WP7 (*)

Mir ist neulich ein Mobiltelefon des Modells LG-E900 («Optimus 7») in die Hände gefallen, dessen bemerkenswerteste Eigenschaft darin besteht, mit Windows Phone 7 zu laufen – Microsofts neuem Betriebssystem für Mobiltelefone.

Design

Auffällig ist, dass ausser Apple kein Mobiltelefonhersteller gewillt oder fähig ist, beim Design einen eigenen Stil zu entwickeln. Auch LG macht Smartphones, die wie irgend ein Nicht-Apple-Smartphone aussehen. Das einzige, was man als eigenständige Idee werten könnte, sind die schrägen Kanten unten und oben und die Rundungen, die mir nicht zusagen. Dabei wäre die Sache einfach: Microsoft hat Windows Phone 7 eine klare, simple Optik verpasst. Das hätte man beim «Optimus 7» aufgreifen können oder müssen.
Auffällig ist das grosse Display, das knapp einen Zentimeter länger ist als das des iPhone. Die Auflösung ist mit 800×480 Pixeln trotzdem deutlich geringer als die 960×640 Pixel des Retina-Display beim iPhone 4.

«Optimus 7» – ich verwende hier übrigens den Code-Namen, weil ich mir diese nichtssagenden Modellnummern nie merken kann und der Meinung bin, dass ein Telefon, das was taugt, auch einen richtigen Namen haben muss. Allerdings sollte man nicht, wie HTC, irgend einem lumpigen Telefon den Namen «Mozart» geben. Da sind übertriebene Erwartungen vorprogrammiert.

Tasten

… also, «Optimus 7» hat unten drei Tasten: Eine Back-Taste, eine Home-Taste (eigentlich: Eine «Windows-Taste – da hat Microsofts Marketing-Abteilung wieder zugeschlagen) und eine Such-Taste. Diese Tasten stellen für meinen Geschmack einen Bruch bei der Benutzerschnittstelle dar. Mir ist klar, dass es den Zurück-Knopf als Hardwaretaste braucht, weil das UI von Windows Phone 7 so gestaltet ist, dass ein «Back»-Button nicht ins Erscheinungsbild passt. Es ist aber nicht stringent, dass man die allermeisten Operationen per Multitouch ausführt, ausser das Zurücknavigieren, bei dem man dann doch die Hardwaretaste braucht. Beim iPhone ist das klarer: Man braucht die Home-Taste, um sich aus einer App zu verabschieden. Eine exzellente Lösung hat der Palm Pre mit der «gesture area». Sie findet sich unterhalb des Displays. Mit Wischen nach links führt man den «Zurück»-Befehl aus. Das passt bestens zu der Multitouch-Bedienung und ist ausbaufähig, indem auch andere Gesten möglich sind.

Ansonsten gibts eine Ein-Aus-Taste, eine Lauter- und eine Leiser-Taste und eine Kamerataste. Die Ein-Aus-Taste ist so mickerig geraten, dass man sie kaum bedienen kann.
Die Kamerataste macht auch ein Foto, wenn das Telefon gesperrt ist. Das ist eine tolle Idee, denn wenn man mit dem iPhone ein Bild machen will, aber erst das Telefon entsperren und zur Camera-App wechseln muss, ist die Gelegenheit für den Schnappschuss schon längst vorbei. Und die Fototaste hilft auch bei Selbstportraits.

Multitouch und Tastatur

Windows Phone 7 ist für iPhone-gewohnte Nutzer sofort bedienbar. Multitouch funktioniert, wie es sollte und das gilt auch für die Bildschirmtastatur. Die ist bei den ersten Versuchen sogar viel besser als die des iPhone. Die Wortvorschläge und Korrekturmöglichkeiten sind tadellos. Beim iPhone dagegen ist, zumindest in Deutsch, diese Funktion unbrauchbar.
Gut gefällt mir, dass manche Tasten (Leertaste, Enter, Backspace) einen etwas anderen Ton auslösen. Ein Detail, das bei Tippen ungemein hilft.

