In die Klotzwelt abtauchen

«Minecraft» schafft, was «Second Life» verwehrt blieb: Das Spiel kreiert eine Parallelwelt, in der man sich gerne aufhält.

Es scheint gelegentlich, als seien alle guten Spielideen bereits geboren und sämtliche neuen Videogame-Titel bloss die Iteration einer alten Idee. Bis dann ein Titel mit einem überraschenden neuen Spielkonzept aufwartet. «Minecraft» ist der Vertreter einer neuen Spielart: Eine unendliche Spielwelt aus Klötzen, die man gestaltet, wie es einem gefällt. Und auch wenn Game-Historiker Einflüsse von Titeln wie «Infiniminer» oder «Dungeon Keeper» erkennen mögen, ist das Spiel von seiner Grösse und den Möglichkeiten her einzig in seiner Art.

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Direkt nach der Ankunft in der Klotzwelt – jetzt geht es ans Sammeln von Ressourcen!

«Minecraft» gehört in die Kategorie der Sandkastenspiele. Der Spieler kann sich frei bewegen und ist bei seinen Handlungen nicht an ein festes Szenario gebunden. Die Spielwelt wird zufällig erzeugt und wenn sich der Spieler dem Rand der «terra cognita» annähert, wird die Szenerie nach Bedarf automatisch erweitert. Die Methode dahinter nennt sich prozedurale Synthese, und ermöglicht Welten, in denen sich im Mehrspielermodus potenziell unendlich viele Spieler tummeln können.

Bauen, was die Fantasie hergibt
Die Vorgabe ist einfach: Tagsüber herrscht Friede in der Spielwelt, doch wenn es dunkel wird, tauchen Skelette, Spinnen und Zombies auf, die einem nach dem Leben trachten. Daher muss man sich tagsüber einen Unterschlupf bauen, in dem man sich verstecken kann.

Die computergesteuerten Gegner sind aber eigentlich bloss Statisten. Der eigentliche Antrieb besteht darin, Blöcke aus Holz, Fels und vielen anderen Materialien abzubauen. Diese können neu aufgebaut oder verarbeitet werden. Was man konstruiert, bleibt der eigenen Fantasie überlassen. Ob eine einfache Hütte, ein Fantasieschloss, das Taj Mahal, der Apple Campus, Hogwarts oder Mittelerde – wie beim ambitionierten und grandios gescheiterten «Second Life»-Spiel findet sich in der virtuellen Welt ein buntes Durcheinander aus Replika von realen und fiktionalen Orten. Anders als «Second Life» vermag «Minecraft» die Fantasie zu wecken und Schöpfungstrieb anzuheizen.

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Das blüht einem, wenn man seinen Unterschlupf nicht vor der Nacht fertig bekommt – von der bösartigen Kreatur (links) wird einem der Garaus gemacht.

Durch das «Crafting» werden aus den gesammelten Blöcken neue Gegenstände. Die «Rezepte» dafür sind im «Minecraft-Wiki» zu finden, das generell sehr zu empfehlen ist, da es kein Tutorial gibt, das mit dem Spielprinzip und der Steuerung vertraut machen würde. Fürs «Crafting» drückt man am Computer die Taste «E» und verarbeitet dann die von den Bäumen gesammelten Holzblücke zu Brettern und die Bretter zu einer Werkbank. Die Werkbank wiederum kann dann benutzt werden, um Stiele zu schreinern – und die sind dann wiederum nötig, wenn man sich eine Fackel, eine Schaufel oder einen Pickel herstellen möchte.

Neben dem «Minecraft-Wiki» dient minecraftopia.com als gute englischsprachige Informationsquelle und natürlich gibt es auf Youtube viele Anleitungs-Videos, beispielsweise die Videos von Minecraft & More.

Vier Spiel-Modi
«Minecraft» stellt vier Spielmodi bereit. Im Überlebensmodus muss der Spieler sich rechtzeitig für die Nacht rüsten und einen Unterschlupf, sowie Fackeln und Werkzeuge bereitstellen. Wer lieber in Ruhe tüftelt, baut und konstruiert, startet sein Spiel im Kreativ-Modus. Hier gibt es keine Gefahren für Leib und Leben, und man hat genügend Ressourcen für seine Bauten zur Verfügung. Für erfahrene Spieler gibt es ausserdem den Abenteuer- und den Hardcore-Modus.

«Minecraft» ist nicht nur bezüglich Spielkonzepts epochemachend. Auch die Entstehungsgeschichte ist untypisch: Es stammt nicht von einem der grossen, millionenschweren Game-Studios, sondern wurde fast im Alleingang von einem schwedischen Programmierer entwickelt. Markus Persson, der auch Mitglied der Hochbegabten-Vereinigung Mensa und der Schwedischen Piratenpartei ist, hat 2010 seinen Job als Programmierer aufgegeben, um das Spiel mit seinem Unternehmen Mojang Specifications zur Marktreife zu führen und zu vertreiben. Heute arbeitet Persson an einem neuen Projekt namens «0×10c».

Für den Computer und Mobilgeräte
«Minecraft» ist für 19.95 Euro unter minecraft.net erhältlich. Nebst der PC-Version existieren Varianten für iOS (7 Franken), Android (7 Franken), Xbox und den Raspberry Pi. Für iOS gibt es ausserdem eine kostenlose Light-Version.

Die Pocket-Versionen (für Android und iOS) enthalten nicht alle Funktionen und sind in der Steuerung etwas anders. Hinweise dazu findet man zum Beispiel hier.

Und hier das erwähnte Youtube-Video, das mir den Einstieg sehr erleichtert hat:

Autor: Matthias

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