Herr seiner Bewegungsdaten werden

Die Moves-App wurde in diesem Blog bei einer früheren Gelegenheit gelobt. Seit einiger Zeit ist es möglich, die Schrittzähler-App mit anderen Apps zu verbinden – darüber haben wir auch in unserer Digital-Sendung zum Reisen mit dem Smartphone berichtet.

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Per moves-export.com exportiert, via gpsies.com konvertiert und bei Google Earth importiert und visualisiert.

Eine Verbindungsmöglichkeit eröffnet Moves Export. Der Dienst holt sich die Daten ab und stellt auf moves-export.com eine detaillierte Analyse bereit – viel umfangreicher, als in der Moves-App selbst. In den Weekly Summaries überblickt man die letzten zehn Wochen, die nach Aufenthaltsorten aufgeschlüsselt werden: Man sieht, wie viel Zeit man zu Hause, an anderen Orten, in Verkehrsmitteln und bei der Fitness verbringt.

Unter oder über dem Schnitt?
Die Fitness Summaries schlüsseln die Aktivitäten (Spazieren, Rennen, Velofahren) auf. Man sieht pro Woche, ob man über oder unter seinem Schnitt bleibt. Bei Your Storylines gibt es pro Tag ein Bewegungsprofil. Auf einer Karte ist die ganze zurückgelegte Strecke ersichtlich. Und in einer Liste werden die einzelnen Abschnitte noch einmal nach Aufenthaltsorten und Etappen aufgegliedert. Diese Daten können als JSON oder GPX exportiert werden. Die GXP-Datei ermöglicht dann auch Analysen mit einer lokal installierten Software. Tipps dazu liefert der Beitrag Was man mit GPS-Logs anstellen kann. Auch ein Import nach Google Earth ist möglich (siehe Screenshot), wobei man via gpsies.com aus der GPX- eine KML-Datei macht.

Schliesslich liefert Moves Export auch Ranglisten. Nebst der globalen Hitparade findet sich eine Aufschlüsselung nach Kontinenten und persönlichen Follower. Unter Services hat man die Möglichkeit, einen Auto-Checkin für RunKeeper und Foursquare einzurichten. Man kann sich manuelles Einchecken somit sparen und bleibt trotzdem Herr seiner Mayorships.

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Die zusammengefassten Fitness-Aktivitäten.

Nicht auf den ersten Blick einsichtig ist, wie man Moves Export überhaupt in Betrieb nimmt. Man muss einerseits Moves Export mit Moves verknüpfen. Dazu tippt man in der App auf das M-Symbol in der rechten unteren Ecke und betätigt Verbundene Apps. Über Browse App stösst man auf Moves Export und kann via Go den Link herstellen. Man wird zur Website geleitet, wo man nun seinerseits eine Verbindung mit seinem Google-Konto anlegt. Dann kann man am Windows-PC oder Mac bei moves-export.com vorbeischauen, sich dort wiederum per Google-Konto authentifizieren und nun die Daten per Browser am Desktop analysieren und herunterladen.

Datenschutzbedenken
Fazit: Moves ist eine tolle App, die nur gewinnt, wenn man mit seinen Daten mehr anstellen kann, als sie bloss in der App selbst zu betrachten. Es bleibt aber ein ungutes Gefühl – denn das gesamte Bewegungsprofil landet über die verknüpften Apps nicht nur bei Moves selbst, sondern auch bei den Dritt-Diensten. Moves Export wird von Nick Harris als Hobbyprojekt betrieben – was einerseits sympathisch ist, andererseits Datenschutzbedenken aufwirft. Moves Export hat eine ausführliche Regelung zum Schutz der Privatsphäre, in der es klar heisst: «Wir verkaufen deine Daten nicht». Dennoch vertraut man sehr persönliche Daten einer wildfremden Privatperson an. Und das stellt einen grossen Vertrauensvorschuss dar.

Als Blogger und Journalist habe ich mich damit abgefunden, dass ich zum Test dieser Dienste keine Wahl habe, als mich selbst als Versuchskaninchen ins Labor zu setzen. Als Privatperson würde ich das wohl nicht tun und darauf hoffen, dass Moves möglichst rasch Moves Export aufkauft und direkt über moves-app.com anbietet. So lägen meine Daten wenigstens nur an einem Ort – was das Risiko einer Datenpanne immerhin um 50 Prozent reduziert.

Morgen beschreibt der Beitrag Rohe Bewegungsdaten eine Möglichkeit, die ganzen Moves-Datenbestand zu exportieren.

Autor: Matthias

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