Metro UI

Die Metro UI ist meines Erachtens der wichtigste Aspekt von Windows Phone 7. Die Benutzerschnittstelle wirkt auch bei der ersten Version ausgereift und ich bin überzeugt, dass Microsoft viel Entwicklungsaufwand in die Schnittstelle gesteckt hat – allerdings gab es die auch schon beim glücklosen Zune-Player, in ähnlicher Form bei der Zune-Software, beim Media-Center und bei der Xbox.
Trotzdem: Das Metro UI für Mobiltelefone ist eine echte Innovation und die erste echte Neuerung im Bereich der Mobiltelefonbedienung seit dem iPhone. Google mit Android und Palm Pre haben im Vergleich bloss bei Apple abgekupfert.

Das Konzept besagt, dass man das Display des Mobiltelefons quasi wie den Sucher einer Kamera nutzt, um durch ein Panorama zu navigieren. Dieses Panorama zeigt in Spalten nebeneinander Informationen. Durch horizontale Bewegung wählt man die Spalte, durch die man dann vertikal scrollt. Fenster gibt es keine. Und darum ist das «Windows» in Windows Phone 7 auch komplett überflüssig.
Verglichen mit den PC-Betriebssystemen ist das ein fundamental anderes Konzept. Bei Windows, Mac OS X und Linux gehen beim Klicken Dialogboxen auf und es schieben sich neue Fenster vor die alten Fenster. Das Metro UI ist eine flache Landschaft, das alle Informationen auf einer Ebene zeigt.
Das ist sinnvoll für ein Mobilgerät mit kleinem Display. Aber ich bin überzeugt, dass auch am Desktop die Zeit für die Dialogboxen und Menüs abläuft. Man sieht das bei Browsern wie Chrome, Internet Explorer 9 und Firefox 4 oder bei Programmen wie Office 2007/2010 mit dem «Ribbon» oder bei Adobe Lightroom mit seinem Panel-Layout.
Natürlich dauert die Abkehr von den alten Konzepten am PC länger, weil all die enorm umfangreichen Programmpakete nicht von einem Tag auf das neue Paradigma umgekrempelt werden können. Das braucht seine Zeit. Aber nun ist es definitiv so, dass die Mobilwelt den Takt angibt und die Desktop-Welt hinterherhinkt.
Apples Ideen für Mac OS X 10.7 alias «Lion» sind da nur ein weiteres Indiz: Das Launchpad, das Anwendungen «im iPad-Style» startet. Vollbild-Anwendungen – das ist eine Ver-iPad-isierung des Mac OS. Allerdings nicht sonderlich kreativ. Da müsste man sich für die grossen Bildschirme vielleicht doch etwas mehr einfallen lassen.

Die Optik des Metro UI gefällt mir, ganz ehrlich, besser als die des iPhone. Schlicht, fast spartanisch, ohne Menüleiste, Linien, Rahmen, spiegelnde Flächen, Pseudo-3-D-Effekte und ähnlicher Ballast. In einem Hub steht als eine Art «Headline» der Name des Hubs, zum Beispiel «Kontakte». Er bewegt sich mit, wenn man per Wischbewegung durch das Panorama wandert und verdeutlicht so diese Bewegung. Es gibt dezente, flüssige Animationen, die zugleich helfen, die Bedienkonzepte zu verstehen. Das ist ein Konzept aus einem Guss, solide umgesetzt. Im Vergleich erscheint Android umso wirrer und verzettelter.
An dieser Stelle ist ein dickes Lob angebracht: Microsoft hat weitergedacht und es den Chaoten von Google gezeigt. Und auch vor Apple braucht man sich nicht zu verstecken.
Kritisieren muss man die manchmal zu wirren Hintergründe. Beim Marketplace sind manche Dinge schlicht kaum zu lesen.
… oh, gerade sehe ich, dass der Hintergrund ausgetauscht wurde. Ich könnte mir vorstellen, dass der von den Titeln abhängt, die bei den Top-Apps im Schaufenster stehen.

