Dunkle Stunden, dark mail

Nächstes Jahr rollt ein wichtiges Jubiläum auf uns zu. Am 28. Juni 1914 hat Gavrilo Princip den Erzherzog Franz Ferdinand mit Frau Sophie umgebracht. Nun spekuliert Dan Carlin in der Folge 131104-nzz.png
Was die NZZ damals schrieb.

Ich bin, was Geschichte angeht, doch eher auf der naiven Seite anzusiedeln. Und darum schätze ich es sehr, dass dieser schnell redende, laut aufbrausende und tief denkende Mann sich die Mühe macht, die Ereignisse in den dunklen Stunden, Tagen und Wochen anfangs des 20. Jahrhunderts zu erklären, einzuordnen und die Ursachen bis zur französischen Revolution zurückzuverfolgen. Ich hoffe ja, dass sich nächstes Jahr auch andere kluge Leute daran machen werden, uns dazu zu bringen, etwas aus der Geschichte zu lernen. Aber bis dahin verschafft einem dieser Podcast einen guten Einstieg.

Eine zweite Podcastfolge, den ich hier empfehlen will, kommt vom gescholtenen Leo Laporte. Er hat ein Gespräch mit Ladar Levison geführt, dem Gründer von Lavabit. Das war der Dienst, über den man verschlüsselte Mails versenden konnte und den bekanntermassen auch Whistleblower Edward Snowden verwendet hat. Lavabit hat am 8. August den Betrieb eingestellt, weil das FBI nichts weniger als die SSL-Zertifikate hat aushändigen lassen. Damit wären nicht nur die Mails der Kunden, sondern auch die Geschäftsdaten des Unternehmens nicht mehr von der Behörden sicher gewesen.

Es ist spannend zu hören, wie Levison in die Knie gezwungen wurde – und es verrät einiges darüber, wie die Unterwanderung der Internetunternehmen durch die Geheimdienste in der Praxis vonstatten geht. Ausserdem gebührt Levison ein Lob für seine kämpferische Haltung, für die es umgehend eine teure Retourkutsche vom FBI gab. Die Software von Lavabit soll nun als Open-Source auf darkmail.info veröffentlicht werden. Ich bin gespannt, welcher Schweizer Mailbetreiber einen Darkmail-Dienst anbieten wird…

Und wenn wir schon bei Geschichte sind, könnte man auch die Folge mit Tom Standage erwähnen. Der Mann stellt die in seinem Werk Writing on the Wall: Social Media – The First 2,000 Years Behauptung auf, dass die sozialen Medien gar keine neuen Erfindung sind, sondern mit ihren (kritisierten und gelobten) Eigenschaften schon bei den alten Römern existiert haben. Eine interessante These, die der Mann wortgewaltig vertritt (so wortgewaltig, dass sich Leo seine sonst oft etwas lästigen Unterbrechnungen fast vollständig bleiben lässt). Laut Standage waren Luthers 95 Thesen die erste virale Botschaft, die weiterverbreitet, d.h. retweetet und rebloggt wurden. Auch das Buch Das Viktorianische Internet wird erwähnt – in dem behauptet der Autor, die Telegrafen hätten im 19. Jahrhundert ganz ähnliche Mechanismen gespielt, wie heute im Internet…

Autor: Matthias

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