Huch, man kann deinen Blindtext sehen!

Mit Blindtexten ist es so eine Sache: Man müsste daran denken, sie vor der Veröffentlichung durch richtigen Text zu ersetzen. Dafür müsste natürlich auch einer da sein, der etwas zu schreiben oder zu sagen hätte. Daran mangelt es mitunter, aber in aller Regel dürfte schlicht Schludrigkeit schuld sein, wenn das berühmt-berüchtigte «Lorem ipsum» online geht.

Als Medienmensch, dem auch schon derlei Unachtsamkeiten widerfahren sind, sollte ich mich eigentlich hüten, mit Fingern auf andere zu zeigen. Andererseits ist es einfach ein zu lustiges Google-Spielchen, einige besonders lustige Perlen auszugraben.

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Pseudolatein, wenn es um die Schweizer Armee geht. Da würde eine Neueinkleidung mit der Uniform der Schweizergarde passen.

In Anspielung an ein anderes lustiges Spiel namens «Nipple slip» würde ich dieses Google-Game «Lorem ipsum Slip» nennen. Für eine Runde «Lorem ipsum Slip»verwendet man den Browser seiner Wahl und die bevorzugte Suchmaschine. Es kann aber auch Google sein. Man verwendet bei der Suche nicht «Lorem ipsum», weil man dann bei Wikipedia und den anderen Informationsquellen landet, die sich inhaltlich mit dem pseudolateinischen Platzhaltertext auseinandersetzen. Man wählt besser irgendeinen Ausschnitt aus Platzhaltergebrabbel, beispielsweise «sed diam nonumy» (als ob es im Latein Wörter mit y am Ende gäbe). Man setzt den Ausschnitt zwischen Anführungszeichen und ergänzt ihn mit einem interessanten Stichwort. Besonders geeignet sind die Namen politischer Parteien. Denn Politikern unterstellt man nicht zu Unrecht eine Vorliebe zu hohlen Phrasen, und darum ist die Freude umso grösser, wenn man denn fündig wird.

Wie zum Beispiel hier:
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Die FDP Vilters-Wangs lässt sich nicht lumpen und setzt den Blindtext gleich auf die Front.

Oft sind die Blindtexte nur über sehr tiefe Deep-Links erreichbar – irgendwo auf einer abgelegenen Seite, die man bei der Prüfung übersehen hat. Nicht so bei der FDP Vilters-Wangs. Sie präsentiert ihren Blindtext stolz gleich auf der Front, unter der Rubrik «News». Klickt man auf den Veranstalungskalender, findet man vier Einträge von 2011, darunter am 31. August 2011, den «Gemeindeinformations-Anlass». Besser keine Website als so eine.

Man fragt sich tatsächlich, ob die Leute eigentlich auch einmal einen Blick auf ihre eigene Website werfen. Zum Beispiel bei der SVP Thurgau:

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Seit 26. Februar 2012 ein stolzer Lorum-Ipsumianer.

Hanspeter Gantenbein von der SVP Thurgau will einen finanzstarken Kanton, und hat darum beim Webmaster gespart. Seit mehr als einem Jahr hat leider keiner gemerkt, dass neben einem Klischee-Foto nur der Platzhalter zu finden ist. Ich habe schon Google bemüht, um zu überprüfen, ob der Mann überhaupt noch am Leben ist. Ist er, so scheint es, auch wenn seine Site nicht den Eindruck macht.

Den Ruf, besonders reaktionsschnell zu sein, hat sich auch die FDP Baden-Württemberg nicht verdient. Sie präsentiert seit August 2010 eine sympathische Kandidatin namens «Test 2» für die Europawahl.

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Klar: Oft stammen die Blindtexte von Seiten, die zwar angelegt, aber nie in der Navigation verknüpft wurden. Google aber ist schlicht genial darin, diese Seiten aufzuspüren. Bei publisher.ch hatten wir vor einiger Zeit festgestellt, dass Google ein Hintertürchen in den passwortgeschützten Downloadbereich gefunden hatte. Das war in diesem Fall keine Tragödie. Es hätte aber genausogut sein können, dass heikle Informationen an die Öffentlichkeit geraten. Und das wäre dann nicht einfach nur peinlich, wie ein alter Platzhaltertext.

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Es heisst übrigens nicht «Ankternavigation».

Wie hier, bei der Direktion für europäische Angelegenheiten DEA des EDA: Ein Blindtext im Zusammenhang mit Europa? Da müsste der Köppel sofort mit seinen Recherchen anfangen und Blocher ein «Extrablatt» drucken. Denn kann das etwas anderes heissen, als dass auf dieser Seite demnächst der Anschluss an die EU verkündet werden soll?!

Autor: Matthias

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