Hubs

Bei Hubs scheint sich Microsoft den alten Traum verwirklichen zu wollen, nicht die Anwendungen ins Zentrum zu stellen, sondern die Daten. Das hat der Softwarekonzern auch schon bei Windows versucht. «OLE» (Object Linking and Embedding) sollte so funktionieren, dass Module beliebig kombiniert werden können. Braucht man in einem Dokument eine Tabelle, klinkt man die via Excel ein. Bilder gelangen via Bildverarbeitungsmodul in das, was man 1992 «Verbunddokument» genannt hat.
Eine gute Idee, die leider fadengrad in die Hose ging. Auch bei Apple, die ein Projekt namens «OpenDoc» 1997 eingestellt haben.

Bei den Hubs könnte die Sache allerdings aufgehen. Die Hardware ist heute viel leistungsfähiger (die jüngste Smartphone-Generation hat einen Gigahertz-Prozessor) und die Integration ist am Handy weniger komplex als bei Desktop-Workstations.
Hubs integrieren Daten aus verschiedenen Quellen an einem Ort. Beim Bilder-Hub erscheinen die Fotos der Kamera, aber auch die Bilder, die meine Facebook-Freunde in ihren Profil posten. Über das Metro UI sehe ich einen Strom aller Fotos, kann aber auch via horizontales Scrollen, zwischen Favoriten, jüngsten Bildern oder den Bildern eines bestimmten Datums wählen.

Auch die Daten der Apps von Drittherstellern sollen, falls ich das richtig begriffen habe, in die Hubs einfliessen. Das gefällt mir als Idee gut. Wie es sich in der Praxis bewährt, wird sich zeigen müssen. Es gibt die latente Gefahr, dass das aus dem Ruder läuft und bloss unübersichtlich und unpraktisch wird. Da wird sich zeigen müssen, wie gut Microsoft die Dinge im Griff hat, die Dritthersteller in die Hubs einklinken.
Schade: Die beiden E-Mail-Konten, die ich eingerichtet habe (Hotmail und GMail) erscheinen als separate Hubs, nicht als integrierter Mail-Hub. Das ist nicht zu Ende gedacht. Dieser Ausrutscher dürfte sicherlich mit einem der kommenden Updates behoben werden.
Die Hubs erscheinen auf dem Startbildschirm als Kacheln (Live Tiles), die man anordnen kann, wie man will. Dazu tippt man eine Kachel lang mit dem Finger an, worauf sie grösser wird und sich verschieben oder entfernen lässt. Durch Tippen auf die Home-Taste beendet man die Umsortierung, genau wie beim iPhone.
Die Kacheln auf dem Startbildschirm dienen nicht nur dem Starten von Hubs, sie zeigen auch Informationen an. Beim Marketplace werden verfügbare Updates angezeigt. Bei den Mail-Hubs erscheinen die ungelesenen Mails. Der Kalender weist auf den nächsten Termin hin. Und sicherlich tut auch der Xbox-Live-Hub irgendwas. Auf dem Homescreen lassen sich auch Kontakte festpinnen.
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Auch das eine gute Idee, die deutlich mehr Informationen vermittelt als die roten Kreise, die das iPhone manchmal übers Icon einer App legt. Mir scheint das eine gute Alternative zu den Widgets, die ich beim Palm Pre und bei Android so schätze.
Auf dem Startbildschirm gibt es ein Pfeil nach rechts-Symbol, das die weiteren Menüs anzeigt. Dort sind unter anderem ein Rechner, der Office-Hub und der Wecker zu finden.

Integration von sozialen Diensten

Die Hubs leben davon, dass quasi «live» die Daten meiner Freunde auf der Bildfläche auftauchen. Das passiert, wen wunderts?, über Facebook und andere soziale Dienste – wobei ich Twitter schmerzlich vermisste.
Damit hat Microsoft am konsequentesten auf die «Versozialisierung» des Internet reagiert. Die Facebook-Kontakte hat zwar auch schon der Palm Pre im Adressbuch angezeigt und bei Android kann ich meine Google-Kontakte auch nutzen. Das geht inzwischen bloss beim iPhone nicht so ohne weiteres.

