Soziales Musikstreaming!

In den letzten vielleicht anderthalb Jahren hat die Revolution der gestreamten Musik begonnen. Die Anfänge gehen mit last.fm zwar schon etwas weiter zurück. Doch erst mit echten Schweizer Ablegern konnte man guten Gewissens auf diese Form des Musikkonsums umschwenken. simfy.ch hat den Anfang gemacht, dann kam museeka.com und vor allem spotify.ch. Dann mischte sich auch Apple mit der iCloud und iTunes Match ein, und als ob das nicht schon genug an Streaming wäre, kann man sich nun auch bei deezer.com einklinken. Und es sieht so aus, als ob auch rdio.com bald eine Option wäre.

Besitzen, nicht streamen. Oder?
Stellt sich die Frage: Braucht es all diese Dienste? Ich als Digital Immigrant, der Platten gekauft und Musik ab Radio auf Kassetten aufgenommen hat, bin in der Idee verhaftet, dass man seine Musik besitze muss, selbst wenn die Tracks nun digital sind. Diese müssen vor Ort auf der Festplatte liegen und es es braucht eine aufgeräumte iTunes-Mediathek mit sorgfältig gepflegten Metadaten mit dem Backup auf der Netzwerkfestplatte.

Mir ist allerdings klar, dass diese Ansicht antiquiert wirken mag. Und die Pflege der Metadaten und der Musikablage womöglich vor allem eine Zeitverschwendung ist. Aber da kann ich schlecht aus meiner Haut. Andererseits: Wie soll man sich zu seinen Lieblings-Interpreten bekennen, wenn man sie nicht kauft und besitzt (bzw. ihre Werke)? Das müsste dem Digital Native genauso ein Anliegen sein wie dem Digital Immigrant.

Kopplung an Facebook ist Mist. Aber!
Darum gefällt mir von all den Diensten Spotify am besten. Er wird, völlig zu recht, gescholten, weil man sich nur über Facebook anmelden kann. Diese Koppelung nötigt Nutzer zur Teilname beim bösen Visagenbuch, selbst wenn sie bisher explizit ferngeblieben sind. Aber es stellt auch eine Abhängigkeit des Dienstes gegenüber Facebook dar.

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Die Spotify-Desktop-Anwendung: Nicht gerade ein Wunder an Benutzungsfreundlichkeit.

Trotzdem ist die Verbindung von sozialem Netzwerk und Musikdienst sinnvoll. Nicht nur das, sie ist im Grunde absolut zwingend. Denn sie macht den erwähnten Nachteil zumindest teilweise wett: Durch eine öffentliche Playlist, durch den sichtbaren Musikkonsum bekennt man sich zu seinen Lieblingsbands. Das ist fast so gut, wie deren Platten im Gestell stehen zu haben.

Nicht nur das: Man sieht auch, was die Freunde so in ihrem virtuellen Plattenregal stehen haben und was sie häufig auflegen. Von meinen 176 Facebook-Freunden sind 43 auf Spotify – immerhin 24 Prozent. 9 Leute haben öffentliche Playlists (5%) und 5 Leute (3%) haben einen tollen Musikgeschmack. Das heisst, dass ich bei denen jetzt immer mal wieder vorbeischaue, um tolle neue Musik zu entdecken. Was mir auch schon einige schöne Entdeckungen eingetragen hat.

Soziales Musik-Streaming rockt!
Fazit: Wenn schon Musik-Streaming, dann nur sozial. Das Spotify-Prinzip überzeugt mich mehr als die algorithmische Suche nach weiteren schönen Stücken, wie sie Museeka betreibt (hier im Podcast beschrieben). Zu einem Bezahl-Abo habe ich mich bislang nicht durchringen können, aber ich würde vermuten, dass ich in einem Jahr das Geld für iTunes Match (das mir gegenüber dem Syncen von Musik doch nicht so grosse Vorteile bietet) lieber in Spotify investiere.

Bis dahin hoffe ich natürlich, dass noch viele meiner Facebook-Freunde ihre Scheu vor öffentlich zur Schau gestellte Scheu von Public Playlists ablegen, und mir viele erfreuliche Entdeckungen ermöglichen.

Das ist jedenfalls eine interessante Entwicklung! Freunde waren natürlich schon im Zeitalter der Musikträger die eine gute Möglichkeit für Musikfunde. Wobei man bei vielen Freunden gar nicht wusste, was die hören. Sie haben es nicht erzählt und man wäre nicht auf die Idee gekommen nachzufragen. Einfach mal in Spotify nachzuschauen, ist unkompliziert, und darum tue ich es mit Genuss – und zwar mit dem Genuss, der mir die Radiostationen wie DRS3 mit ihrem formatierten Musikprogramm nicht mehr bieten will.

Zurück zum Appell: Liebe Facebook-Freunde: Hört öffentlich Musik! Schmeisst in Playlists, was euch gefällt! Egal wie peinlich! Niemand wird gezwungen, eure Playlists anzuspielen. Peinlich ist nur, Spotify zu nutzen, aber nichts anzubieten zu haben.

PS: iTunes-Playlists nach Spotify zu übernehmen, klappt sehr einfach per Drag&Drop: Die Playlist in iTunes aufrufen, alle Titel markieren und per Maus in eine Playlist-Ansicht von Spotify ziehen.

Autor: Matthias

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