Selbstbestimmung fängt auf dem Kopf an

Religiöses Bekenntnis? Sexuelle Orientierung? Parteibuch? Alles Pipifax im Vergleich zu den Dingen, die einen Mann auszeichnen. Und wahrscheinlich auch eine Frau, aber da ich keine bin, weiss ich das nicht ganz genau.

Und was einen Mann wirklich auszeichnet, ist die Art und Weise, wie er in der Öffentlichkeit Musik hört. Mit dem Ghettoblaster! Mit seiner eigenen Bigband! Mit fast unsichtbaren Ohrstöpseln! Oder mit riesigen Kopfhörern, die schon von weitem signalisieren: Hey, da kümmert sich einer einen Dreck um Strassenlärm und das Gezwitschter der Vögel! Da kommt ein selbstbestimmter Mann, der nur an seine Trommelfelle lässt, was da auch wirklich hingehört.

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Zum Hören von Musik und zum Schmücken des Kopfes.

Jawoll, liebe Freunde, Selbstbestimmung fängt beim Kopf an. Respektive bei den Ohren und der Frage, was ihn ihnen bzw. auf ihnen drauf sitzt. Ich wähle zwar nicht die SVP und bin auch kein rebellierender Pubertierender. Und darum nehme ich Abstand vom Ghettoblaster und seinem neoterischen Äquivalent, dem an den Archos-MP3-Klotz gestöpselten akkubetriebenen Brüllwürfel, und eine Bigband kann ich mir nicht leisten –, aber bezüglich akustischer Selbstbestimmung haben mich die Shure SE115-Ohrstöpsel nicht im Stich gelassen. Die brauche ich nun seit mehr als einem Jahr, und sie haben sich gegenüber den etwas günstigeren Stöpseln, die ich im Dutzend verschliss, bestens bewährt.

Die Krone der postmonarchischen Ära
Ohrstöpsel sind erfüllen ihren Dienst, aber sie setzen kein Zeichen. Das hat beispielsweise dieser Dr. Dre erkannt, der nun überall seine sehr teuren Beats-Kopfhörer verkauft, die auf Zürichs Strassen auch immer häufiger auf schniecken Hipsterköpfen thronend an einem vorbeigetragen werden. Ich bin zwar kein Hipster im eigentlichen Sinn (noch nicht einmal im uneigentlichen), aber ich finde die ganz okay. Mich stört, dass die Batterien brauchen. Die sind für die aktive Lärmreduktion natürlich unverzichtbar, aber mir würde dann garantiert ständig in unpassenden Momenten der Saft ausgehen, und Ersatzbatterien will ich nicht mit mir führen.

Eine schöne batterielose Alternative, die den Kopf genauso ins Rampenlicht rückt, kommt von Bowers & Wilkins. Das sind die Freaks, die die abartige Lautsprecherwurst für iOS-Geräte verbrochen haben (namens Zeppelin). Das ist der P3, den ich als Testgerät vom Hersteller erhalten habe (inklusive einer mit meinem Namen gravierten Box, die impliziert, dass der Test für eine längere Dauer ausgelegt sein könnte).

Form und Funktion schmeicheln beide den Ohren
Der P3 ist nun ebenfalls bestens geeignet, um vor den Augen aller benutzt zu werden. Er erweckt auf den ersten Blick sogar den Eindruck, als ob er in erster Linie als Kopfschmuck und erst in zweiter Linie als Audiokonsumationsgerät entwickelt worden wäre. Dieser Eindruck verfliegt, wenn man ihn aufsetzt: Form und Funktion sind solide integriert. Er klingt ausgezeichnet und sitzt bequem auf den Ohren.

Der Klang wirkt filigran, bei den Höhen und Tiefen neutral. Das ist nicht das richtige für Liebhaber fetter Bassorgien, aber ansonsten für fast alle Musikrichtungen und auch für Sprachpodcasts geeignet. Selbst beim stundenlangen Tragen ist er bequem, wenn man davon absieht, dass Brillenträger das bekannte Drücken verspüren, weil der Kopfhörer auf die Bügel drückt.

Auch die Verarbeitung das Drumherum überzeugen: Die Muscheln sind klappbar und die Ohrpolster lassen sich auswechseln, ebenso das Kabel, sodass man einen Kabelbruch selbst reparieren kann. Eine stabile Box für den Transport wird mitgeliefert und der Kopfhörer taugt am iPone auch als Headset. Am linken Kabel gibt es einen Lautstärkeregler, ein Mikrofon und einen Schalter, mit dem man die Wiedergabe startet und stoppt, Anrufe entgegennimmt und Siri bzw. die Sprachsteuerung aktiviert. Wenn es was zu motzen gäbe, dann, dass beim laut Hören relativ viel Schall nach aussen dringt.

Fazit: Klingt gut, schmückt den Kopf und sendet die richtige Botschaft an die Welt: Hier geht ein Mann, der in der Öffentlichkeit Musik hört. Weil er es kann.

In Weiss oder Schwarz, für 249 Franken beispielsweise bei K55.ch erhältlich.

Autor: Matthias

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