Das iPad als Jingle-Maschine

Wir senden das Digitalmagazin von Radio Stadtfilter wann immer möglich live. Voraufzeichnungen lassen sich aber nicht immer verhindern. Unser digitaler Realitätsabgleich in drei Teilen, bei dem der erste Teil am letzten Dienstag gesendet wurde, ist eine Voraufzeichnung.

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Alle Sounddateien griffbereit.

Bei den Voraufzeichnungen ist die Versuchung gross, sich nicht so genau ans Zeitlimit zu halten. Man kann nachträglich ja schneiden und der Sendung den letzten Schliff geben. Das ist natürlich auch so – nur hat sich gezeigt, dass der Aufwand für die Nachbearbeitung erklecklich ist. Eine halbstündige Sendung um zwei Minuten zu kürzen, ist viel Arbeit. Zumindest, wenn man den Anspruch hat, dass hinterher keine Schnitte und Lücken im Ablauf hörbar sein sollen. Auch das Einfügen Sendungs- und Sponsor-Jingles macht die Nachbearbeitung zu einer aufwändigen Angelegenheit.

Darum sind wir dazu übergegangen, auch die Aufzeichnungen Quasi-Live zu produzieren, also Live on bzw. Live to Tape (wobei wir nicht wirklich auf Band aufzeichnen). Dazu brauchte ich eine gute Lösung, um während der Aufzeichnung die Jingles einzuspielen. Zwar steht auch im Studio 2 von Radio Stadtfilter ein Computer mit Digimedia zur Verfügung, doch wenn der Moderator mit seinen Gästen am runden Tisch sitzt, lässt der sich schlecht bedienen. Die Lösung ist das iPad mit einer vernünftigen Soundboard-App.

Ich habe mich trotz des stolzen Preises von 20 Franken für Soundboard for iPad von Ambrosia Software entschieden. Die App macht einen soliden Eindruck, und sie bietet die wichtigen Funktionen eines Profi-Soundboards, das nicht bloss dazu verwendet wird, die Freunde mit Furz- und Görps-Geräuschen zu amüsieren.

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Wenn es mehr als 32 Sounds zu spielen gilt, fügt man einfach ein neues Board hinzu.

Die App hat, wie man sich das von einer klassischen Jingle-Maschine gewohnt ist, Slots für Sounds, die per Antippen abgefeuert werden. Es können mehrere Tracks gleichzeitig gespielt werden (maximal 45 Jingles gleichzeitig, was selbst für Jingles-Fanatiker mehr als genug sein dürfte). Jeder Track hat einen eigenen Lautstärkeregler. Es gibt eine Master-Lautstärkeregelung, einen Stop und einen Pause-Knopf, die sich auf alle laufenden Jingles auswirken, sowie eine Duck-Taste. Sie senkt den Pegel, dass man über ein Musikbett drübersprechen kann. Es gibt die Möglichkeit, Jingles zu loopen und im Piano Mode wird ein Jingle so lange gespielt, wie man ihn mit dem Finger berührt. Wenn man mit zwei Fingern zwei Jingles gleichzeitig antippt, wird der laufende gestoppt und der zweite nahtlos gestartet.

Auf einem Board gibt es 32 Slots. Wenn das nicht reicht, richtet man weitere Boards ein, zwischen denen man sehr schnell wechseln kann. Die Boards lassen sich via iTunes importieren und Exportieren und man kann sie mit der Mac-Version von Soundboard austauschen.

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Gefüllt werden die Slots via Musik-App – leider fehlt der Anschluss an die Dropbox.

Die Slots werden im Edit-Modus bestückt, wobei man Zugriff auf die in der Musik-App gespeicherten Musikdateien hat. Das heisst, dass man die Jingles via iTunes oder iCloud synchronisieren muss. Das ist denn auch der einzige Mangel dieser meiner Meinung nach ansonsten sehr gelungenen App: Ich hätte gerne eine Möglichkeit, ad-hoc Sounddateien einzufügen – per Dropbox oder als Webdownload.

Autor: Matthias

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