3d killed the videogame star

Wie schön hat Robbie Williams an seinem Comeback-Konzert gestern doch «Video killed the radio star» gesungen. Schön falsch, würde man meinen. Gekillt wird jedenfalls nicht nur der Radiostar durch Robbie Williams, sondern auch der Videogame-Star. Mir ist nämlich neulich das Spiel «The Beast within» in die Finger geraten, der zweite Teil aus der Gabriel Knight-Serie. Mit dem habe ich mich 1995 auseinandergesetzt, weil ich damals zufälligerweise gerade genügend Zeit hatte. Damals kamen Spieltitel auf, die den Namen Videogame zu Recht trugen. Sie gehörten zum Genre des «interaktiven Movies». Videosequenzen, also Realfilm, wurden in virtuelle Sets eingebaut und erschienen mit der Handlung. Ein anderes Spiel mit dieser Technik war «Phantasmagoria», das mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, trotz der für meinen Geschmack viel zu exzessiven Gewalt.
Natürlich, man kan viel aussetzen an diesem Genre der interaktiven Spielfilme. Sie sind aufwändig. Man muss sich mit Videotechnik und Schauspielern herumschlagen. Und vor allem sind sie statisch, mit beschränkter Einflussmöglichkeit für den Spieler. Da für jedes Handlungselement die passende Videosequenz vorhanden sein muss, lassen sich Geschichten nur relativ linear erzählen. Varianten, Nebengleise, Multiplayer-Modi oder alternative Perspektiven sind nicht möglich oder nur mit sehr viel Aufwand realisierbar. Die 3-d-Technik macht Spiele um Welten flexibler; der Spieler hat so viel Bewegungsfreiheit, wie ihm der Programmierer zugesteht.
Trotzdem vermisse ich diese altmodischen, unflexiblen, «flachen», linearen Spiele. Sie hatten etwas, das vielen dieser 3-d-Spielen fehlt. Eine Geschichte. Eine Seele.
Man kann sich natürlich auf den Standpunkt stellen, dass die Geschichte rund um die Werwolfattaken in Schloss Neuschwanstein nicht unbedingt literaturnobelpreisverdächtig war. Mag ja sein, aber trotzdem wars eine Geschichte mit einem Anfang, einem Mittelteil und einem schönen Ende und technisch beeindruckend umgesetzt, für die damalige Zeit. Und es gab Schauspieler bei denen man sich nicht darüber streiten muss, wie gut oder schlecht die sind, weil eins klar ist: Auch der schlechteste Schauspieler ist besser als jede dieser ungelenk animierten 3d-Figuren. Er hat menschliche Züge, Mimik, Ausstrahlung. Und auch wenn ich jetzt das Wort Seele nicht noch einmal brauche, ist es doch so, dass ich diese Computergames mit menschlichen Zügen mag.

Autor: Matthias

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