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Microsoft sieht auch die Status-Updates als integralen Bestandteil an und fügt beispielsweise die Facebook-Aktivitäten dem Kontakt-Hub hinzu. Für Hardcore-Anwender ist das zu wenig – da braucht es dann doch eine dezidierte App für Facebook und Twitter, für Foursquare und Gowalla, für Xing und LinkedIn, und was es da noch so gibt. Für die weniger nerdigen Benutzer, an die sich Microsoft mit Windows Phone 7 richtet, ist das genau die richtige Dosis (Disclaimer: Matthias war noch nie sonderlich gut darin, sich in die Haut eines «nicht-nerdigen» Benutzers hineinzuversetzen.)

Vorinstallierte Programme

Vorinstalliert sind Hubs fürs Telefonieren, für SMS und MMS, für den Kalender, die Kamera, Bilder, Musik und Videos, Karten, Internet Explorer, Xbox Live, Mail und Wiedergeben auf.

Der Internet Explorer – bei Microsoft hätte ich mir ja einen anderen Namen einfallen lassen, denn als Firefox- und Chrome-Nutzer widerstrebt es mir zutiefst, diesen Internet Explorer zu starten – ist brauchbar und für Safari-gewohnte Nutzer sofort vertraut. Die Darstellung kleiner Schriften ist nicht ganz so gut wie beim iPhone, aber das könnte auch daran liegen, dass das Display keine Retina-Auflösung hat. Ähnlich, aber im Detail besser gelöst als bei Safari ist der Wechsel zwischen offenen Webseiten.

Xbox Live ist schätzungsweise einer der grössten Trümpfe von Windows Phone 7. Die Integration der Spiele-Plattform soll, was man so hört, viel versprechend sein. Ich als Nicht-Xböxler, kann das nur bedingt beurteilen, aber ich sehe trotzdem das Potenzial, das eine Verbindung von Game-Konsole und mobilem Gaming hat. Und es soll auch vergleichsweise einfach sein, Spiele für die Xbox und fürs Windows Phone 7 zu entwickeln, da auf beiden Plattformen die gleiche Entwicklersprache benutzt werden kann. Natürlich bringt man ein ausgewachsenes Xbox-Game nicht eins zu eins aufs Mobiltelefon. Aber man kann sich mobile «Companion-Spiele» vorstellen, die den Xbox-Titel aufwerten und die Xbox-Spielwelt in die reale Welt hineinbringen. Es gibt am Telefon auch GPS und «local based services», die man für die Spiele nutzen kann. Ich bin sehr gespannt, was sich da tun wird!
Von Haus aus ist kein einziges Spiel installiert, was ich als Solitär-Fanatiker stark kritisiere. Man kann sich Testversionen über Xbox Live besorgen oder über den Marketplace Spiele kaufen oder gratis herunterladen. Ich habe kostenlos «Flowerz» von Microsoft besorgt. Nett, aber kein Ersatz für «Angry Birds».

Wiedergeben auf streamt Multimedia-Inhalte des Telefons an Fernseher, Windows-7-PCs oder andere DLNA-kompatible Geräte. Um an einen Windows-7-Rechner zu streamen, startet man den Media-Player und schaltet im Streaming-Menü die Option Remotesteuerung zulassen ein. Funktioniert mit PCs gut, aber natürlich nur im LAN-Netz.

