Wie cool ist cuil?

Eine neue Suchmaschine erblickt das Licht der Bildschirme: www.cuil.com. Gesprochen wird das als «cool» und die Technologie stammt (laut wired.com) von einer erfahrenen Frau: Anna Patterson hat 2004 Suchmaschinentechnologie an Google verkauft und nun mit 33 Millionen Risikokapital im Rücken die neue Suchmaschine gestartet.
Aus dem Stand wird der Suchmaschinenkönig nicht vom Thron gestossen, aber ein erster Blick auf cuil stimmt hoffnungsfroh. Die Suchmaschine hat ein mehrspaltiges Layout, sodass man im Idealfall mehr Resultate auf einer Seite sieht als bei Google. Man kann wählen, ob man eine zwei- oder dreispaltige Anordnung wünscht. Auf einem Monitor mit Breitbild wäre vierspaltig besser. Und sein ganzes Potenzial würde dieses Layout ausspielen, wenn man in den Einstellungen die maximale Höhe festlegen könnte. Dann würde man ohne Scrollen auf einen Blick 15 bis zwanzig Suchresultate sehen.
Über eine graue Box hat man die Möglichkeit, die Suchresultate nach Kategorie einzuschränken. Als Reiter zeigt cuil verwandte Suchvorgänge an. Suche ich nach «nef», schlägt mir cuil als verwandte Suchläufe «The National Energy Foundation», «Sonja Nef» und «La Nef» vor. In der erwähnten Kategorienbox erscheint «Alpine Skiers At The 2002 Winter Olympics», «Alpine Skiers At The 2006 Winter Olympics», «Austrian Alpine Skiers», «Nikon Cameras», «Olympic Gold» und weitere. Das ist kein Volltreffer, aber auch kein kompletter Rohrkrepierer, auch wenn der Vorschlag «Austrian Alpine Skiers» als grober Schnitzer zu werten ist und mir der Bezug zum aktuellen Schweizer Polittheater fehlt.
Bei manchen Suchresultaten zeigt cuil ein Bild. Das wertet die Liste optisch auf. Dass diese Bilder immer relevant bzw. gut gewählt sind, darf man anzweifeln. Mir scheint, dass Cuil Grafiken auswählt, deren Format und Grösse passt: Sucht man beispielsweise nach «tagesanzeiger», sieht man ein Bild von Philipp Löpfe. Das ist zwar nicht komplett verkehrt, schliesslich war Löpfe Chefredakteur des Tagi, aber auch nicht wirklich repräsentativ.
Schwach ist der Name. Es mag sein, dass Amerikaner bei cuil an cool denken. Im Rest der Welt löst dieser Name nur Schulterzucken aus. Ich hatte eine Assoziation zu «oil» (Öl). Und darum, fürchte ich, wird es cuil schwer haben. Google verdient seine Popularität nicht allein dem eingängigen Namen, aber der war ohne Zweifel ein wichtiger Erfolgsfaktor. Webseitennamen sind dann besonders gut, wenn sie auch als Verb funktionieren – wenn der User googeln, doodeln oder flickrn kann. «Cuil das doch mal schnell!» wird keiner sagen. Trotzdem wünsche ich Anna Pattersons Suchmaschine alles Gute und werde cuil auch ab und zu brauchen – nicht das ganze Internet durch die Google-Brille (in Englisch könnte man von Google-Goggles reden) zu betrachten, ist auch nicht verkehrt.

Autor: Matthias

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