Die Vergoogelung des Web

Der Browser von Google, Chrome, ist auf dem Vormarsch – und auch wenn er dem Internet Explorer bislang nicht gefährlich wird, stellt sich die Frage: Soll man mitmachen oder sich verweigern?

Ich will es mir aber nicht nehmen lassen, heute noch seriös zu bloggen. Da lese ich in diversen Blogs und Newsmeldungen, Googles Browser hätte bereits einen Marktanteil von ein bis zwei Prozent. Das kann ich nicht bestätigen. Ich sehe bei meiner Site einen Anteil von 0,37 Prozent:

Der Internet Explorer dominiert das Web – Firefox auf Platz zwei.

Die Grafik stammt von Google Analytics und zeigt die Besucher von einem Tag. Allerdings nur von den statischen Seiten zu Clickomania, weil ich es bislang nicht für nötig erachtet habe, das Script in den Blog hineinzuquetschen. Bei der Digitalk-Statistik sehe ich Chrome überhaupt nicht. Allerdings meldet Heise.de einen Anteil von 1,1 Prozent, und, ich gebe es zu, diese Zahl wäre noch ein µ aussagekräftiger als die Statistik von Clickomania.ch. Bei getclicky.com hat Chrome Opera bereits überholt.

Chromes Erfolg kommt nicht unerwartet

Das wirft Fragen auf. Einerseits kommt der Erfolg nicht unerwartet. Chrome ist ein gelungener Browser, der in vielen Punkten auf Anhieb überzeugt. Chrome hatte und hat ein enormes Medienecho ausgelöst. Da ist es nur verständlich, dass jeder den Browser mal herunterlädt und ausprobiert (ob Google auch den Download-Rekord von Firefox 3.0 brechen konnte?).

Andererseits gibt es eine Reihe von Kritikpunkten. Bezüglich Datenschutz verhält sich Google ambivalent. Die eindeutige Nummer des Browsers, die vielen Datentransfers mit Google. Wer Chrome benutzt, informiert Google über jeden Schritt im Web. Google erhält Kenntnis von jedem einzelnen Tastendruck in der Adressleiste. (siehe computerworld.ch)

Soll man sich Chrome zugunsten der Privatsphäre verweigern?

Das ist ein Dilemma für den Anwender. Soll man dem Komfort nachgeben, den Chrome verspricht oder sich zugunsten von etwas mehr Privatsphäre bewusst verweigern? Das ist keine einfache Entscheidung, und die Statistiken deuten darauf hin, dass die Privatsphäre bei manchen Nutzern den Kürzeren zieht. Es bleibt natürlich abzuwarten, wie sich Chrome entwickelt, wenn die erste Neugier verflogen ist.

Und dass Chrome in manchen Statistiken (in meiner zum Glück noch nicht) Opera überholt hat, tut mir ehrlich Leid. Den norwegischen Browser gibt es seit 1996. Dass Google in weniger als zwölf Tagen mehr erreicht als Opera in zwölf Jahren, entspricht nicht den wahren Verdiensten. Die Opera-Entwickler haben enorm viel fürs Web getan – ich habe in diesem Blog schon auf die Verdienste von Håkon Wium Lie hingewiesen. Das sollte bei aller Euphorie über die Vergoogelung des Internet nicht vergessen gehen.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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