Was steht eigentlich in diesen Endbenutzerverträgen?

Bei jeder Programminstallation geht man mit dem Hersteller des Produkts einen Vertrag ein – und zwar oft ohne dass man den überhaupt gelesen hätte. Ein Programm weist auf potenzielle Fallen hin.

An der Herstellung einer Software sind nicht nur Programmierer und Marketingleute beteiligt, sondern auch einige Juristen. Die Rechtsexperten schreiben in der Lizenzvereinbarung, wie man eine Software nutzen darf und wie nicht. Dieses Dokument erscheint meist während der Installation, und wird gewohnheitsmässig abgenickt – und zwar meist ohne dass es gelesen worden wäre.

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Beim Eula zu iTunes stellt Eulalyzer fest, dass manche Dienste in iTunes ohne Vorankündigung beendet werden können.

Diese Lizenzvereinbarungen – oder Endbenutzer-Lizenzverträge bzw. End User License Agreement, respektive kurz Eula in Englisch – sind ein Ärgernis. Sie sind oft so umfangreich, dass man sie sich innert nützlicher Frist überhaupt nicht zu Gemüte führen kann. Obendrein sind sie in schwer verständlicher Juristensprache abgefasst, die Laien kaum oder überhaupt nicht verstehen. Daraus ergibt sich, dass man als Softwarenutzer einen Vertrag eingeht, den man nicht kennt und dessen Implikationen man nicht abschätzen kann. Probleme entstehen daraus in aller Regel keine. Denn selbst wenn man eine Software nicht regelkonform nutzen sollte, hat der Hersteller nicht die Möglichkeit, das überhaupt festzustellen. Ausnahmen sind die berühmt-berüchtigten Abofallen, bei denen scheinbar kostenlose Internetdienste plötzlich mit vielen Hundert Euro pro Jahr zu Buche schlagen.

Der installierbare Ersatz-Anwalt
Doch was tun, wenn man keinen Hausanwalt zur Hand hat? Das Programm Eulalyzer («Eula analyzer») führt, wie der Name verrät, Analysen von Lizenzvereinbarungen durch. Die Software ersetzt dabei auf keinen Fall den Sachverstand eines Rechtsexperten – aber sie weist immerhin auf bemerkenswerte Passagen hin, bei denen man gut daran täte, sie genauer zu studieren.

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Google Chrome wird über Werbung finanziert – das hat die Software augenblicklich erkannt.

Nach dem Start kann man in der Rubrik Analyze den Text eines Lizenzabkommens per Zwischenablage ins Eingabefeld einfügen und die Analyse starten. Es ist auch möglich, mit dem Capture-Modus zu arbeiten: Hat man den aktiviert, verwandelt sich der Mauszeiger in ein Fadenkreuz, mit dem man auf das Feld zeigt, in dem der Text des Lizenzabkommens steht.

In der Analyse sind die prüfenswerten Stellen nach den «verdächtigen» Begriffen sortiert. Im Test mit dem Lizenzabkommen von iTunes weist die Software auf die Stellen hin, in denen von Drittparteien («Third party») und von fristlosen Ereignissen («without notice») die Rede ist. Beim Lizenzabkommen zu Google Chrome werden diverse Stellen zu Werbung («Advertising» und «promotional messages») aufgeführt. Jede Stelle wird auf der Interest-Skala von unbedenklich bis kritisch markiert.

Die interessanten Stellen prüfen
Die gefundenen Stellen können angeklickt und im Originaltext geprüft werden. Es ist möglich, über das Suchfeld nach eigenen Begriffen zu recherchieren. Das Lizenzabkommen kann gespeichert werden, und die Software zeigt eine Statistik an, in der nebst der Länge auch die Zahl der gefundenen Stellen und ihr Interest-Grad ausgewiesen werden. Schliesslich ist es möglich, erfasste Eulas online an eularesearchcenter.com zu übermitteln.

In ihrem eigenen Lizenzabkommen hat die Software übrigens zwei bemerkenswerte Stellen gefunden.

Eine Hilfe beim genauen Hinsehen
Fazit: Eine interessante Software, die ohne viel Aufwand interessante Einblicke gewährt, indem sie auf die Stellen in Lizenzverträgen hinweist, in denen es um den Umgang mit persönlichen Daten, die Beziehungen mit Drittherstellern und eventuell unerwünschte Zusatzprogramme hinweist und generell die Sinne für Klauseln schärft, die einem manche Softwarefirmen unterjubeln wollen. Den Rechtsanwalt kann sie nicht ersetzen, aber sie ist ein gutes Mittel für Leute, die es gerne genau wissen möchten.

Ein Nachteil besteht darin, dass die Software nur Lizenzabkommen in englischer Sprache analysiert.

Eulalyzer ist kostenlos. Es existiert eine Pro-Version ($19.95 pro Jahr), die die Lizenzabkommen bei einer Installation automatisch erfasst und die Analyse sofort anzeigt.
brightfort.com

Autor: Matthias

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