Ein ausgebuffter Datenschieber

Robocopy ist ein leistungsfähiges Programm zum Kopieren, Verschieben und Verwalten von Dateien. Es läuft an der Befehlszeile von Windows 7 und Vista – was überhaupt kein Nachteil ist.

Die Befehlszeile heisst bei Windows «Eingabeaufforderung» und wirkt auf manche Benutzer wie ein Relikt aus der Computer-Steinzeit. Das ist natürlich unvermeidlich, zeigt doch die Befehlszeile einen Prompt an, wie man ihn seit 30 Jahren von DOS kennt – das «Disk Operating System», das zusammen mit dem Intel-kompatiblen PC gross wurde, hatte übrigens im Juni dieses Jahres seinen 30 Geburtstag.

In der Befehlszeile von Windows 7 und Vista steckt kein DOS mehr. Dafür schlummern dort enorm leistungsfähige Befehle. Beispielsweise der Befehl robocopy. Er enthält eine Anspielung an Paul Verhoevens Film aus dem Jahr 1987, was für Microsoft eine untypische Namensgebung, aber insofern passend ist, dass er im Dateisystem schonungslos aufräumt – wenn man ihn denn richtig einzusetzen weiss.

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Mit Microsofts Robocopy GUI lassen sich per Mausklick Programm-Aufrufe für Robocopy zusammenbauen.

Robocopy kopiert nicht nur Dateien, sondern kann sie auch löschen, verschieben und Ordner synchronisieren. Da robocopy am Prompt verwendet wird, lässt sich der Befehl auch in Batch-Dateien einbinden und zeitgesteuert aufrufen. Das öffnet Tür und Tor für automatische Backups oder den Abgleich von Daten zwischen Notebook und Desktop-PC oder zwischen interner Festplatte und Backup-Datenspeicher.

Fehlertolerant im Netz

Der Befehl arbeitet fehlertolerant. Wenn beim Kopieren auf ein Netz-Laufwerk die Verbindung verloren geht, erkennt robocopy unvollständig kopierte Dateien anhand eines speziellen Zeitstempels und kann dort fortsetzen, wo der Unterbruch stattfand. Robocopy kopiert nur Dateien, die im Quellverzeichnis neuer oder im Zielverzeichnis nicht vorhanden sind, was die Ausführung für Datensicherungszwecke massiv beschleunigt. Und robocopy kann auf Wunsch auch Dateien im Zielverzeichnis löschen, die im Quellverzeichnis nicht mehr vorhanden sind. Damit ist (anders als mit xcopy) eine echte Synchronisation möglich. Robocopy liefert nach der Ausführung ausserdem einen Rückgabecode. Wenn man robcopy innerhalb einer Batch-Datei oder eines Programms ausführt, kann man anhand eines solchen Rückgabecodes auf Fehler und Probleme während der Ausführung reagieren.

In der Benutzung ist robocopy allerdings nicht gerade pflegeleicht. Die Syntax des Befehls orientiert sich nämlich nicht an den anderen Befehlen copy und xcopy, die man für einfache Kopieraktionen bzw. fürs Kopieren von ganzen Ordnerbäumen nutzt.

Wichtig ist der Parameter /mir: Er steht für «mirror», also «spiegeln» und erstellt eine Kopie einer Ordnerstruktur an anderer Stelle. Verwendet wird er mit dem Quell-Ordner und dem Ziel-Ordner. Der folgende Befehl spiegelt den Ordner mit den Videos auf das Backup-Laufwerk; Unterverzeichnisse werden eingeschlossen:

robocopy C:\Users\Matthias\Videos p:\backups \Videos /MIR

Die Wirkungsweise von Robocopy kann nun mit vielen Parametern gesteuert werden. Eine Übersicht stellt Microsoft in der Beschreibung in einem Technet-Artikel bereit.

Eine Auswahl nützlicher Parameter

/purge löscht Dateien und Ordner im Zielverzeichnis, die im Quellverzeichnis nicht mehr vorhanden sind.
/move verschiebt Dateien und Ordner.
/xf gibt Dateien an, die während des Kopiervorgangs ausgeschlossen werden sollen. Mit dem Parameter /XF *.mp2 werden alle Dateien mit Endung *.mp2 nicht kopiert.
/xd gibt die Ordner an, die nicht kopiert werden sollen. /XD C:\Users\Matthias\Videos\privat würde verhindern, dass der Ordner privat kopiert wird.
/LOG erstellt eine Protokolldatei. So kann bei automatischen Backups die Ausführung nachträglich überprüft werden. Um das Logfile bei jeder Ausführung zu erweitern, verwenden Sie den Parameter /log+:[LogFile.txt]
/L führt dazu, dass keine Dateien kopiert werden, sondern nur eine Anzeige erfolgt, was Robocopy ohne diesen Parameter /L tun würde. Damit haben Sie die Möglichkeit, einen Befehl zu testen und erst dann wirklich anzuwenden, wenn Sie sicher sind, dass alles stimmt.

Grafische Benutzeroberfläche

Anwendern, die mit Parametern und der Befehlszeile nicht vertraut sind, stehen mehrere Windows-Programme zur Verfügung, die ein GUI (eine grafische Benutzeroberfläche) bereitstellen. Damit können Befehle bequem per Windows-Programm aufgebaut werden. Ein kommerzielles Produkt, das ab 19,95 US-Dollar erhältlich ist, heisst CopyRite.

Microsoft bietet kostenlos die Robocopy GUI-Programmoberfläche. Diese finden Sie unter technet.microsoft.com. Laden Sie die Datei UtilitySpotlight2006_11.exe herunter, die das Installationsprogramm enthält.

Eine ausführliche Beschreibung mit praktischen Beispielen finden Sie im Artikel «Robocopy – der Kopier Gigant» von wintotal.de.

Autor: Matthias

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