Was es mit dem Appdata-Ordner auf sich hat

Ausführungen zum Appdata-Ordner beim Mac. Und nebenbei, quasi als Einstimmung erkläre ich die Sache auch für Windows.

Die Hersteller von Betriebssystemen sind darum bemüht, dem Benutzer eine polierte Oberfläche vor die Nase zu setzen, und ihn möglichst von den Dateien fernzuhalten, an denen er nicht herumwerkeln sollte. Man sieht das bei Mac OS X, wo der Library-Ordner seit Lion versteckt ist.

Das Pendant des Library-Ordners heisst bei deutschsprachigen Windows-XP-Installationen Anwendungsdaten und ab Windows Vista bei allen Sprachen einfach nur Appdata. Und er ist, genau wie bei Mac OS X unsichtbar und gut versteckt – weil bei Microsoft vermutlich die Befürchtung herrscht, der Benutzer würde zu unvorteilhaften Aktionen angestachelt, wenn dieser Ordner offen zugänglich wäre.

Gut versteckt heisst: Schwer zu finden
Das mag tatsächlich so sein. Umgekehrt ist es so, dass Fehlerbehebungsmassnahmen oder auch Dinge wie eine Datensicherung oder -übernahme an den im Appdata-Ordner gespeicherten Dateien erfolgen. Das heisst, dass ich als Kummerbox-Betreuer sehr häufig erklären muss, wie man denn überhaupt zu diesem Ordner gelangt. Das sei daher an dieser Stelle ein für alle mal erklärt:
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Wikipedia am Puls der Zeit

Beim PC-Tipp bin ich heute über einen Artikel zum Wikipedia Live Monitor gestolpert. Das ist ein Projekt von Thomas Steiner von Google Hamburg. Die Idee ist, anhand der Aktivitäten bei Wikipedia Rückschlüsse auf die Geschehnisse in der Welt zu ziehen. Die Erfahrung zeigt, dass grosse Ereignisse innert Stunden ihren Niederschlag im freien Lexikon finden. Das heisst, dass man umgekehrt wichtige Ereignisse per Algorithmus identifizieren kann, indem man die Artikel identifiziert, die bei Wikipedia gerade unter Bearbeitung sind.

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Die Auswirkungen bei Wikipedia…

Das klingt überzeugend – und nach einer spannenden Methode, mit der man aus der Flut der vielen belanglosen News die herauszufiltern, die von globaler Bedeutung sind. Eine Gegenprüfung erfolgt anhand von Tweets, Facebook-Einträgen und Google-Plus-Postings. „Wikipedia am Puls der Zeit“ weiterlesen

Rechnen wie von Zauberhand

Die App MyScript Calculator löst komplizierte Rechnungen, die man auf dem Tablet oder Smartphone per Handschrift auf das Display schreibt.

MyScript Calculator ist eine verblüffende App – und eine, die einem Demut lehrt. Die App erkennt die Formeln, die man mit dem Finger auf den Touchscreen schreibt, und berechnet sogleich das Resultat. Das tut die App mit einer Leichtigkeit, die gute Kopfrechner verblüfft, weniger gute Kopfrechner desillusioniert – und Lehrer dazu bringen könnte, während des Matheunterrichts Smartphones und Tablets zu konfiszieren.

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Per Finger oder Stift schreibt man seine arithmetische Formel aufs Display.
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Digitale Auferstehung

Jeder wird früher oder später von einem Computerproblem ereilt. Auch Journalisten, die selber über technische Belange schreiben. Ein Kollege von mir, ein alter Hase, hat in seiner Laufbahn jede Version eines grossen Textverarbeitungsprogramms mitgenommen, seit er vom Wangwriter auf einen Personal Computer umgestiegen ist. Irgendwann in den 1980er Jahren wird das wohl gewesen sein.

Nun zeichnet sich die Computerbranche durch eine bemerkenswerte Geschichtsverweigerung aus. Produkte, die vor ein paar Jahren noch das Grösste waren, werden heute kalten Arsches zum alten Eisen geschmissen. Als Kummerbox-Betreuer fällt mir immer wieder die undankbare Aufgabe zu Leuten beizubringen, dass es Apple noch nicht einmal im Traum einfallen wird, für ihren iMac G4 noch irgend ein Update herauszurücken.

Alte Dokumente? Who gives a crap?
Damit fängt die Tragödie aber erst an. Nicht nur die alten Geräte und Programme sind passé, sondern auch die Dateiformate. Immer mal wieder kommen Leute an, die nach zwanzig Jahren gerne an einem ClarisWorks-Dokument weiterarbeiten würden. Mein Kollege hatte nun die Absicht, seine Ende der Achtziger und Anfang der 1990er Jahre mit Word geschriebenen Artikel einzusehen – zu welchem Zweck auch immer. Nun zeigt Word 2010 erstaunliches Desinteresse daran, sich auf Dateien seiner Vorfahren einzulassen. In neuen Versionen ist das älteste unterstützte Format das von Word 97–2003. Die Dateien von Word for Windows (1989), Winword 2, Word 95 und Co., sind de facto unzugänglich. Die einen mögen Verständnis haben dafür, dass ein Softwareentwickler den Aufwand scheut, Importer für Formate zu entwickeln, die heute kaum einer mehr benutzt. Als Kunde könnte man sich veräppelt vorkommen – denn ein Grund für Produkttreue dürfte schliesslich sein, dass man sich optimale Kompatibilität verspricht. Beunruhigend ist die digitale Demenz auf jeden Fall.

