Nutzlos, nutzlos, nutzlos!

Ich muss mich gleich vorab entschuldigen, dass ich an dieser Stelle eine Steigerung des Wortes «nutzlos» brauche. Mir ist klar, dass das logisch gesehen keinen Sinn macht, denn etwas Nutzloses hat keinerlei Nutzen und weniger als keinen Nutzen kann ein Ding nicht haben, daher gibt es für Wörter mit «-los» am Ende auch keinen Komparativ oder Superlativ. Das gilt auch für Wörter wie «menschenleer», nur so nebenbei bemerkt. Neulich habe ich mal irgendwo den Satz «Je höher auf er auf den Berg stieg, desto menschenleerer wurde die Gegend» gelesen. Und mich an den alten Witz erinnert: Sind drei Leute in einem Raum. Wenn fünf durch die Tür gehen, müssen wieder zwei hineinkommen, damit der Raum leer ist.
Wobei ich ja über die nutzloseste Erfindung im Internet herziehen wollte. Also: Die nutzloseste Erfindung im Internet, mit der man mich doch künftig und für alle Zeiten verschonen möge, sind diese nutzlosen Bildergalerien. Sie wuchern wie Metastasen auf allen den Sites, die sich für wichtige Internetportale halten. Und sie sind einfach nur nutzlos.
Man sieht lieblos aus dem Web zusammengeklaute Bilder zu irgendwelchen Themen, und meistens geht es doch nur darum, ein paar spärlich bekleidete Frauen zu zeigen. Der «PC-Tipp», ansonsten Garant für seriöse Computerinformationen, zeigt «50 heisse Game-Schönheiten». Von Sally Mae Beauregard über Leeza zu Paladina und zurück. Bei Bild 15 sieht man zum ersten Mal Nippel unter dem T-Shirt und immerhin bei Bild 22 kann man digital gerenderte Brüste bestaunen. Die seriöse Welt online zeigt Bilder vom Spring Break, Spiegel online auch, tagesanzeiger.ch Amy Winehouse von schön und jung bis versoffen und kaputt, 20min.ch präsentiert Whitney Toyloy in Unterwäsche, blick.ch unbekannte Damen in Bademode, punkt.ch die Sexy-Swiss-Models-Fotostrecken: Betty, 41, Operationsschwester, wird bei Obama schwach. Woher kennt man das? Genau, aus dem «Playboy», und da gehören solche Rubriken auch hin.
Sogar bei der nzzfolio.ch findet man eine solche Galerie, doch wohltuenderweise gibts hier keine schlecht kaschierte Voyeurismusbefriedigung, sondern Illustrationen des Berliners Florian Bayer.
Es ist aber nicht so, dass Bildergalerien nicht auch schön sein könnten. Wenn sie das sind, dann machen sie viel Arbeit. Man muss Bilder auftreiben, Urheberrechte beachten, sie in einen schönen Ablauf bringen und kurz-prägnante Legenden texten. Aber so, wie diese Galerien praktiziert werden, sollen sie einfach nur Klicks generieren. Da mach ich nicht mit. Zum Klickgenerator degradiert zu werden, lässt sich mit meiner Surfer-Ehre nicht vereinbaren.

Autor: Matthias

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