Scan & Search ist eine «Augmented Reality»-App wie die Layar-App fürs iPhone und für Android. Sie blendet im Live-Kamerabild Informationen über die Umgebung ein. Man sieht so als Icons Restaurants, Pubs, Hotels und andere «Points of Interest» (POI) in der Nähe. In welchem Umkreis die App sucht, lässt sich einstellen, ebenso, woher die Daten kommen. Zur Auswahl stehen Bing und Google, wobei Bing in Winterthur keinerlei POIs kennt. Darum ist wohl auch Google voreingestellt.
Die Scan & Search-App versteht sich sogar auf Twitter und zeigt Tweets in der Nähe an. Schön wäre natürlich eine Integration von Foursquare und Gowalla.

Panorama-Aufnahme irgendwie logisch, dass zu dem Panorama-Konzept des Betriebssystems auch eine App gehört, die Panorama-Bilder fotografiert. Und das tut die Microsoft-App sehr intuitiv. Sie zeigt im Livebild der Kamera den Ausschnitt an, den man als nächstes fotografieren soll, damit sich die Segmente vernünftig «stitchen» lassen. Mittels Pfeilen wird man entsprechend geleitet und wenn der Ausschnitt stimmt, wird der Ausschnitt grün und es gibt automatisch ein Foto.
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Der Office-Hub ist interessanterweise nicht auf dem Startbildschirm, sondern im Menü mit dem Zubehör zu finden. Dass er auf die Hinterbank verbannt wurde, dürfte daran liegen, dass er im Vergleich zu den Office-Versionen vom alten Windows Mobile etwas dürftig geraten ist. Ich nehme an, dass Microsoft hier noch kräftig nachbessern wird, denn der Office-Trumpf wird so nicht ausgespielt.

Musik & Videos

Besonderes Interesse gilt der Art und Weise, wie Windows Phone 7 mit Multimedia-Inhalten umgeht. Das ist für mich der Punkt, weswegen ein Android-Telefon bis auf Weiteres nicht in Frage kommt – was dort als Medienverwaltung und Wiedergabe existiert, ist schlicht lachhaft.
Microsoft hat in diesem Bereich dank Zune und der Media-Center-Vergangenheit einiges zu bieten. Die Zune-Software gefällt mir optisch gut. Sie ist viel ansprechender als das dröge iTunes. Sie ist mir im Detail aber noch nicht ausgereift. So fehlt die Möglichkeit, die Metadaten von Musiktiteln vernünftig zu editieren (vielleicht habe ich die Option aber auch einfach nicht gefunden).

Jedenfalls verwaltet der Musik & Videos-Hub wie der Name sagt, Musik, Videos und Podcasts, und im Fall des «Optimus 7» sogar UKW-Radio. Radio Stadtfilter lässt sich damit bestens hören.
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Was die Podcasts und Musik angeht, verstehen sich sowohl der Musik & Videos-Hub als auch die Zune-Software auch auf AAC. Die Musik aus iTunes-Plus lässt sich somit problemlos wiedergeben. Unser Enhanced-Podcast im AAC-Format läuft in der Zune-Software (allerdings ohne jegliche Enhanced-Features), aber der Musik & Videos-Hub verweigert die Wiedergabe. Das dürfte wohl ein Bug sein – aber so lange der nicht behoben ist, spreche ich dem Windows Phone 7 die Multimedia-Reife ab.

Über den Zune-Market-Place darf man neu auch Filme mieten oder kaufen. Das habe ich noch nicht im Detail getestet. Die Preise scheinen mir so weit fair zu sein. Auf den ersten Blick stören mich zwei Dinge: Zum einen muss man bei der Miete eines Films wählen, ob man ihn am Computer oder am Handy sehen will – da will ich mich nicht festlegen oder auch mitten im Film umentscheiden können. Zum anderen gibt es im Zune-Market-Place eine dubiose Währung namens Microsoft-Points. Da fahre ich genauso wenig darauf ab wie auf Linden-Dollars.

