Der tägliche Ego-Schnappschuss

Dailybooth ist eine Website für Leute, die ihr Gesicht einmal pro Tag ins Internet halten möchten.

Ob Selbstdarstellung oder Eigendokumentation – dailybooth.com ermöglicht beides. Als so genannte Fotoblogging-Website soll man dort als Nutzer täglich ein Foto von sich machen. Aufnahmen lassen sich in einem so genannten «Blurb» (die freundlichen Zitate auf den Klappentexten von Büchern werden normalerweise so genannt) beschreiben, sodass eine Art fotografisches Tagebuch entsteht.

Foto-Tagebuch

Ähnlich wie bei Twitter kann man anderen Leuten folgen und Bilder kommentieren – und auch Kommentare in Bildform sind möglich. Somit lässt sich Dailybooth auch als eine Art Foto-Weblog bzw. -tagebuch nutzen. Man braucht ja nicht immer sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern kann ebenso gut Szenen des Alltags knipsen.

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Auf der öffentlichen Zeitleiste rutschen die Bilder im Sekundentakt durch.

Jedes Foto landet in einer öffentlichen Zeitleiste. Es sei denn, man hat diese Option unter You > Settings > Hide me from the live feed abgeschaltet – man kann an gleicher Stelle das Konto auch als privat deklarieren.

Per Selbstauslöser zur Selbstdarstellung

Das Fotografieren klappt über den am Computer oder Notebook, wenn eine Webcam vorhanden ist. Ansonsten kann man auch die kostenlose iPhone-App benutzen. Sie hält auch einen nützlichen Selbstauslöser bereit, bei dem man nach dem Auslösen drei Sekunden Zeit erhält, sich in Pose zu werfen.

Dailybooth existiert seit 2009 und dank Promi-Unterstützung (namentlich durch Ashton Kutcher und Demi Moore) längst eine genügend grosse Nutzerschaft, dass die Bilder im Sekundentakt eintrudeln – und man als Neuankömmling sofort einige Kommentare unter seinem ersten Bild vorfindet (selbst wenn es nur ein mehr oder weniger freundliches Willkommen ist).

Laufende Identitätswandelung

Bleibt die Frage, was es bringt. Für die Erwachsenen unter uns dürfte der Reiz relativ gering sein oder schnell nachlassen, zumal Dailybooth nicht wie Everyday die täglichen Aufnahmen zu einem Zeitraffer-Film zusammenfügt. Doch für erwachsene Nutzer ist Dailybooth auch nicht gedacht, sondern für Selbstfotografen unter bzw. knapp über zwanzig, die sich am täglichen Spiel mit wechselnden Erscheinungsbildern und laufender Indentitätswandlung erfreuen können…

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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