Wenn Blogs töten könnten

Tja, wenn Blogs wirklich töten könnten, dann wäre dieser Blog hier vermutlich schuld am Ableben von Wakoopa. Am 11. Juni hatte ich den Dienst an dieser Stelle vorgestellt und am gleichen Tag hat Wouter Broekhof das Ende von Wakoopa als sozialer Plattform verkündet. Der Dienst lebt weiter als corporate research community (was auch immer das heisst).

Das war nun aber nicht einzige Erlebnis dieser Art. Letzten Freitag sollte als Daily-Digital-Beitrag in der Tagi-iPad-App meine Besprechung von Dirpy.com erscheinen und auch in der Kummerbox vom Montag hatte ich ursprünglich bei der immer wieder gern gehörten Frage nach einer Downloadmöglichkeit bei Youtube auf Dirpy verwiesen.

Denn genau das machte Dirpy. Es lud Clips von Youtube herunter: Entweder das ganze Video oder nur die Tonspur als MP3. Das war geschickt gemacht: Man konnte die MP3-Umwandlung nicht nur am Anfang und Ende trimmen, sondern auch gleich mit ID3-Tags versehen. Damals schrieb ich:

Bleibt die Frage nach der Legalität. Der Anbieter schreibt in den FAQ ausweichend, die Legalität würde «von vielen Faktoren abhängen, namentlich der Gesetzgebung im jeweiligen Land».

Google war nun aber offenbar der Meinung, nur ein Faktor sei ausschlaggebend (die Nutzungsbedingungen, die solcherlei verbieten). Das Unternehmen liess dem Betreiber per Anwalt eine freundliche Aufforderung zukommen, das Youtube-Ripping doch bitteschön bleiben zu lassen. Bei Dirpy.com wird das wie folgt zusammengefasst:

We have removed YouTube support because Google has threatened us with a lawsuit. :\

Zum Glück hatte ich kurz vor der Veröffentlichung noch bei Dirpy vorbeigeschaut, um einen Screenshot zu machen – sonst wäre ich gleich doppelt ins Fettnäpfchen getreten. Aber das haben wir nun von diesem schnelllebigen Internet, nöd wahr?!

Ausgedirpt
Dass Youtube Websites wie Dirpy.com und andere abmahnt, ist einerseits logisch. Youtube-Videos dürfen gemäss Eula nun einmal nur auf der Youtube-Website oder über den eingebetteten Player angesehen. Und natürlich, die Geschäftslogik gebietet solchen Protektionismus. Genauso, wie die Geschäftslogik auch Verwertungsketten bei Hollywoodstreifen und DRM bei Ebooks verlangt.

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Damals war die Welt noch in Ordnung.

Andererseits entspricht das Herunterladen einem grossen Bedürfnis. Die Frage taucht bei der Kummerbox immer wieder auf und ohne Zweifel werden Videos im ganz grossen Stil heruntergeladen. Erweiterungen wie Downloadhelper machen es möglich und es klappt auch ohne jegliche Tools von Dritten.

Wäre es da nicht konsequent, bei den Ripper-Diensten ein Augen zuzudrücken? Gerade auch, weil Google selbst gern mit Inhalten anderer Leute Geld verdient. Philip von der ebenfalls abgemahnten Website youtube-mp3.org unterstellt in einem offenen Brief Google nicht ganz zu Unrecht Scheinheiligkeit:

Google News: Ein grossartiger Dienst, aber in Deutschland gab es einen grossen Aufschrei bei den Verlegern, die nicht wollten, dass Google sich bei ihren Inhalten bedient und Geld damit macht. (…)
Google Books: Noch ein grossartiger Dienst, doch auch hier gibt es Verleger und Autoren, die nicht wollen, dass Google ihre Bücher scannt. Kratzt das Google? Natürlich nicht.

Inzwischen läuft auch eine Petition, die Google auffordert, Tools von Dritt-Websites zur «Aufzeichnung» zuzulassen. Ich habe sie unterschrieben, auch wenn ich ihr null Chancen einräume. Doch weil fast 300’000 Leute unterschrieben haben, wird Google am Schluss als so oder so als Buhmann dastehen. Und womöglich ging es dem Initiant der Petition vor allem darum.

Ladies and gentlemen … das Patent-!-Rezept!
Google könnte es sich jedenfalls ganz einfach machen – wenn ich an dieser Stelle das Patentrezept verkünden darf. Google könnte es den Anbietern der Inhalte freistellen, ob sie einem Download-Knopf für ihre Videos zustimmen, oder nicht. Es existiert bereits eine Creative Commons-Lizenz, die die Weiterverwertung erlaubt – und wieso soll man CC-Videos nicht herunterladen dürfen? Wer den Download akzeptiert, könnte damit belohnt werden, dass sich die Clips in einen Feed einbinden und via Youtube als Videopodcast veröffentlichen liessen. Und wer das nicht will, der kann (offiziell) weiterhin nur über die Youtube-Website gesehen werden.

Nachtrag vom 12.7.2012
Gerade ist mir aufgefallen, dass auch Summify.com den Geist aufgegeben hat. Vorgestellt am 14.10.11, von Twitter gekauft am 19. Januar 2012, abgeschaltet am 22. Juni (nachdem ich den Dienst am 5. Juni im Digitalmagazin von Stadtfilter erwähnt hatte).

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

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