Market Place ist der App-Store von Windows Phone 7. Die Auswahl ist bislang dürftig und man darf gespannt sein, ob die Entwickler nun nach dem iPhone, Android nun noch genügend Kapazität haben und willens sind, auch für Microsofts Plattform zu entwickeln. Davon wird einiges abhängen. Apps zu laden, zu suchen und zu aktualisieren, funktioniert jedenfalls bestens. Die Installation geht nicht ganz so zackig vonstatten, wie beim iPhone, dafür gibt es einige Hinweise, was die App bezüglich Privatsphäre tut, so wie das auch Android praktiziert.
Apps lassen sich auch versenden, was ich so interpretiere, dass man jemandem eine kostenpflichtige App verschenken kann. Das ist per Mail, SMS (?) und MMS möglich, aber ausprobiert habe ich es bislang nicht (wenn ein Windows Phone 7-Besitzer sich zu Testzwecken von mir eine kostenlose App schenken lassen will – bitte melden!

Fazit

Windows Phone 7 ist ein grosser Wurf. Das iPhone sehe ich nicht unmittelbar in Gefahr – wobei ich, nur so als Randbemerkung, mir eher ein Windows Phone 7-Tablet (falls es sowas geben sollte), wie auch ein Windows Phone 7-Touch-Version (also ein Modell ohne Mobilfunkanbindung, mit der man hauptsächlich Xbox-Live nutzen würde – und bei der das «Phone» in der Bezeichnung komplett sinnlos wäre) durchaus kaufen würde.

Ich sehe das Windows Phone 7 als Bedrohung für Android, denn Microsoft hat viele Dinge einfach besser gemacht als Google. Wer kein Vollblut-Nerd ist, der Root-Access geil findet, bekommt das schönere und ausgereiftere Gerät. Und Windows Phone 7 ist ein grosses Problem für HP und den vor kurzem angekündigten Pre2. Ich habe HP bislang nicht als innovativen Softwareentwickler erlebt, daher glaube ich nicht, dass man das WebOS so vorwärts bringt, wie das angesichts der neuen Konkurrenz nun nötig wäre.
Und es ist nun Zeit, dass Nokia Symbian in die Tonne klopft und sich zwischen Android und Windows Phone 7 entscheidet – oder meinetwegen Dual-Boot-Geräte macht oder sich auf Feature-Phones beschränkt. Eine Zukunft hat Symbian jedenfalls nicht.
Einige negative Punkte sind zu erwähnen: Beim «Optimus 7» die lange Ladezeit und die kurze Batterielaufzeit (Messungen habe ich keine durchgeführt).

Und was mich am Windows Phone 7 wirklich stört ist, nein, nicht die fehlende Copy-Paste-Funktion, sondern der Umstand, dass man keine Screenshots machen kann.
Microsoft lässt einen dazu wissen:

Screenshots können nur mit speziellen Geräten und Tools gemacht werden. Diesbezüglich wurden wir angehalten die offiziell auf Presspass verfügbaren Screenshots der Presse zur Verfügung zu stellen.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl: Wenn Microsoft möchte, dass Blogger und Zeitungen Apps für Windows Phone 7 vorstellen und Tipps und Tricks geben, dann kommt der Screenshot-Funktion eine zentrale Bedeutung zu. Diese These lässt sich durch eine vergleichende Google-Suche leicht untermauern, wenn man weiss, dass man beim iPhone supereinfach Screenshots machen kann, bei Google Android das aber nur durch einen wirren Root-Mod möglich ist (möglich ist es aber immerhin).

(*) Ellenlanger Blogbeitrag, kurzer Titel.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

2 Gedanken zu „WP7 (*)“

  1. Was ich mich eigentlich nur noch Frage ist ob es die Sachen geben wird, die ich unbedingt brauche nämlich – Navigation (TomTom/Route66?), Tithering und natürlich leckere Apps

  2. “Gut gefällt mir, dass manche Tasten (Leertaste, Enter, Backspace) einen etwas anderen Ton auslösen. Ein Detail, das bei Tippen ungemein hilft.”
    Ein Feature, das ich mir beim iPhone seit Ewigkeiten wünsche. Damit ich wenigstens höre, dass ich statt eines Leerschlags wieder mal ein b oder n getippt habe.

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