Ein Tummelfeld für Musiktüftler

SunVox ist ein modularer Synthesizer, mit dem man am iPad, Windows-PC oder Mac Musik komponiert – sogar dann, wenn man mit Noten nichts am Hut hat.

Dank Digitaltechnik dürfen sich auch talentlose Sänger und Musiker als Superstars fühlen. Konsolen-Spiele wie Guitar Hero oder iPad-Apps wie GarageBand greifen denjenigen Zeitgenossen unter die Arme, bei denen der Blockflötenunterricht Abwehrreaktionen auslöste und musikalische Bildung heute fehlt. In den Musik-Spielen und -Apps kann sich selbst ungeübtes Schrummeln hören lassen.

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Die Anatomie eines digitalen Musikstücks.

Wer sich damit nicht zufrieden geben möchte, der vertieft sich in das Programm SunVox. Es existiert nicht nur für Tablets und Mobiltelefone, sondern auch gratis für Windows, Mac und Linux. Bei dieser Software baut man seine Tracks aus einzelnen Versatzstücken zusammen, und man kann selbst die Noten schrittweise über die Tastatur eingeben. Das substituiert fehlende manuelle Fähigkeiten – aber leider nicht das Musikgehör. Wenn es daran mangelt, dann wird man auch mit SunVox nicht zum Hitparadenstürmer.

Bitte keine Angst vor der Oberfläche!
Die Software hat eine auf den ersten Blick komplett verwirrende Oberfläche. Sie besteht aus vier Bereichen, die über zwei horizontale und einen vertikalen Balken skaliert werden können – vergrössert man einen, verkleinern sich analog die angrenzenden Bereiche.

Der Bereich in der Mitte heisst Sound Network. Hier fügt man so genannte Module aneinander. Es gibt Module, die Klang erzeugen und solche, die den Klang verändern und mit Effekten versehen. Über Verbindungen, so genannte Links, wird der Klang von einem Modul ans nächste gereicht. Am Ende der Kette muss das Modul Out stehen – es steht für den «Ausgang» und erzeugt quasi die Klangausgabe.

Eine einfache Kette besteht aus einem Generator, der mit dem Effekt Reverb verbunden ist und dann mit Out. Der Generator spielt ein Klangmuster ab, das vom Effektmodul mit Hall versehen wird. Bei den klangerzeugenden Modulen gibt es nebst dem einfachen Generator auch den digitalen und «analogen» Synthesizer, eine Drum-Maschine, einen Sampler, den Klicker, und sechs weitere Module. Bei den Effekten kann man nebst Echo und Hall auch auf den Verstärker, Kompressor, Verzögerung, Verzerrung, den Flanger, Modulator, Filter, Vibrato und sieben weitere Module zugreifen.

Links vom Sound Network-Bereich befindet sich der Controller-Bereich. Hier wählt man für das selektierte Modul die Einstellungen aus – also beispielsweise den Typ, die Lautstärke oder das Panning, sprich, die Position im Stereobild. Im Controller-Bereich kann man einzelne Geratoren auch auf stumm oder solo schalten. Im ersten Fall hört man den Generator nicht, im zweiten Fall wird nur er abgespielt.

Musikmuster zusammenstückeln
Darüber befindet sich der Pattern Editor. Mit seiner Hilfe nimmt man die Musikmuster auf. Man kann diese über das Keyboard am Bildschirm erfassen. Es ist auch möglich, per Midi ein externes Keyboard anzuschliessen und die Musikmuster mit dessen Hilfe einzuspielen. Und wie angedeutet, können Nichtmusiker das Muster auch Note für Note aufbauen und so lange pröbeln, bis das Muster sich wie eine richtige Melodie anhört.

Zuunterst schliesslich findet sich die Timeline. Dort wird der Ablauf des Musikstücks bestimmt. Das geht so, dass man für jedes Klang-erzeugende Modul im Sound Network Musikmuster festlegt und zeitlich platziert. Muster können kopiert und einfügt werden. Das erlaubt es, das gleiche Muster mehrfach auf der gleichen oder auf verschiedenen Spuren einzusetzen. Es gibt die Möglichkeit, die Klangmuster mit einem Icon zu versehen, das man über einen Editor zeichnet – anhand dieser kleinen Grafik kann man die Muster in der Zeitleiste dann auseinander halten.

In der linken oberen Ecke gibt es ein Menü, über das man Songs speichert und lädt. Wichtig für die Arbeit am Tablet ist ausserdem die Option Show Toolbar: Sie zeigt eine Werkzeugleiste mit wichtigen Befehlen. Nebst dem Undo zum Rückgängigmachen gibt es Befehle zum Ausschneiden, Kopieren und Einfügen von Noten und Musikmustern.

Geduld und Musikgehör
Es braucht für Sunvox Einarbeitungszeit – allein wegen der ungewohnten Oberfläche. Aber mit etwas Geduld und einem intakten Musikgehör kann man in einem halben Tag ein hörbares Resultat erzielen. Komplexere Songs, die aus einem halben Dutzend klangerzeugenden Modulen, diversen Effekten und einer grösseren Anzahl Mustern bestehen, erfordern natürlich mehr Arbeit. Ein guter Ausgangspunkt für Anfänger sind die diversen, teils recht komplexen Demosongs, die mit der App geliefert werden.

Kostenlos für Windows, Linux und Mac OS X
5 Franken für iPhone und iPad
4.85 Franken für Android
Das Tutorials zur Software in Englisch

Empfehlenswert sind die Video-Tutorials, die auf Youtube zu finden sind. Und auf Soundcloud.com soundcloud.com, die mit SunVox eingespielt wurden.

Autor: Matthias

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