Es ist Zeit für Skeptik

Vereinsmeierei ist nicht mein Ding. Dennoch habe ich mich, nachdem ich das Vorhaben längere Zeit zwischen beiden Hirnhälften hin und her gewälzt habe, nun zu einer Mitgliedschaft bei Skeptiker Schweiz entschieden. Wobei – ich habe den Antrag gestellt, der erst noch gutgeheissen werden muss. Aufgrund gewisser Aktivitäten ist es alles andere als gewiss, dass diesem stattgegeben werden wird.

Ausschlag für den Antrag hat unser gebührenfinanzierter Staatssender DRS3, der gestern irgend einen Typi von «seriöser Astrologie» schwadronieren liess. Es ging glaubs drum, dass man einen seriösen Astrologen daran erkennt, dass er einem keine konkreten Börsentipps gibt. Die Sterne wissen nichts vom Börsenhandel und geben darum keine entsprechende Auskunft. Oder so. Man darf natürlich auch darauf hinweisen, dass ein konkreter Börsentipp das gleiche Problem aufwirft, wie eine genau datierte Prognose zum Weltuntergang. Beide Aussagen sind überprüfbar und könnten die Glaubwürdigkeit des ganzen Lehre in Frage stellen. Und darum wird ein seriöser Astrologe einem erzählen, dass das aufsteigende Haus im Merkur und der gegenläufige Aszendent in der Venus eindeutig beweist, wie kreativ, genial und liebenswert man ist, aber keine falsifizierbaren Tipps abgeben.

Pseudowissenschaften sind so eine Sache. Ich hatte früher durchaus Spass an Horoskopen und ich fände es noch so toll, wenn es übersinnliche Kräfte gäbe. Hellseherei, Gedankenlesen, Telekinese – sie würden nicht nur das Leben verschönern, sondern manch eine Smartphone-App überflüssig machen. Nur scheint es mir angesichts der Realität, wie sie sich uns nun einmal präsentiert, zwingend notwendig, diese Dinge ins Reich der Fantasie und Fiktion zu verbannen. Der Realität muss man sich nüchtern stellen. Im eigenen Interesse und weil es fürs gesellschaftliche Zusammenleben nötig ist.

Früher war ich der Ansicht, dass all die Pseudo-Wissenschaften, von den abartigen Irrlehren einmal abgesehen, wahrscheinlich nichts nützen, aber auch nicht schaden. Das lag daran, dass ich sie als harmlose Unterhaltung sah. Ich wurde irgendwann anfangs Neunziger von einem Verwandten dazu überredet, einen Feuerlauf zu machen. Ein interessanter Abend, den ich mit intakten Fusssohlen und ohne ideologische Dellen in meinem Weltbild überstand. Als neugieriger Mensch kann man durchaus so etwas mitmachen, fand ich. Und falls ein bisschen Selbsterkenntnis dabei herausspringt, ist nichts verkehrt daran.

Heute sehe das nicht mehr so. Mir ist die Erkenntnis nicht verborgen geblieben, wie gross der Einfluss der vielen esoterischen Spielarten ist. Man sieht ihn in den Buchhandlungen und in Apotheken. Man erlebt, auf was für Ideen die Leute kommen, nachdem seiner ehemaligen Wohngemeinde ein Kornkreis aufgetaucht ist. Leute sehen sich als moderne Hexen und finden das nicht im Ansatz komisch. Es wird gependelt, Gläser gerückt, Löffel verbogen, mit Toten kommuniziert, rückgeführt, Karten gelegt (und nicht bei Solitär, was völlig okay wäre) und es wird mit Salzen hantiert, die dummerweise auch noch meinen Nachnamen tragen, obwohl sie wirklich nur Hokus-Pokus sind.

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Sprachrohr der Sterne, im Radio und am Fernsehen.

Die Beschäftigung mit diesen Dingen ist, im Idealfall nur Zeit- und Geldverschwendung, und diese beiden Dinge sind in der freien Welt bekanntlich legal und gesellschaftlich geduldet. Nur wird eben auch viel missioniert und das auch durch meinen Berufsstand.

Und das geht, bei aller Toleranz, wirklich nicht. Ich halte es für einen Fehler, dass seriöse Medien Horoskope abdrucken und sich DRS3 eine sog. Hausastrologin hält. Damit spielt der gebührenfinanzierte Staatssender in der gleichen Liga wie Mike Shiva, auch wenn es bei DRS3 keine Hotline für 4.50 die Minuten gibt. Wir Medienleute müssen Aufklärer sein. Keine Handlanger für all die geschäftstüchtigen Heilsbringer mit ihren unüberprüften Superkräften. Wir sollen schreiben, senden, berichten und bloggen, was wahr ist. Und bezüglich Wahrheit bei den soften Themen genauso harte Massstäbe anlegen wie bei Wirtschaftsthemen oder der Politik.

Autor: Matthias

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