Im konkreten Fall haben wir versucht, die alten Dokumente über Word 2003 zu öffnen. „Digitale Auferstehung“ weiterlesen

Elektronisch Bücher binden

Mit wachsender Popularität der elektronischen Bücher muss man sich auch an neue Dateiformate gewöhnen. Eines der wichtigsten Formate für Ebooks ist Epub, ein offener Standard aus XML, CSS und binären Bild-, Video- und Audio-Dateien, die mittels ZIP-Komprimierung zu einem Bündel geschnürt werden.

Epub ist ein prächtiges Format für elektronische Publikationen. Man kann sie sich an einem mobilen Gerät zu Gemüte führen, namentlich via iPad oder iPhone, indem man die iBooks-App bemüht. E-Reader von Sony und anderen verstehen sich aufs Format (der Kindle aber leider nicht). Man kann Epub-Dateien auch am Computer konsumieren, beispielsweise über Adobe Digital Editions, das für Windows und Mac zur Verfügung steht.

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Das «Kummerbox kompakt»-Buch als Anschauungsobjekt.
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Jogging für Gehfaule

Aus gutem Grund hatte ich mich bislang geweigert, Temple Run 2 (iOS/Android) nur mit dem Hintern anzusehen. Letzte Woche bin ich dann doch schwach geworden. Und jetzt habe ich das vermaledeite Ding doch am Hals – und das, wo ich als Velofahrer den Sinn der rennenden Fortbewegung grundsätzlich in Frage stelle.

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Links: Rennen, bis der Pferdeschwanz fliegt.
Recht: In eine neue Spielfigur zu investieren, bringt nicht viel. Die «Abilities» bringen einen aber weiter.
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Cloud, Apps, Zensur

«Die Cloud ist ein Klumpenrisiko», sagt Kaspar Geiser von Aspectra in meinem Artikel im Tagi von heute. Das ist keine pauschale Kritik am neuen Paradigma zur Datenhaltung, sondern eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Fragen, die wir uns als Nutzer dieser vielen schönen Dienste stellen sollten. Im Beitrag Der Preis der Gratis-Apps nehme ich Stellung zum App Reputation Report von Appthority, der Google ein schlechtes und Apple ein noch schlechteres Zeugnis ausstellt. Und schon etwas älter, aber nach wie vor lesenswert sind die Aussagen von Matthias Sala von Gbanga und anderen zur Gamification im Artikel Das Leben ist ein Punktesammeln.

Dieser Tage erscheint auch eine neue Ausgabe des Publishers, in der ich in den Publishing-Tipps und Tricks unter anderem erkläre, wie man InDesign-Scripts per Tastatur startet, mit verschachtelten Formaten verblüffende Texteffekte erzielt, wie man Schriften mit mehr Körper ausstattet und wie man dynamische Fortsetzungshinweise erstellt. Ausserdem wird erklärt, wie man in Photoshop auf unkomplizierte Weise ein Bild geraderichtet.

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Das Resultate der «Hand-colored-Vintage-Photo-Aktion» für Photoshop. (Originalfoto: Liber/Flickr.com)
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Genug von der Matrix?

Werden die Leute langsam Internet-müde? Verlieren Sie die Lust am virtuellen Leben? Wollen sie, so absurd der Gedanke auch klingen mag, mehr Zeit in diesem phantomhaften Zustand namens Realität verbringen? Man müsste meinen, diesen Wunsch hätten wir spätestens mit «Matrix» (1999) überwunden.

Und doch… da bin innert vierundzwanzig Stunden zwei Bildern begegnet, die unsere eXistenZ (1999) im virtuellen Raum auf die fassbare Welt zurückgeführt haben. John Atkinson von Wrong Hands machte sich Gedanken zu «Vintage Social Media».

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Der Schwan als Mogelpackung

Seit 400 Jahren treibt eine Frage Leute wie Mark Twain, Sigmund Freud und Friedrich Nietzsche um und selbst Roland Emmerich konnte sich ihr nicht entziehen. Ist der Schwan vom Avon vielleicht eine Mogelpackung? Wie konnte der Pächter, Geldverleiher und aktenkundige Geizhals zwar seiner Frau ein minderwertiges Bett vermachen, aber in seinem Testament kein Wort über seine 38 Dramen und 154 Sonette verlieren? Ganz einfach: Weil er nur ein Strohmann war und der grösste Dramatiker aller Zeiten eigentlich ein Insider vom königlichen Hof war. Oder weil vielleicht doch nur eine Affenhorde hinter allem steckt.

Schätzing kann auch Mittelalter

Mein Durchlauf an Hörbüchern ist in letzter Zeit gestiegen, und zwar auf Kosten des Fernsehkonsums. Als Einschlafhilfe sind die Hörbücher einfach besser geeignet, obwohl sie (und das mag jetzt paradox klingen) spannender und abwechslungsreicher als die Darbietungen im Bildfunk sind. Was die Mattscheibe, bzw. das Flachbildschirmpanel angeht, kommt es mir so vor, als ob die Werbeblöcke immer noch länger und nerviger werden würden. Ich kann mich aber auch täuschen. Vielleicht liegt es daran, dass ich immer weniger gewillt bin, mir den Werbeschrott anzutun. Natürlich passiert es mir wie vielen Betthörern, dass ich einschlafe, während das Hörbuch weiterläuft. Das ist anfangs etwas lästig. Doch mit etwas Übung findet man die Anknüpfungsstelle recht schnell wieder. Wichtig dafür ist eine Einteilung des Hörbuchs in nicht allzu lange Kapitel. Wenn es keine Kapitel gibt, arbeitet man mit der Lesezeichenfunktion der Audible-App. Man setzt ein Lesezeichen, wenn man mit der Wiedergabe beginnt – und wenn man gewohnheitsmässig nach 25 Minuten eingeschlafen ist, springt man zu dem Lesezeichen zurück und spult 20 Minuten vor.

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Jacop der Fuchs in der Stadtführung zum historischen Roman.
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