Die Rivella-Rezension

Das Schweizer auf Milchserum basirende Nationalgetränk gibt es in einer neuen Variante mit Soja. Ich habe Rivella Gelb probeverkostet.

Ob die Farbe gelb sich wirklich eignet für ein Getränk dieser Art? Man könnte nebst Sommer, Sonne, Sonnenschein auch eine andere, weniger konsumfördernde Assoziation haben. Schliesslich wird auch Rivella Rot, Blau und Grün zu der gelben Variante, nachdem sie den menschlichen Körper passiert hat.

Aber so darf man das nur als engstirniger und fortschrittsfeindlicher Mensch sehen. Schliesslich gibts die gelbe Farbe auch bei unseren Lieblingetränken Bier und Weisswein und die trinken wir auch nicht wegen der Farbe. Genau sowenig, wie wir sie wegen der Farbe nicht trinken.

Darum wage ich mich mutig an den Test und an die Rivella-Rezension. Bekannt und doch neu und überraschend, so muss die neue Geschmacksvariante des Schweizer Selbstverständnis’ in Limonadenform sein. Unverkennbar Rivella, aber trotzdem so, dass jemand wie ich, der phasenweise Rivella grün bis zum Abwinken getrunken hat, wieder Laune auf Brause kriegt.

Pfui – aber ich will mehr

Also öffne ich die Flasche, atme den Kohlensäurenebel, entdecke die wohlbekannte Duftnote und bin erst einmal beruhigt. Rivella, ganz klar. Der erste Schluck ist seltsam. Erstaunlich scharf, mit einer breiten Blume und Geschmacksnuancen, die man nicht in einem Tafelgetränk vermutet. Ich schwanke zwischen Abscheu und Begeisterung. Wäck – und ich will mehr. Auf alle Fälle ein tiefgründiger Geschmack, der sich einem nicht sofort erschliesst. Karamelisierter Zuckers, Sojaserums, Fruchtzucker ist laut Etikett drin? Wär es besser, wenn es weniger süss wäre? Mag man diesen Sojageschmack immer lieber, oder verleidet er?

Eine abschliessende Antwort habe ich darauf nicht. Rivella Rot ist sicher limonadiger und hat weniger Ecken und Kanten… naja, eigentlich keine, da es ja eine Flüssigkeit ist, ebenso wie die grüne Variante, die auch sehr gefällig über die Zunge fliesst. Gelb hätte man auch als «Rivella Advanced» bezeichnen können, Rivella für Fortgeschrittene.

Es ginge noch pfeffriger und salziger

Trotzdem: Irgendwie schmeckt auch Rivella Level 2 nach Kompromiss. Der Geschmack könnte noch schärfer, pfeffriger, salziger sein. Wie «Klikkoman»-Sosse «Kikkoman»-Sosse. Naja, oder vielleicht auch nicht. Ich bin mal gespannt, was für Rivella-Gelb-Mixgetränke in den Bars und Trendlokalen auf die Karten kommen werden. Dass sich Rivella gelb dafür eignet, steht für mich ausser Frage. Ob es den Geschmack der Massen trifft, scheint mir weniger sicher.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „Die Rivella-Rezension“

Schreibe eine Antwort zu Matthias Antwort abbrechen