Eyjafjalla in einer Nebenrolle

Anfangs Jahr hat es uns nach Island verschlagen. Wegen der Nordlichter, die sich uns aber verweigert haben, aber auch, um wieder einmal einen richtigen Winter zu erleben und in der blauen Lagune zu liegen. Und um uns in die passende Kulisse zum neuesten Werk von Michael Ridpath zu begeben, das wiederum in Island spielt und das ich mir erst für den Kindle besorgt hatte, um es dann als Hörbuch zu hören – weil Sprecher Seán Barrett eine knarrende Stimme hat und auch das Isländisch, soweit ich das beurteilen kann, richtig ausspricht. Bei den deutschen Hörbuchfassungen isländischer Bücher ist das nicht der Fall, was bei den Büchern von Arnaldur Indriðason gründlich den Spass verdorben hat. Es ist mir schon klar, dass es nicht allzu viele deutsche Sprecher gibt, die Isländisch beherrschen. Etwas Aussprachetraining könnte man den Sprechern indes schon angedeihen lassen, sodass sie wenigstens Reykjavík, Geysir und Eyjafjallajökull richtig über die Lippen bringen.

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Der Krimi zur Islandreise – denn zufällig hat der Kommissar beim Skógafoss nach Indizien zu suchen.

Letzterer spielt im Buch «Meltwater» eine wichtige Rolle. Er bricht nämlich rechtzeitig zu Beginn der Geschichte aus und verleiht ihr die Dramatik…

The cloud thinned ahead of them to reveal a flat section of ice and rock on which a lone four-by-four and a couple of snowmobiles were parked. Dúddi eased his superjeep next to the other vehicle. A man and a woman were sitting inside staring upwards into the mist. The team got out of the jeep. It sounded as if an angry monster was thrashing about just out of sight in the clouds. It was cold; the wind was biting. Everyone zipped themselves up in their snow jackets and they walked as a group towards the bottom of a pile of rubble; Erika was very grateful for the coat Dúddi had borrowed for her from his sister. Despite the wind, she could smell sulphur in the air. Then the curtain lifted. Erika looked up and saw the most astounding sight of her life. About three hundred yards ahead the monster was revealed: a churning mass of orange and red fire, spitting, exploding, pouring up into the air with a steady rhythmic crash. It had eaten out the top of a small dome, creating a bubbling bowl of magma, over the rim of which a dribble of super-hot lava spilled, an orange river burning its way through the ice of the glacier down to the side. Steam spewed out of the cauldron, and from fissures in the ridge all around them where smaller fires of stone burned.

… indem er die Ermittlungsarbeiten von Kommissar Magnus Jonson durcheinanderbringt. Er ist hinter dem Mörder eines Mitglieds der Gruppe Freeflow her. Diese erinnert sehr an Julian Assanges WikiLeaks-Whistleblower, und an das Video der Luftangriffe in Bagdad; auch wenn das eigentliche Geschehen im Buch natürlich fiktiv ist.

Island jedenfalls ist ein perfekter Schauplatz für internationale, politische Ränkespiele, bei denen sich Verstrickungen mit lokalen Protagonisten und teilweise alten Geschehnissen ergeben. «Meltwater» ist der dritte Teil der Krimireihe mit Magnus Jonson, in dem auch die Rahmenhandlung vorangetrieben wird. Das ist der Mord an Magnus’ Vater, dessen Motiv über mehrere Generationen in die dunkle Familiengeschichte zurückführt, als manchen ihr Erbe als Wikinger Siedler noch deutlich näher als die moderne, zivilisierte Lebensweise war.

Als Island-Besucher teilt man die Faszination fürs Land mit dem Autor, der laut eines Interviews bei einer Reise auf die Idee verfallen ist, seine Geschichten dort spielen zu lassen. Da Reykjavík eine überschaubare Stadt ist, kennt man als Tourist die meisten der Strassen und Plätze, und auch die anderen Schauplätze wie den Skógafoss konnte man nicht verpassen. Das hilft dem Kopfkino – und ansonsten findet man auf der Homepage des Autors eine Fotogalerie mit den wichtigen Schauplätzen…

Autor: Matthias

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