuellen Server in dieser Zeit nicht wesentlich erhöht wurde. (Und ich zu faul bin, deswegen zu reklamieren).

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Artefakte stehen ihr nicht.


Item, optimal aufbereitete JPG-Daten zeichnen den seriösen Blogger bzw. pflichtbewussten Webmaster aus. Ich bin neulich auf die Site jpegmini.com gestossen, die diesbezüglich grosse Töne spukt: Die JPG-Dateien sollen teilweise auf Bruchteile ihrer ursprünglichen Grösse verkleinert werden (bis 5×), und zwar ohne sichtbaren Qualitätsverlust. Der Trick dabei ist laut den technischen Erklärungen ein Algorithmus, der die Kompression anhand der Sehgewohnheiten des menschlichen Auges anpasst. Wie man sich das im Detail vorstellen muss, wird nicht ausgeführt, aber ich könnte mir vorstellen, dass es analog zur Psychoakustik bei den MP3-Dateien funktioniert, wo die Teile des akustischen Signals weggelassen werden, die der Mensch eh nicht wahrnimmt. Es ist schliesslich tatsächlich so, dass nicht alle Details in einem Bild für den Betrachter gleich interessant sind und man entsprechend dort stärker komprimieren kann, wo man weniger genau hinschaut – etwas platt formuliert. Der Algorithmus findet ausserdem selbständig heraus, wie stark er komprimieren kann, bevor Artefakte sichtbar werden und tastet sich an diese Grenze heran. Man erhält somit das optimale Resultat, ohne selbst mit dem Kompressions-Regler experimentieren zu müssen.

Es gibt JPEGmini in drei Versionen: nämlich erstens als Standard-Version für Windows und Mac zum Preis von 19.99 US-Dollar. Die Pro-Version lässt sich auch als Plug-In in Lightroom einklinken, und sie bearbeitet auch Fotos bis 50 Megapixel. Und es gibt eine Server-Version für Foto-Sites, die mit 39 Dollar pro Monat zu Buch schlägt. Und das beste: Es gibt JPEGmini unter jpegmini.com/main/shrink_photo als kostenlosen Webdienst, bei dem man sein Bild hochlädt (einfach per Drag&Drop in den grauen Bereich ziehen), optimieren lässt und dann in der bitreduzierten Variante wieder herunterlädt. Er ist dann praktisch, wenn man an einem fremden, bildbearbeitungsmässig schlecht ausgestatteten Computer arbeitet und Bilder für sein Blog oder andere Zwecke optimieren möchte. Praktisch wäre, wenn man das Foto vor dem Optimieren noch zuschneiden und in der Auflösung anpassen könnte – dann würde der Dienst einem in drei Vierteln der Fälle das Bildbearbeitungsprogramm vollständig ersetzen…

Autor: Matthias

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