Als ich unter Phantomvibrationen litt

Manchmal bedauere ich es, dass ich der Kummerbox-Betreuer bin. Denn wenn ich auf die Idee kommen sollte, dort eine Frage zu stellen – dann landet diese wenig später vor meiner eigenen Nase. Ich könnte mich natürlich an den Kummerkasten des PC-Tipp wenden – was die Gefahr mit sich brächte, Hohn und Spott zu ernten. (Wobei es tatsächlich einige selbst ernannte PC-Supporter gibt, die in schöner Regelmässigkeit ihre kniffligen Probleme an mich outsourcen. Und sich dabei nicht mal die Mühe machen, aus ihrer E-Mail-Signatur die Hinweise auf ihr eigenes Supportgeschäft zu tilgen. Da bin ich schon neugierig, zu welchem Preis sie meine Antwort ihren Kunden in Rechnung stellen. Aber das nur so nebenbei.)

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Wenn es in der Hose rüttelt… (Bild: Martin Abegglen/Fllickr.com)

Jedenfalls hatte ich es schon seit längerer Zeit mit einem lästigen iPhone-Problem zu tun. Zwei, dreimal pro Tag vibrierte das Telefon ohne ersichtlichen Grund. In den Benachrichtigungen war kein Eintrag vorhanden, mit dem sich die Störung hätte rechtfertigen lassen. Ich habe mir ohne Erfolg die Mühe gemacht, die Einstellungen unter Mitteilungen zu prüfen, ob irgend ein ein Push ohne optischer Hinweis, dafür aber mit einem Ton erfolgt.

Das war es aber nicht. Wenn ein bisschen googelt, dann findet man heraus, dass auch andere an Phantomvibrationen leiden. Es wird sogar unterstellt, es sei alles nur Einbildung. Die BBC hat sich vor einiger Zeit ausführlich über dieses Phänomen ausgelassen (der Originaltext ist weg, aber eine Kopie findet sich bei mindhacks.com). Und wir finden heraus: Keine Hypochondrie, sondern ein fundamentaler psychologischer Mechanismus ist am Werk. Erklärt wird er durch die Signalentdeckungstheorie, die schon vor dem globalen Siegeszug der Mobiltelefone formuliert wurde. Die Theorie besagt, dass es vier mögliche Zustände gibt:

  1. Man merkt richtig, dass ein Signal vorhanden ist.
  2. Man merkt richtig, dass kein Signal vorhanden ist.
  3. Man verpasst ein vorhandenes Signal.
  4. Man bildet sich ein Signal ein, wo keines vorhanden ist.

Die Phantomvibration entspricht Fall vier. Weil ein verpasster Anruf oder eine übersehene Kurznachricht ein Ärgernis darstellt, kalibriert sich das System zunehmend sensibel. die Konsequenz ist, dass Fall drei weniger wahrscheinlich wird, in der Konsequenz aber die Wahrscheinlichkeit für Fall vier steigt.

Eigentlich einleuchtend. In meinem Fall war mein Sensiorium unschuldig, weil das iPhone wirklich vibrierte. Schuld ist eine Einstellung in der Rubrik Töne. Wenn dort bei Neue E-Mail unter Vibration ein Vibrationsmuster eingetragen ist, dann werden neue Mails entsprechend angekündigt, ohne dass dies in der Benachrichtigungszentrale in jedem Fall nachvollziehbar wäre. Ein Fehler im System – aber einer, der sich leicht beheben lässt, indem die Vibration dort einfach abschaltet.

Autor: Matthias

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