Der Kindle 3 ist mein Verdienst

Im Jahr 2001 habe ich folgenden denkwürdigen Satz geschrieben:

Solange es noch Wälder, Papierfabriken und Buchdruckereien gibt, sind E-Books etwas vom Überflüssigsten, was die Welt je gesehen hat. (Tagesanzeiger, 10.Dezember 2001, Seite 57)

Und jetzt ist tatsächlich der Kindle 3 mein Lieblingsgadget der Stunde. Ich könnte mich damit rausreden, dass es dozumals noch keine E-Ink gab und auch kein Whispernet, mit dem man Bücher innert weniger Sekunden lädt. Ich könnte auch meine Technikverliebtheit als Entschuldigung ins Feld führen. Oder behaupten, dass die damalige harsche Ablehnung von Journalisten die Entwicklung derart befeuert hat, dass wir heute die schönen E-Book-Reader überhaupt haben. Sprich: Dass der Kindle 3 eigentlich mein Verdienst ist. Das gibt einen schönen Titel für dieses Posting. Aber ich nehme an, die Mehrheit der Leser wird diesem raffinierten Argument nicht folgen.

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Jedenfalls habe ich nicht alle meine Argumente gegen die Ebooks auf dem Altar des Fortschritts geopfert. „Der Kindle 3 ist mein Verdienst“ weiterlesen

Ich sag zum Abschied leise Batch-Datei

Für diesen Beitrag habe ich in meinen Kategorien extra den Eintrag «Nerdpost» eingerichtet. Sie ist den Tipps vorbehalten, die ich mit gutem Gewissen nicht in der Kummerbox des Tagesanzeiger veröffentlichen kann, weil ich mir sonst zu Recht die Frage gefallen muss, ob ich denn noch bei Trost sei.
In meinem Blog habe ich diesbezüglich keine Scham: Da nehme ich Worte wie Editor für lokale Gruppenrichtlinien in den Mund, ohne dabei rot zu werden. Denn so umständlich das Ding auch benannt ist und so undurchsichtig Microsoft es gestrickt hat: Es kann nützliche Dinge bewirken.
Also, nachdem das zu erwartende Schmerzlevel in diesem Nerdpost nun geklärt ist, zu der eigentlichen Angelegenheit:
Es ist ja so, dass man bei Windows ohne Aufwand Programme automatisch starten kann. Man tut dazu nichts anderes, als eine Verknüpfung zu diesem Programm in den Ordner Alle Programme > Autostart zu legen. Nun möchten viele Leute (ich, zum Beispiel) aber auch Dinge beim Abschalten automatisch in Betrieb setzen. Das klassische Beispiel dafür ist die Datensicherung. Die soll automatisch beim Herunterfahren durchgeführt werden.
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Von Apple ausgetrickst

Wer, wie ich, es sich nicht verklemmen konnte, auf dem iPhone 3G iOS 4 zu installieren, wird darob keine Freude haben: Abstürze noch und nöcher, Hänger und Ruckler, das unendlich drehende Rädchen und mitunter auch eine übelst stotternde Audiowiedergabe. Man fühlt sich ins vorletzte Jahrhundert zurückversetzt, wo ein Betriebssystem-Update die Hardware an den Rand eines Kollapses brachte.
Das frage ich mich: Warum regt sich alle Welt über das angebliche Antennenproblem des iPhone 4 auf, und nicht über dieses viel gravierendere Problem? Die Antennensache dürfte für die stolzen Besitzer eines iPhone 4 ein verschmerzbares Übel sein. Falls sie es überhaupt bemerken, müssen sie sich bei Apple halt eine Gratishülle besorgen. Kein grosses Ding.
Dass ein Telefon durch ein System-Update annähernd unbrauchbar wird, halte ich für ein wirkliches Problem und für einen kleinen Skandal. Zumal ich Apple eine Absicht unterstelle. Denn was wird in vielen Fällen die Reaktion des gepeinigten iPhone-User auf die unerträgliche Langsamkeit seines Geräts sein?
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Schwach, Google, ganz schwach

Nun zieht Google bei der Wave den Stecker:

We don’t plan to continue developing Wave as a standalone product, but we will maintain the site at least through the end of the year and extend the technology for use in other Google projects.

Weil Googles Erwartungen nicht erfüllt wurden – und das Produkt nicht innerhalb eines Jahres E-Mail und sämtliche anderen Kommunikationsmittel vom Angesicht der Erde gefegt hat:

But despite these wins, and numerous loyal fans, Wave has not seen the user adoption we would have liked.

Bei Google, dem Milliarden-Unternehmen, treten manchmal erschreckend kindische Züge zutage. Die Wave nach so kurzer Zeit zu beerdigen, ist eine infantile Trotzreaktion: «Ihr liebt unsere Wave nicht – also machen wir sie kaputt.» Vielleicht ist es einfach nur dumm. „Schwach, Google, ganz schwach“ weiterlesen

Die Dummköpfe von CNN

Viele Journalisten sind nicht gerade Fans von Bloggern; das weiss man ja. Da sind auf der einen Seite die Hüter von Nachrichten und Inhaber der vierten Gewalt, die sich diese Rolle nicht streitig machen lassen wollen. Und da gibt es zum anderen die Kinder des Internet, die das mächtige Sprachrohr, auf ihre Weise nutzen. Man buhlt um ein gemeinsames Publikum, um Aufmerksamkeit und um die Deutungs- und Interpretationshoheit. Eine gesunde Rivalität ist nicht verkehrt. Was Medien verbreiten, ist überprüfbar anhand der alternativen Nachrichtenquellen. Wir Journalisten sind nicht mehr alleinige Wächter des grossen Rohrs, aus dem der Nachrichtenfluss quillt. Und unsere Rolle als «Gatekeeper» wurde in den letzten Jahren sehr relativiert. Gut so. Das soll uns ein Ansporn sein, uns zu überlegen, wem wir verpflichtet sind. Und auch, unseren Berufsethos hochzuhalten: Fairness, Distanz, Unabhängigkeit, der ganze alte Kram, halt.
Das fällt Journalisten aber offenbar schwer. Ein eklatantes Beispiel dafür ist der Beitrag auf CNN, den man sich auf newsbusters.org ansehen kann und bei dem es mir fast die Schuhe auszieht (via Noagenda.com): „Die Dummköpfe von CNN“ weiterlesen

