Warum Apple weiterhin massig Kohle scheffelt

Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, gestern noch schnell Mountain Lion zu installieren. Und mein erstes Fazit ist positiv – viele kleine Verbesserungen machen das Update unter dem Strich zu einer echten Verbesserung. Es scheint mir, dass Apples Weg mit graduellen Veränderungen einfacher zu verkraften ist als Microsofts Methode. Aus Redmond kommt alle zwei oder drei Jahre ein so grosses Update, dass erstens im Vorfeld die Erwartungen ins Unermessliche steigen und zweitens der Lernaufwand so gross wird, dass viele Privatleute und Unternehmen sowieso den Umstieg scheuen. Mit Windows 8 treiben unsere Freunde aus Redmond das auf die Spitze.

Ein Vergleich drängt sich auf
Drei Betriebssysteme mit einer Acht in der Versionsnummer – da drängt sich ein Vergleich von OS X 10.8, Windows 8 und Windows Phone 8 geradezu auf. Apple hält an zwei Betriebssystemen für die mobile Welt und für die schweren Maschinen (von Steve Jobs selig gern als «Trucks» bezeichnet) fest. Microsoft glaubt, das Heil in einem universellen System zu finden. Windows Phone 8 wird nicht mehr auf der CE-Architektur basieren wie der Vorgänger, sondern den so genannten «NT-Kernel» nutzen, der auch in Windows 8 steckt, und auch nebst dem Kern viel Code mit dem «grossen» Windows teilen. Somit läuft bei Windows demnächst auf allen Plattformen der gleiche Kern. So weit, so gut – dieser gemeinsame Unterbau ist attraktiv für die Entwickler, weil er das Versprechen beinhaltet, dass ein und dieselbe Anwendungen mit wenig Aufwand für alle Plattformen bereitgestellt werden kann.

Die verzwickte Microsoft-Welt
Beim Überbau wird die Sache dann jedoch komplizierter: Da gibt es erstens Windows RT für Tablets mit ARM-Prozessor. Das RT steht für Runtime und bezeichnet die Windows Runtime Library. Das wiederum ist die Laufzeitumgebung, in der Metro-Anwendungen ausgeführt werden.

Nebst Windows RT gibt es das «normale» Windows für Desktop-PCs und Laptops, das nur auf Intel-Prozessoren läuft. Das normale Intel-Windows und Windows RT verwenden beide die Metro-Oberfläche. Der Windows-Desktop, in dem die klassischen Windows-Anwendungen ausgeführt werden, ist nur bei Intel-Geräten mit Windows 8 vorhanden – wobei ein solches Gerät ein Desktop oder Laptop mit Maus und Tastatur oder aber auch ein Tablet mit Touch-Bedienung sein kann. Die Mobiltelefone verwenden ebenfalls die Metro-Oberfläche, wobei Windows-Phone-Metro nicht gleich Windows-RT-Metro ist. Wie gross die Kompatibilität zwischen Phone-8-Apps und Windows-RT-Apps ist, bleibt abzuwarten. Ich nehme an, dass durchaus Anpassungsbedarf besteht. Die Gestaltung der Oberfläche und die Schnittstellen zum Betriebssystem müssen sicherlich separat gestrickt werden. Aber wenn Microsoft die Sache geschickt aufgleist (und das traue ich ihnen durchaus zu), dann wird man in der Entwicklungsumgebung ein Projekt pflegen, das man in Varianten für die verschiedenen Bildschirmgrössen pflegt und per Knopfdruck für alle Plattformen kompiliert. Oder vielleicht gibt es auch ein «fat binary», das überall läuft (wahrscheinlich eher nicht).

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Der Truck, von dem The Steve so gern gesprochen hat. (Bild Kevin Dooley/Flickr)

Apples Welt ist in einem Satz zu erklären
Etwas macht diese Beschreibung sehr deutlich: Apples Welt ist in einem Satz zu erklären. Bei Windows muss man sehr weit ausholen und läuft Gefahr, das Publikum zu langweilen oder zu verwirren. Einfacher wäre besser – darum hätte Microsoft meines Erachtens die Grenze anders ziehen sollen. Das mobile Betriebssystem mit der Metro-Oberfläche wäre Tablets und Smartphones vorbehalten. Und der altbekannte Windows-Desktop liefe auf Laptops und Desktop-Maschinen. Bei dieser Lösung wäre es Microsoft natürlich freigestellt, beim Desktop-Betriebssystem einen, ich nenne das Ding mal, «Metro-App-Launcher» mitzuliefern. Mit dem könnte man auf dem Desktop die mobilen Apps ausführen. Damit wäre man gleich weit wie jetzt: Man könnte die Entwickler damit locken, dass ihre Metro-Apps überall laufen. Aber die Sache wäre nicht so grauenhaft kompliziert und Millionen von Windows-User würden nicht verschüchtert, weil ihr Windows plötzlich komplett anders aussieht und funktioniert.

Und eben: Lohnt es sich wirklich, Millionen von Windows-User zu zwingen, sich in eine sehr veränderte Umgebung einzuarbeiten – um das System an eine Umgebung anzupassen, in der Microsoft bis jetzt null Erfolg, keine Marktdurchdringung und wenig Meriten vorzuweisen hat?

Apple macht die Sache besser
Fazit bis dato: Apple macht die Sache besser. Die Systeme werden über die iCloud, über die Apple-ID und harmonisierte Bedienungskonzepte angenähert. Der Datenaustausch und die Interoperabilität werden einfacher. Es ist in der Apple-Welt nicht möglich, die gleichen Apps auf dem Desktop und auf dem Mobilgerät zu nutzen. Aber ist das ein Nachteil? Für die Entwickler vielleicht. Für den Benutzer spielt es keine Rolle. Es sind nur sehr wenige iOS-Apps, die ich allenfalls auch auf dem MacBook nutzen würde (Tweetbot vielleicht und Instacast). Und umgekehrt sind es keine – ausser vielleicht VirtualBox. Als von den Medien als Windows-Experte titulierter User tut es mir zwar leid, es sagen zu müssen: Apple hat die einfachere und bessere Strategie und wird drum weiterhin massig Kohle scheffeln.

Ach ja, zu Mountain Lion habe ich noch ein paar Tipps nachgeschoben.

Autor: Matthias

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