Den virtuellen Raum möblieren

Eine Gratis-App erfasst Gegenstände des realen Lebens als dreidimensionales Objekt. Diese können exportiert, fabriziert und für fassbare oder virtuelle Projekte genutzt werden.

Dreidimensionale Objekte zu konstruieren, ist eine aufwändige Angelegenheit. Man benötigt entweder einen (teuren) 3-D-Scanner, der das Objekt erfasst und in ein digitales Modell überführt. Die zweite Möglichkeit ist, das Objekt in einer Software wie Blender von Hand zu konstruieren. Dafür benötigt man aber einiges an Fachwissen und viel Geduld.

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Das Objekt wird von allen Seiten fotografiert.

Der Hersteller Autodesk – bekannt von CAD-Programmen für technische Zeichnungen – stellt mit 123D Catch eine Anwendung bereit, die eins, zwei, drei räumliche Objekte generiert. Der Clou ist: Man braucht nichts zu modellieren, sondern nur zu fotografieren. Man fotografiert sein Objekt von allen Seiten, lässt die Software rechnen und erhält ein 3-D-Objekt, das man am Bildschirm drehen und wenden kann, wie es einem beliebt. Aber nicht nur das: Das Objekt kann als STL-Datei bezogen werden – das ist ein gängiges Format zum Austausch von 3-D-Modellen. Aber nicht nur das: Das Objekt kann auch über einen 3-D-Drucker hergestellt oder per Laser gefräst werden. Die eigenen Objekte lassen sich auch als .obj und als .3dp-Datei beziehen.

Von allen Seiten fotografieren
Um einen realen Gegenstand in ein 3D-Modell zu überführen, erfasst man es mit der Kamera von allen Seiten. Die App erlaubt es, während eines Erfassungsvorgangs bis zu 40 Bilder zu machen – und es ist empfehlenswert, diese Zahl gerade bei komplexen Objekten auch auszunutzen, damit ein brauchbares Resultat entsteht. Wichtig ist, das Objekt von allen Seiten, oben (und ggf. auch unten) zu erfassen. Man braucht dafür eine möglichst neutrale Umgebung, also beispielsweise einen grossen Tisch mit einer grauen oder weissen Oberfläche. Man muss darauf achten, das Objekt nicht angeschnitten zu fotografieren und nicht zu verwackeln oder unscharf zu fotografieren. Unruhige Hintergründe, Reflexionen oder Gegenlicht sind ebenfalls zu vermeiden. Falls ein menschliches Objekt erfasst werden soll, muss das bockstill stehen und es sollte nicht sprechen oder lächeln.

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Im Review-Modus werden missratene Bilder gelöscht und noch einmal erfasst.

Nach dem Erfassen muss das Objekt benannt und mit Stichwörtern (Tags) und einer Beschreibung versehen werden. Es wird dann von der Software analysiert, was durchaus lange dauern kann. Es kann durchaus vorkommen, dass das Resultat unbrauchbar ist – weil man zu wenige Fotos gemacht hat oder nicht sorgfältig genug gearbeitet hat oder weil das Objekt zu komplex oder ungeeignet ist.

Die Community der virtuellen Objekte
Um sein Objekt analysieren und berechnen zu lassen, braucht man einen Autodesk-Account. Über diesen wird das Objekt auf die Website 123dapp.com hochgeladen, wo man es ansehen, herunterladen oder über einen Dienstleister reproduzieren kann. Es ist möglich, aber nicht nötig, das Objekt der Community zur Verfügung zu stellen. Wie es sich für eine richtige Web-Gemeinschaft gehört, kann man auf 123dapp.com anderen Nutzern folgen, deren 3-D-Objekte gutheissen (neudeutsch «liken») und einen Kontakt mit anderen treten.

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Das Resultat des ersten Versuchs: Nicht perfekt – weil das einfarbige, glänzende Objekt keine idealen Bedingungen bietet.

Fazit: Auch wenn man mit 123D Catch nicht auf Anhieb perfekte Resultate erzielt, ist es dennoch eine faszinierende App, die dank den aufkommenden 3-D-Druckern ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Autodesk stellt auch die 123D Sculpt bereit, mit der sich dreidimensionale Modelle «bildhauern» und bemalen lassen. Eine Bearbeitung ist auch über die dritte App namens 123 Make möglich, die nicht nur für iOS, sondern auch für Windows, den Mac und als Webapp zur Verfügung steht. Wer mag, kann sich somit richtiggehend austoben – und sich daran machen, eigene virtuelle Welten zu erschaffen…

123D Catch von Autodesk. Kostenlos im App Store, ab iPhone 4 und iPad 2.

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Das Objekt, das auch menschlicher Natur sein darf, kann als 3-D-Datei heruntergeladen und in passenden Anwendungen importiert und weiterbearbeitet werden.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

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