Das Versionswirrwarr muss aufhören!

Adobe und Microsoft sind daran, ihren Kunden das Mietmodell schmackhaft zu machen. Adobe hat sich bei dem Versuch nicht nur Freunde gemacht, weil die Kaufversionen schlicht abgeschafft wurde. Microsoft lässt den Kunden die Wahl. Zumindest im Moment noch.

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Alle Versionskombinationen abzudecken, sprengt auch die beste virtuelle Maschine.

Nun gibt es ohne Zweifel Argumente für beide Modelle. Intensive Nutzer sind mit der Miete besser bedient. Wer ein Programm nur alle Jubeljahre mal startet, kommt auch mit der längst amortisierten vorvorletzten Version über die Runden. Was einem sympathischer erscheint, ist letztlich aber wohl vor allem eine Charakterfrage. Manche Leute streamen Musik, andere wollen Audiodateien auf der Festplatte haben. Die einen zahlen lieber gern den Kaufbetrag und wissen, dass damit die Sache abgegolten ist. Andere haben nichts gegen einen monatlichen Obolus. Und natürlich. Die Softwarehersteller führen das Mietmodell ein, weil sie sich kontinuierliche Einnahmen versprechen.

Einen Vorteil hat das Mietmodell aber ohne Zweifel. Gemietet wird nämlich immer die aktuellste Software. Erscheint eine neue Version, kriegt sie der Mieter automatisch, während sich der Käufer entscheiden muss, ob er aktualisiert oder nicht. Und da die Software nur noch graduell besser wird, lassen die meisten Käufer dann eben eine, zwei oder sogar drei Versionen aus. Oder auch mal sieben oder acht Versionen. Neulich hat wieder einmal ein fröhlicher Nutzer von Photoshop 6 an die Kummerbox geschrieben, was er nun tun sollte, da diese Version nach dem Umstieg von Windows XP auf Windows 8 ja wohl nicht mehr laufen würde…

Wenn der neueste heisse Scheiss auf archäologische Software trifft
Das Versionswirrwarr nimmt inzwischen echt Ausmasse an, die für alle lästig sind. Geplagt sind die Softwarehersteller, die auch Uralt-Versionen noch pflegen müssen. Aber auch für die Nutzer ist die Situation nicht optimal. Die Fehleranfälligkeit der Programme steigt mit zunehmender Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten und es wird auch wirklich schwer, die Übersicht zu bewahren. Als Kummerbox-Betreuer habe ich mit VirtualBox diverse virtuelle Maschinen mit den unterschiedlichsten Kombinationen von Windows und Office in Betrieb. Wie viele Paarungen es mit fünf Windows-Versionen (XP, Vista, 7, 8, 8.1) und vier Office-Versionen (2003, 2007, 2012, 2013) gibt, kann ja jeder selbst ausrechnen. Beim Internet Explorer begegnen mir sogar sechs Versionen, wobei der IE6 inzwischen zum Glück wirklich selten geworden ist. Gerne betreiben die Nutzer allerdings auch uralte Geräte weiter, sodass das neue System- und Anwendungssoftware mit archäologischen Treibern zurechtkommen müsste.

Besonders heikel sind Konstellationen, wo brandneue Software auf eine Uralt-Version trifft. Eine frustrierte Leserin berichtete mir, dass das Update auf den Internet Explorer 11 bei Windows Vista die Minianwendungen in der Seitenleiste, Zitat, «total verlismet» hat. Das wundert mich wenig. Die Sitebar von Vista hat von den Nutzern wenig Liebe erfahren und steht auch bei Microsoft nicht mehr hoch in der Gunst (bei Windows 8 ist sie nämlich verschwunden). Da wird sich keiner die Mühe gemacht haben, auf die Kompatibilität zwischen dem neuen Browser und der alten Sidebar zu achten. Wenn ich den MS-Entwicklern mal einen Satz in den Mund legen dürfte: «Denen, die heute noch mit Vista arbeiten, ist im Grunde ja sowieso nicht mehr zu helfen.»

Hier ein Update, dort ein Problem
In der Windows-Welt, wo alles mit allem verzahnt ist, stellt das Versionswirrwarr eine besondere Herausforderung dar. Es kommt immer wieder vor, dass ein Update an einer Stelle an einer anderen Funktionalität zerschiesst. Ein klassisches Beispiel, das mir in der Kummerbox heute noch unterbreitet wird, ist, dass Outlook je nach Version des Internet Explorers gewisse Druckfunktionen nicht zur Verfügung stellt – beispielsweise die, nur den markierten Text oder nur die erste Seite aus dem Mail zu drucken.

Es gäbe noch viele weitere Beispiele – aber mein Punkt ist wahrscheinlich so langsam klar. Auch wenn das forcierte Aus für alte Software-Versionen für den individuellen Nutzer im Einzelfall ein Ärgernis ist, so dient es der Sache als Ganzes. Darum ist das Ende von Windows XP im April 2014 zu begrüssen, auch wenn das viele Leute zur Anschaffung eines neuen Computers zwingt. Dass Apple keine Lust am Versionswirrwarr mehr hat, dürfte mit ein Grund sein, dass Mavericks nun kostenlos zu haben ist. Denn wenn der Preis als Hinderungsgrund fürs Update wegfällt, kommt eigentlich nur noch Faulheit bzw. Update-Unlust beim Benutzer in Frage. Und die könnte man durch einen möglichst unauffälligen, reibungslosen Updateprozess vielleicht minimieren.

Am Montag: Tipps, wie man Kompatiblitätsfragen klärt.

Autor: Matthias

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