Rein ist was anderes als raus

Ja, ich komme inzwischen wie ein hassgetriebener Microsoft-Basher rüber. Aber was will ich machen? Es ist mir Pflicht und innerer Drang, auf jedwede Benutzerunfreundlichkeiten hinzuweisen. Schliesslich gibt es dafür eine Kategorie in meinem Blog.
Und Microsoft wird nicht müde, mir Material für diese Kategorie zu liefern.
In Outlook 2010 gibt es eine Benutzerunfreundlichkeit, die schon an den ultimativen Klassiker herankommt. Der ultimative Klassiker ist natürlich der Windows-Start-Knopf, den man betätigen muss, um Windows zu beenden.
Es geht in diesem Blogpost um den Vorgang des Exportierens. Das Exportieren ist bekanntlich der Vorgang, bei dem man Daten aus einem Programm entnimmt. Man holt irgend etwas aus dem Speicher heraus.
Um in Outlook 2010 einen Exportvorgang durchzuführen, wählt man im Menüband die Rubrik Datei. So weit, so logisch. Schliesslich ist es mein Bestreben, am Ende eine Datei zu erhalten, in der meine Daten stecken.
Weniger logisch ist dann allerdings, dass ich die Rubrik Öffnen öffnen muss. Die Vorstellung beim Öffnen ist, dass ich Daten in mein Programm hereinhole, und das ist nicht, was ich tun will. Es wird aber noch unsinniger. „Rein ist was anderes als raus“ weiterlesen

Reduce to the min

Oder: Der neue Schlankheitswahn bei der Software.
Wenn Firefox 4 in der ersten Beta zum ersten Mal am Bildschirm erscheint, glaubt man erst, versehentlich das Icon von Google Chrome angeklickt zu haben.
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Mozilla hat sich extrem stark von Chrome inspirieren lassen; und gibt damit Google recht. Die haben immer behauptet, sie würden Chrome lancieren, um für Innovation und Inspiration zu sorgen.
Google als prägende Kraft.
Oder vielleicht auch nicht. „Reduce to the min“ weiterlesen

Lightroom 3 quetscht die Welt zurecht

Letztes Wochenende hat in Winterthur das Albanifest stattgefunden. Das ist eine hervorragende Gelegenheit, um die Welt von oben zu sehen und sie auch so zu fotografieren. Sprich: Auf dem Riesenrad am Neumarkt einen Blick über die ganze Stadt zu wagen und Fotos aus dieser sonst unerreichbaren Perspektive zu machen.
Ich habe für diesen Zweck das Fischaugenobjektiv aufgesetzt und diese Bilder durch Lightroom 3.0 gejagt. Äusserst neugierig war ich auf die neue Objektivkorrektur: Denn wie könnte man die besser testen als mit Verzerrungen, wie sie ein Fisheye produziert?
Und Adobes neues Feature nötigt mir Respekt ab. Das Objektiv wird automatisch erkannt; man braucht nichts weiter zu tun, als unter Objektivkorrekturen den Reiter Profil auszuwählen und die Option Profilkorrekturen aktivieren einzuschalten. Und schon wird das Bild vollautomatisch entzerrt.
Sprich: Aus dieser Aufnahme…
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Microsoft ist des Wahnsinns. q.e.d.

Warum?
Weil man als Anwender eines Microsoft-Produkts – als Beispiel sei Windows Live Mail genannt –, gezwungen wird, solche Problemlösungen durchzuackern.
Das ist eine echte Anleitung, in gekürzter Form wiedergegeben, die ich ab und zu als Antwort auf eine Kummerbox-Frage versende:

Vorbemerkung
Ich sehe bei Windows Live Mail immer wieder Probleme mit der Ablage der E-Mails, sodass ich davon ausgehe, dass die Software diesbezüglich einfach schlecht funktioniert. Ich empfehle daher, bei wiederkehrenden Problemen auf eine andere Software auszuweichen. Meine Empfehlung ist Mozilla Thunderbird.
Wenn Sie an Windows Live Mail festhalten möchten, würde ich empfehlen, die mühselige Prozedur auf sich zu nehmen, und die Mailablage der Software zu bereinigen. Zuvor sollten Sie den ganzen Datenbestand, d.h. den ganzen «Windows Live Mail»-Datenordner sichern. „Microsoft ist des Wahnsinns. q.e.d.“ weiterlesen

Mein Leben als Strom

Vor Kurzem habe ich hier beschrieben, wie man sich mit den Yahoo-Pipes ein Mashup aller seiner Web-Hinterlassenschaften bastelt. Das hat gut funktioniert, war letztlich aber doch nicht so befriedigend. Und ausserdem: Warum soll man sich die Mühe machen und das Rad neu erfinden, wenn es doch längst Dienste gibt, die das viel schöner, besser und vor allem auch performanter erledigen?
Also habe ich mich aufgemacht und die Dienste unter die Lupe genommen, die das Web zum Stichwort «Lifestream» zu bieten hat: „Mein Leben als Strom“ weiterlesen