Was ist denn so interessant an euren Blogs?

Die im Titel gestellte Frage klingt provokativ, was natürlich Absicht ist. Provokative Headlines werden eher angeklickt als sachliche oder neutrale. Wir Internetnutzer lassen uns eben leicht verführen – durch sensationsheischende Schlagzeilen und durch nackte Menschen. Entsprechnd werden beide Mittel gern eingesetzt, um im Netz oder in den alten Medien Aufmerksamkeit zu erzeugen. Ich setze darum den Trick mit der Provokation ab und zu auch ein. Aber, so bilde ich mir ein, immer mit einem ironischen Augenzwinkern. Denn sonst käme ich mir billig und dreckig vor. Wenn man im Titel etwas verspricht, das man im Text nicht einlösen kann, dann hat man als Schreiber versagt. Finde ich. Ausserdem ist im Internet inzwischen fast alles Boulevard, und das ist schade.

Zurück zur Ausgangsfrage: Was ist so interessant an euren Blogs? Oder anders gefragt: Was interessiert die Leserinnen und Leser an eurem Blog? Das, was ihr denkt? Oder schwingen gewisse Themen in der Publikumsgunst völlig überraschend obenaus? Und interessiert euch diese Frage überhaupt?

Mich interessiert sie halb. Einerseits wähle ich in diesem Blog die Themen aus, wie sie mir gerade einfallen und wie sie mich selbst interessieren. Ich richte mich somit nicht wirklich nach der Nachfrage. Andererseits will ich natürlich auch nicht ins Leere hinausschreiben und das Internet mit (noch mehr) Geseier vollstopfen, das keinen interessiert. Darum sehe ich mir ab und zu die Einschaltquoten an. Und natürlich bin ich auch einfach neugierig auf mein Publikum und dessen Interessen.

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Fragt sich dann, wie man dieses Interesse misst. Es gibt in diesem Blog die «Views», die anzeigen, wie oft ein Beitrag angeklickt wurde. Ich habe dazu vor einiger Zeit mal eine Auswertung gemacht. Es ist aber auch klar, dass dieser Wert fast gar nichts aussagt. Je länger ein Beitrag online ist, desto Hits durch Bots, Crawler und Zufallsbesucher hat er generiert. Für eine einigermassen aussagekräftige Zahl müsste man die «Views» nach 24 Stunden messen und analysieren. Diese Daten zu erheben, habe ich leider verpasst.

Es gibt aber die Informationen, die AddThis erhebt. Diese stammen von den Widgets, die unter jedem Beitrag stehen und messen, wie oft ein Beitrag in sozialen Medien veröffentlicht und dann angeklickt wird. Das ergibt einen «viralen Lift». Eine Anhebung zeigt, dass man ausserhalb seines Stammpublikums Leute anziehen konnte.

Ich habe AddThis seit Juni 2009 in meinem Blog. Das Script auf der Seite registriert, wenn ein Link am Ende einen Code wie «#.UCEHXT8zjYY.twitter» aufweist. Dieser wird beim Posten über das Widget an den eigentlichen Link angehängt und kann zu Analysezwecken verwendet werden. Wenn Leute Beiträge mit Browser-Plugins wie Mozilla F1 posten, mit ifttt.com neue Beiträge aus dem Feed bei Facebook reinstellen oder die URL manuell nach Goole Plus schmeissen, dann wird das nicht erfasst.

Ich vertwittere meine Blog-Posts nach der Veröffentlichung über das AddThis-Widget. Das generiert im Schnitt zwischen zehn bis zwanzig Hits. Alles, was über 30 ist, gilt für meinen Blog als Blockbuster. Oder Blogbuster, wenn man so will. (Blogbuster wäre übrigens ein netter Name für ein Filmblog; aber ich nehme an, dass die Idee schon einer gehabt hat.)

Ich habe mir darum mal angeschaut, welches die grössten Blogbuster waren:

Schwach, mein Abgesang zu Google Wave, erzeugte mit drei Shares 131 Klicks.
PDF-Dokumente durch die Mangel drehen. Da ging es um die Website pdftoword.com, die Worddokumente in PDF-Dateien umwandelt. Ein Share ergab 87 Klicks.
WP7 (*). Meine Besprechung von Windows Phone 7. 5 Shares, 56 Views.
Drei unverzichtbare Twitter-Tools. Eine Vorstellung von friendorfollow.com, favstar.fm und twuffer.com. 0 Shares und 50 Klicks. Man fragt sich natürlich, wie kein Share zu 50 Klicks führen kann. Das lässt an den Analysemethoden von AddThis zweifeln. Denkbar ist, Privacy-Plugins im Browser die Weitergabe der Daten an AddThis blockieren.
Hallo Welt. Dieser Beitrag stellt eine Kompilation von «SSID puns», sprich: lustigen WLAN-Access-Point-Namen vor. 3 Shares, 46 Hits.
Microsoft ist des Wahnsinns. q.e.d.. Eine Tirade über die Komplexität von Windows im allgemeinen und Windows Live Mail im besonderen. 1 Share, 41 Klicks.
Die Firefox-Erweiterung, die alles kann. Die «Greasemonkey»-Erweiterung. 1 Share, 40 Klicks.
Enttäuschung über das Thunderbird-Aus. Mozilla stuft Thunderbird herab. 0 Shares (?), 40 Klicks.
Für James Bond und das digitale Büro. Die Dokument-Digitalisierungs-App DocScanner. 1 Share, 37 Klicks.
Besser als Android. Der Test von Windows Phone 7 Mango. 5 Shares und 36 Klicks.

Was lernen wir daraus? Man kann auch als kleiner Blogger über seinen Dunstkreis hinaus Gehör finden, wenn man den Nerv des Publikums trifft. Das Beispiel in meinem Fall ist die Tirade, als Google die Wave killte oder der Beitrag zu Thunderbird. Auch Zufallstreffer sind möglich – so ist mir beispielsweise bis heute nicht klar, weswegen mein, seien wir ehrlich, banaler Beitrag über pdftoword.com ein so grosser Erfolg war. Wenn ich als eher kritischer Nutzer über Apple schreibe, wirft das nicht so hohe Wellen. Kein Wunder, gibt es doch genügend Blogs von Autoren, die euphorischer sind als ich, oder noch (!) besser informiert. Umgekehrt kann man mit solider Arbeit zu stiefmütterlich behandelten Themen durchaus punkten. Die Beispiele zu Windows Phone belegen das.

Die Erkenntnis dieser ausgiebigen Nabelschau ist, dass man sich als Hobby-Blogger die Boulevardisierung getrost schenken darf. Sie bringt nicht viel. Es ist viel aussichtsreicher, sich durch Konstanz und Verlässlichkeit ein Stammpublikum aufzubauen. Und ich bin überzeugt, dass das richtige Timing viel mehr bringt als eine provokative Überschrift. Wenn AddThis – und ich rege diese Funktion mit Nachdruck an – Shares und Klicks nach Tageszeit gliedern würde, dann würden sich ganz bestimmt sehr charakteristische Spitzen und Täler zeigen. Auch eine Matrix mit 7 Wochentagen à 24 Stunden könnte sinnvoll sein.

Wie auch immer. Es ist und bleibt ein Glück, dass man als Blogger eben nicht auf die Einschaltquote schielen muss, sondern die Themen nach Lust und Laune wählt. Das sollte das Internetpublikum mit ganz vielen Klicks würdigen, finde ich.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

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